Interview
Mein Leben auf der Alm

Armin Hummel und seine Iveta bewirtschaften gemeinsam die Bernhardseck-Hütte.
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  • Armin Hummel und seine Iveta bewirtschaften gemeinsam die Bernhardseck-Hütte.
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AUSSERFERN (eha). Armin Hummel, Besitzer der Bernhardseck Hütte, gibt uns einen Einblick in das Leben als Hüttenwirt.

Auf einer Hütte leben, sein eigener Chef sein, Natur in seiner eindrucksvollsten Art erleben, jeden Morgen zu einem Panorama aufwachen, das andere nur von der Postkarte kennen. Hüttenwirt zu sein klingt romantisch. Ist es das auch? Wir sprachen mit Armin Hummel aus Elbigenalp – er ist seit 18 Jahren Wirt der Bernhardseck Hütte.

Herr Hummel, seit wann gibt es die Bernhardseck Hütte und wie sind Sie dazu gekommen?
Armin Hummel:
Unsere Hütte ist eine privat geführte Hütte und schon immer in Familienbesitz. Erbaut wurde sie zwischen 1938 und 1940 von Paul und Leo Moll. Ende des Krieges (1945) ging die Hütte in den Besitz der Schwester Maria Hummel, geborene Moll, über, da die beiden Brüder im Krieg gefallen waren. Maria und ihr Ehemann Franz Hummel bewirtschafteten die Hütte bis 1970. In dieser Zeit wurde vergrößert und modernisiert. Zwischen 1975 und 1980 wurde die Hütte an die Familie Metzler verpachtet. Danach übernahm Paul Hummel die Hütte. Seit 2001 bewirtschafte ich nun die Hütte gemeinsam mit meiner Frau Iveta und der Familie.

Welche Arbeiten bestimmen Ihren Alltag auf 1.812 m Seehöhe?
Das kommt ganz auf die Jahreszeit an. Im Sommer beginnt der Tag für mich um halb sechs mit Frühstückrichten für die Gäste. Danach müssen Zimmer, Lager und Gastraum sauber gemacht, und Toiletten und Bäder geputzt werden. Diese Aufgaben übernimmt meistens meine Frau. Dann ist es für mich auch schon an der Zeit, das Mittagessen vorzubereiten. Zwischendurch kümmere ich mich um Reparaturen, Instandhaltungen und den Lebensmitteltransport. Danach ist die Küche wieder mein Reich, und ich beginne mit den Vorbereitungen fürs Abendessen. Im Winter kommt dann auch noch die Wegpräparierung mit der Loipenmaschine dazu.

Was erwartet den Wanderer auf der Bernhardseck Hütte?
Zunächst einmal liegt die Hütte an einem der schönsten Aussichtsplätze in der Naturparkregion Lechtal, wie ich finde. Und man hat hier oben einen wunderbaren Blick auf die Allgäuer Alpen im Norden und die Lechtaler Alpen im Süden. Außerdem ist hier ein guter Ausgangsplatz für viele schöne Wanderungen und Bergtouren.
Derzeit gibt es 12 Schlafplätze im Matratzenlager, und dazu 28 weitere Betten in den Zimmern. Im Nebengebäude befinden sich ein Vierbettzimmer und zwei Doppelzimmer. Ein Schlaferlebnis der besonderen Art bietet unser Schlaf-Fass für vier Personen. Kulinarisch versuche ich ein möglichst vielfältiges und abwechslungsreiches Angebot mit regionalen und saisonalen Produkten zu kreieren. Bei uns gibt es Tiroler Hausmannskost wie Tiroler Gröstl, Kaiserschmarrn, diverse Knödelgerichte, aber auch vegetarische und vegane Speisen, verschiedene Salate, herzhafte Bretteljausen oder Brotzeiten. Außerdem eine große Auswahl an hausgemachten Strudeln und Kuchen.

Was hat sich im Laufe der Jahre alles verändert?
Die größte Veränderung war mit Sicherheit die Kanalisierung und Stromverlegung im Jahr 1999. Dadurch wurde es möglich, die Hütte auch im Winter zu öffnen. Als noch kein richtiger Weg zur Hütte führte, mussten noch alle Dinge mühsam raufgeschleppt werden, das ist heute auch viel leichter. Mit dem Pick-Up oder dem Skidoo hole ich die Sachen aus einer Garage unten im Duarf und bringe sie hoch. Auch das ist sehr aufwändig, weil ich jedes Ding drei Mal in die Hand nehme, bevor es auf der Hütte landet. Aber auch das Klientel der Gäste hat sich etwas verändert. Heute kommen viel mehr junge Leute oder Familien.

Welche Begebenheiten mit Wanderern sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Da könnte ich so einiges erzählen (lacht). Ein Gast entdeckte auf einer Wiese einen wundersamen Stein. Diesen schleppte er dann zur Hütte und berichtete stolz einen Bergkristall gefunden zu haben. Ich erklärte dem Mann dann, dass es sich um einen Salzleckstein für die Schafe am Berg handelt, was für schallendes Gelächter im Gastraum sorgte. Es kam aber auch schon zweimal vor, dass Wanderer ein kleines Lämmchen unter dem Arm angeschleppt haben, weil sie dachten, die Mutter hätte es verlassen. Da werde ich dann schon bestimmter und kläre die Leute auf, dass es eine blöde Idee war, weil das Lämmchen jetzt mit der Flasche aufgezogen werden muss.

Was sind für Sie persönlich die schönsten Momente auf der Hütte?
Ganz in der Früh, wenn alle noch schlafen, sitze ich gerne mit meiner Frau auf der Terrasse, trinke einen Kaffee und genieße das herrliche Panorama. Und im Herbst, wenn es die Zeit zulässt, gehe ich gerne zum Pilzesuchen, das entspannt mich total.

Was macht Hüttenwirt Armin Hummel während der Betriebsruhe?
Da gönnen wir uns eine kleine Auszeit, mit Urlaub in Südtirol. Oder wir gehen daheim, in unserer wunderschönen Gegend, wandern oder schwimmen.

Armin Hummel und seine Iveta bewirtschaften gemeinsam die Bernhardseck-Hütte.
Die Hütte hat ab 30. Mai wieder geöffnet.
Autor:

Evelyn Hartman aus Reutte

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