Krisenstab der BH Reutte
Chaos während der Katastrophe ist nicht erlaubt

KAT-Referent Andreas Schautzgy und BHStv. Konrad Geisler erläuterten, wie im Katastrophenfall Einsatz- und Hilfskräfte koordiniert werden.
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Starkregen, Sturm, riesige Neuschneemengen: Was passiert eigentlich, wenn solche und ähnliche Katastrophen angekündigt sind oder gar stattfinden? Wir haben nachgefragt.

REUTTE. Die Bilder der jüngsten Hochwasserereignesse in verschiedenen europäischen Ländern haben wir alle im Kopf. Diesmal kam der Bezirk Reutte im Vergleich zu anderen Region "glimpflich" davon, zu tun  hatten die lokalen Einsatzkräfte dennoch genügend.
Aber was passiert eigentlich, wenn sich Natur- oder Umweltkatastrophen anbahnen? Konrad Geisler, als Stellvertreter der Bezirkshauptfrau, und Andreas Schautzgy als Katastrophen-Referent der Bezirkshauptmannschaft Reutte, erläuterten den Bezirksblättern den Ablauf.

Bewährte Vorgangsweise

Stabsarbeit ist angesagt, wenn sich größeres Unheil ankündigt. "Diese Form der Krisenbewältigung auf Führungsebene bewährt sich ausgezeichnet", sagt Konrad Geisler und Andreas Schautzgy ergänzt: "Im Grunde macht jeder, der dem Krisenstab angehört, immer das Gleiche, egal, ob es sich um ein Hochwasser- oder um ein Lawinenereignis handelt."

Zum Glück nur eine Übung: Aber auch diese wurde über die Einsatzzetnrale der Bezirkshauptmannschaft koordinert und geleitet.
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Die Arbeit im Krisenfall

Ein Beispiel erklärt, wie im Katastrophenfall vorgegangen wird. Ein Tief mit großen Niederschlagsmengen wird für die Region vorhergesagt. Die Warnungen der Wetterdienste gehen zunächst bei der Landeswarnzentrale ein, diese verständigt weitere Stellen, z.B. die Bezirksbehörde. Es sind detaillierte Berichte, die nun fortlaufend hereinkommen: Zeit, zu erwartende Niederschlagsmengen, die betroffenen Gebiete. Als wird übermittelt. Das Internet liefert ergänzende Informationen.

Wichtige Lagebesprechungen

Umgehend erfolgen hausintern - in der Bezirkshauptmannschaft - erste Lagebesprechungen. Wenn alles im "Rahmen" verläuft, wird beobachtet, ohne dass weitere Maßnahmen gesetzt werden.
Wird die Situation als kritisch eingestuft, werden nach einem genauen Plan die nächsten Schritte eingeleitet. Innerhalb von 30 Minuten wird die Einsatzszentrale eingerichtet und mit den zuständigen Personen besetzt. "Meistens sind wir schneller", stellt Schautzgy dazu fest.

Aufgaben der Einsatzleitung

Oberste Instanz im Bezirk Reutte ist Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf als Einsatzleiterin. Ist sie nicht da, übernimmt Konrad Geisler die Führungsfunktion. Andreas Schautzgy als Kat-Referent ist sozusagen der "erweiterte Arm". Gemeinsam achten sie darauf, dass bei gemeindeübergreifenden Ereignissen alles Hand in Hand läuft. Sie treffen notwendige Entscheidungen. Natürlich können sie dafür auch Fachmeinungen einholen.
Eine solche kann sein, dass man Häuser "aufgibt" um eine wichtige Infrastruktureinrichtung zu schützen. Wie man diese dann schützt, das wird vom Krisenstab festgelegt.

