Standesbeamter erzählt
Heiraten in Coronazeiten ist sehr speziell

Am Samstag nimmt Günther Mair seine 1000 Trauung vor.
  • Am Samstag nimmt Günther Mair seine 1000 Trauung vor.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Günther Reichel

REUTTE (rei). Für Brautpaare ist es in Coronazeiten nicht ganz einfach, eine würdevolle Feier auf die Beine zu stellen.

Plötzlich war alles anders

Vorübergehend ging gar nichts - Hochzeiten und andere Feste bzw. Veranstaltungen waren Corona bedingt verboten. Dann war alles sehr eingeschränkt, inzwischen ist wieder mehr möglich, von Normalität ist man aber noch immer weit entfernt.
Das spürt man natürlich auch beim größten Standesamt im Bezirk, jenem von Reutte. "Wir waren dabei, die Zahlen aus dem Jahr 2019 bei den Eheschließungen zu überbieten und 2019 war das trauungsstärkste Jahr seit Jahrzehnten", erzählt Günther Mair. Dass die 2019er-Zahlen jetzt noch getoppt werden könnten, daran glaubt der Leiter des Standesamtes Reutte nicht mehr, aber: "Es zieht wieder an. Im Spätsommer bzw. im Herbst haben wir (Günther Mair und sein Kollege im Standesamt Horst Pürstl, Anm.) schon sehr volle Terminkalender."

40 Trauungen weniger

Von Beginn der Coronakrise bis Anfang Juli 2020 wurden 34 bereits vorgemerkte Trauungen verschoben - manche in die nahe Zukunft, andere bis ins Jahr 2021 hinein. Sechs Eheschließungen wurden ganz abgesagt, zumindest in Reutte: "Das waren Urlaubsgäste, die hier bei uns heiraten wollten und dies nicht mehr machen."

Echte "Mini-Hochzeiten"

Manche Brautpaare wollten sich trotz geltender Einschränkungen aber unbedingt das Ja-Wort geben. Teilweise waren nur die beiden Brautleute und der Standesbeamte dabei, Trauzeugen braucht es heute keine mehr. Drei Personen - weniger geht einfach nicht.
Manchmal war die Hochzeitgesellschaft geringfügig größer - die vom Gesetzgeber gemachten Vorgaben waren streng und wurden natürlich eingehalten. So waren nach der ersten leichten Lockerung maximal zehn Personen erlaubt. "Allerdings mussten für jeden Teilnehmer mindestens zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen", erzählt Mair. Das Trauungszimmer im Reuttener Gemeindeamt misst aber gerade einmal 31 Quadratmeter, gerade ausreichend für das Brautpaar und den Standesbeamten. Also funktionierte man den Hausgang im Gemeindeamt zum erweiterten Trauungsraum um. Gestört habe sich niemand daran - die, die in dieser schwierigen Zeit heiraten wollten, freuten sich, dass es überhaupt möglich war.
Dann habe es auch solche Paare gegeben, denen die Einschränkungen sogar entgegenkamen: "Es wollen ja nicht immer alle im großen Kreis heiraten", weiß Mair aus Erfahrung und ergänzt: "Das lässt sich dann manchmal Verwandten und Freunden schwer erklären. Durch Corona war es vorübergehnd nicht anders möglich."

Jetzt sind wieder mehr Gäste erlaubt

Ganz so einfach tun sich Brautpaare, die ohne jegliche Gäste oder mit möglichst wenigen heiraten wollen, jetzt in ihrer Argumentation aber nicht mehr, denn die Lockerungen sind weiter vorangeschritten, u.a. wurde festgehalten, dass eine standesamtliche Trauung keine Hochzeitsfeier ist, sondern ein Verwaltungsakt. Und da sind die Abstandsregelungen längst nicht so streng. Auch bei den Lokalitäten gab es inzwischen eine "Entspannung": so kann man sich etwa auf Ehrenberg wieder in der Kapelle trauen lassen, oder auch in der großen Arena.

Mit dem Blick zurück auf die vergangenen Wochen, die von Corona und damit einhergehenden Einschränkungen verbunden waren, fallen Günther Mair unterschiedliche Geschichten ein, die ihm wohl noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Etwa jene, dass  viele Brautpaare auch dann auf ein Foto mit Gesichtsmaske Wert legten, als sie diese gar nicht mehr zu tragen brauchten. "Als Erinnerung daran, in welch außergewöhnlichen Zeit sie geheiratet haben."
Das nahm dann durchaus kuriose Auswüchse an. So bemerkte ein Hochzeitsgast beim Gruppenfoto , dass er seine Maske vergessen hatte. "Die Fotografin hat dann ihre abgenommen und weitergeben. Sie meinte, 'nehmen Sie meine, ich brauche sie zum Fotografieren ja nicht'."

1000. Trauung am Samstag

Der Leiter des Standesamtes Reutte hat im Laufe seiner Tätigkeit schon vieles erlebt. Am Wochenende feiert er sogar ein Jubiläum und zwar gar kein kleines: "Ich habe kommenden Samstag meine 1.000. Trauung!", verriet der den Bezirksblättern. Bei aller Routine, die man im Laufe der Jahre bekommt, ist das dann aber natürlich etwas ganz Besonderes. Wir gratulieren Günther Mair herzlich.

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