Wildentnahme im Februar
Kaisers kommt nicht zur Ruhe

Christine Miller, Norbert Lorenz, Markus Gerber und Markus Abwerzger (v.l.) bei der Pressekonferenz.
  • Christine Miller, Norbert Lorenz, Markus Gerber und Markus Abwerzger (v.l.) bei der Pressekonferenz.
  • Foto: Reichel
  • hochgeladen von Günther Reichel

KAISERS (rei). Keine Ruhe kehrt rund um die "Wildentnahme" in einem Reduktionsgatter in Kaisers ein. Das Gegenteil ist eher der Fall.

Dicke Wolken, eine naß-kalte Witterung: Kaisers präsentierte sich am Donnerstag gar nicht sonnig, und auch die Stimmung im Raum war angepasst, schließlich galt es, ein ernstes Thema abzuhandeln. Bürgermeister Norbert Lorenz hatte zu einer Pressekonferenz eingeladen, um den neuesten Wissenststand in Sachen Wildtierentnahme in der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 2020 (hier gehts zum Bericht) vorzulegen.

Düstere Stimmung

Die Gemeinde Kaisers ließ von der deutschen Wildbiologin Dr. Christine Miller ein Gutachten zu den Vorgängen Anfang des Jahres erstellen . Die Sachverständige kommt zum Schluss, dass die Maßnahmen nicht notwendig gewesen wären. Basierend auf dem Gutachten wird kommende Woche bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen Landesveterinär Dr. Kössler und den Reuttener Amtstierarzt eingebracht.
Mit seinem Bürgermeisterkollegen Markus Gerber aus Elbigenalp hat Lorenz einen Mitstreiter im Kampf gegen den Einsatz von Reduktionsgatter an seiner Seite. Bei der Pressekonferenz dabei war ferner Mag. Markus Abwerzger. Tirols FPÖ-Chef vertritt in der Angelegenheit die Seite der Gemeinde Kaisers als Rechtsanwalt. Auch Wildbiologin Christine Miller war gekommen, um ihr Gutachten vorzustellen.

Überzogene Maßnahme

Christine Miller berichtete über die wesentlichen Punkte aus ihrem Gutachten. Und da kommt sie zu dem Schluss, dass die von der Behörde angeordneten Maßnahmen überzogen waren. Die Tierentnahme im Reduktionsgatter - im Kaisers spricht man von einer grausamen  Tötung der Tiere in einem Tötungsgatter - hätte es nach Ansicht von Miller nicht gebraucht.
Nach Aktenstudium und der Besichtigung des Reduktionsgatters vermisst sie die notwendige Sorgfalt als auch Fachkenntnis beim Gatterbau. Auch die Durchführung der Entnahme, also das Schießen der Tiere, sei nicht fachgerecht ausgeführt worden.
Christine Miller listete eine ganze Reihe weiterer Punkte im Zusammenhang mit den Vorgängen in jener Februarnacht auf, die ihrer Ansicht nach weit über das notwendig Maß hinaus gingen.
Lorenz und seine Mitstreiter in Kaisers bzw. im Lechtal fühlen sich angesichts des Gutachtens in ihren Ansichten bestätigt. Etwa dahingehend, dass die Behörde von einem Rotwildbestand im oberen Lechtal ausgeht, den es so nicht ansatzweise gibt.

Das von Christine Miller erstellte Gutachten ist nun die Basis für die Strafanzeige, die Markus Abwerzger einbringen wird. Tierquälerei ist dabei ein zentraler Punkt der Vorwürfe, welche in der Folge von der Staatsanwaltschaft bzw. von Gerichten zu prüfen sind.

Stellungnahme des Landes Tirol

"Seitens des Landes Tirol weist man einmal mehr auf die für alle nachvollziehbaren und objektiven Tuberkulose-Zahlen hin, die belegen, dass der Tuberkulose-Durchseuchungsgrad etwa im Jagdgebiet Kaisers von allen Jagdgebieten Tirols am höchsten ist. Aus diesem Grund hat die Behörde als Seuchenbekämpfungsmaßnahme Abschussquoten angeordnet, denen die Verantwortlichen im Lechtal über Jahre nicht nachgekommen sind. Auch das Gesundheitsministerium hat erst kürzlich wieder festgestellt, dass Tuberkulose für die Landwirtschaft eine höchstschädliche Tierseuche ist. Aber nicht nur das: TBC kann auch auf den Menschen übertragen werden und stellt damit eine Gefahr nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen dar. Allein in den letzten 12 Jahren mussten knapp 300 Rinder aufgrund einer TBC-Infektion getötet werden, rund 180 Rinder davon allein im Lechtal. Die damit einhergehenden Sperren der landwirtschaftlichen Betriebe stellen für die Landwirte und die gesamte heimische Lebensmittelproduktion eine existenzbedrohende Herausforderung dar. Auch wenn Reduktionsgatter wie in Kaisers - vorbehaltlich der Zustimmung des Bundes - nicht mehr zum Einsatz kommen sollen, haben sowohl das zuständige Ministerium in Wien sowie Gutachten bestätigt, dass die Entnahme bedacht und fachgerecht durchgeführt wurde. Der Vorwurf der Tierquälerei wurde daher bereits mehrfach von profunder fachlicher Stelle widerlegt."

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