Aufgaben des Krisenstabs

Den Mitgliedern des Krisenstabs sind genau definierte Aufgaben zugeordnet. Es sind immer dieselben Personen, welche den Kontakt zu den Gemeinden halten, Bagger und LKWs ordern, Hubschrauber losschicken, Treibstoff für alle Fahrzeuge in den Gemeinden organisieren, falls gebraucht auch Verpflegung bestellen oder Unterstützung von außen, z.B. durch das Bundesheer, anfordern. "Da ist es völlig egal, ob wir es mit Hochwasser oder mit Lawinen zu tun haben", erklärt Schautzgy.
Diese Vorgangsweise hat große Vorteile. Die zuständigen Mitarbeiter kennen ihre Aufgaben genau und auch die "Kanäle" über sie die benötigten Waren, Gegenstände und Hilfskräfte beziehen können. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Erweiterter Krisenstab

Falls notwendig, kann der Krisenstab erweitert und mit zusätzlichen Fachleuten ergänzt werden. Das sind dann zumeist Führungskräfte der Feuerwehr, Rettung oder der Polizei, ebenso aber Experten der Energieverorger usw.. Jede Krisensituation wird individuelle bewertet und die weiteren Maßnahmen den Erfordernissen angepasst.
Auf dieser Ebene wird festgelegt, wie man bei der Krisenbewältigung weiter vorgeht, oder einfach ausgedrückt: wer tut jetzt was?

Zum Glück nur eine Übung: Aber auch diese wurde über die Einsatzzetnrale der Bezirkshauptmannschaft koordinert und geleitet.
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Geholfen wird vor Ort

Unterhalb des Krisenstabs agieren die Hilfskräfte vor Ort. Das sind Feuerwehren, Rettung, Polizei, die Bergrettung und alle anderen Helfer.
Hier wird oft schon an der Krisenbewältigung vor Ort gearbeitet, noch bevor sich der Führungsstab bzw. die Bezirkseinsatzleitung koordinierend einbringen.
Den heimischen Feuerwehren kommt bei der Krisenbewältigung zumeist eine ganz spezielle Rolle zu. Aber auch alle anderen Organisationen sind rasch zur Stelle, wenn es darum geht, Not und Leid abzuwenden, oder so gering wie möglich zu halten.

Stromversorgung als Herausforderung

Eine besondere Herausforderung stellt in Notsituationen die Stromversorgung dar. Wird diese unterbrochen, geht oft gar nichts mehr. Die Bezirkshauptmannschaft kann daher gemeinsam mit der benachbarten Einsatzzentrale der Feuerwehr Reutte mit einem Notstromaggregat mit Energie versorgt werden.
Aber was, wenn die Stromversorgung in die Gemeinden unterbrochen wird? "Dann erfolgt die Kommunikation über Digitalfunk", erklärt Schautzgy. So wichtig Handy und Internet heute für die Kommunikation auch sind, auf Funkmöglichkeiten kann und will man nicht verzichten.

Ohne Sirenen geht es nicht

Auch ein funktionierendes Sirenensystem spielt eine zentrale Rolle. Beim jüngsten Hochwasser in Deutschland mussten viele betroffene Gemeinden und Regionen miterleben, dass sie ihre Bürger nicht warnen konnten, weil die Sirenensysteme über die Jahre abgebaut wurden.
In Österreich ist das anders. Die Sirenenwarnsysteme sind fixer Bestandteil im Bereich des Katastrophenschutzes. Jeden Samstag um 12 Uhr werden die Sirenen getestet, einmal im Jahr gibt es eine große Sirenenübung. So ist man gut aufgestellt, wenn Gefahr droht oder unaufhaltsam heranzieht.

Kennen Sie die Bedeutung der Sirenensignale?

Es braucht Eigenverantwortung

Selber hinschauen, hinhören und eigenverantwortlich handeln, das müsse aber jeder für sich tun, mahnen Geisler und Schautzgy Eigenverantwortung bei den Bürgern ein. Nur gemeinsam könne man Gefahren und Katastrophen bestmöglich abwehren oder bewältigen.

Auch das Einsatzende ist geregelt

Und wie hört so ein Einsatz am Ende wieder auf? So wie er angefangen hat. Ganz geordnet. "Dafür gibt es ganz genaue Pläne und klar geregelte Vorgangsweisen", erklärt Konrad Geisler. "Einfach zammpacken und heimgehen geht nicht." Auch das Ende eines jeden Einsatzes ist daher klar festgeschrieben.

Weitere Informationen aus dem Bezirk Reutte finden Sie unter
www.meinbezirk.at

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