Volksbefragung kommt
Neues Gasthaus am Vilsalpsee scheidet die Geister

Der von Mario Gasser geplante Neubau (Bildmitte) "duckt" sich in die Landschaft. Durch das begrünte Dach verschwindet es von oben gesehen nahezu in dieser.
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  • Der von Mario Gasser geplante Neubau (Bildmitte) "duckt" sich in die Landschaft. Durch das begrünte Dach verschwindet es von oben gesehen nahezu in dieser.
  • Foto: Visualisierung: Mario Gasser Architecture
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Der geplante Neubau des gemeindeeigenen Gasthauses am Vilsalpsee hat in Tannheim ein "Nachspiel". Sowohl, was das Projekt anlangt, als auch in politischer Hinsicht.

TANNHEIM. Nach der Vorstellung des Siegerprojektes sammelten Bürger Unterschriften, um eine Volksbefragung zu erwirken. Die findet jetzt am 1. August 2021 statt. Und noch eines hat die Debatte bewirkt: Bgm. Markus Eberle hört am Ende der Funktionsperiode auf. Er zieht sich aus der Politik zurück.

"Soll das geplante Gasthaus am Vilsalpsee für Baukosten von 3.750.000 Euro zzgl. Folgekosten gemäß dem prämierten Entwurf aus dem Architektenwettbewerb errichtet werden?"

Am 1. August sollen die Bürger der Gemeinde dazu ihre Meinung abgeben.

Alles richtig gemacht

Bürgermeister Markus Eberle versteht das Ansinnen nicht. Aus seiner Sicht, und wohl aus der Sicht des Gemeinderates, hat man im Vorfeld alles richtig gemacht.
Das alte Gasthaus am Vilsalpsee, das der Gemeinde gehört und von einem Pächter geführt wird, ist arg in die Jahre gekommen. Fachleute wurden zu Möglichkeiten hinsichtlich einer Sanierung befragt.

Sanierung macht keinen Sinn

"Dabei kam heraus, dass eine Sanierung des Altbestandes keinen Sinn macht. Das Haus ist nicht behindertengerecht, die Raumhöhen passen nicht mehr und auch der Brandschutz entspricht nicht den heutigen Anforderungen. Das gilt auch für die WC-Anlagen", erklärt der Gemeindechef.
Eine Sanierung sei daher auszuschließen.

So schaut es derzeit am Vilsalpsee aus. In der Bildmitte der Altbestand, der nicht mehr der Zeit entspricht.
  • So schaut es derzeit am Vilsalpsee aus. In der Bildmitte der Altbestand, der nicht mehr der Zeit entspricht.
  • Foto: Visualisierung: Mario Gasser Architecture
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Architektenwettbewerb ausgeschrieben

Also schrieb die Gemeinde Tannheim, fachlich unterstützt und begleitet von der Tiroler Dorferneuerung, einen Archtiktenwettbewerb aus. Der wurde gut angenommen. 52 Architekten meldeten spontan Interesse an, 33 reichten Entwürfe ein. Diese wurden von einer Jury, bestehend aus Gemeindevertretern und Fachleuten der Dorferneuerung, bewertet. Die Entscheidung fiel auf den Planungsvorschlag des Innsbrucker Architekten Mario Gasser.

Das neue Gasthaus von vorne gesehen. Der Altbestand ist skizziert eingezeichnet, um die Dimensionen zu verdeutlichen.
  • Das neue Gasthaus von vorne gesehen. Der Altbestand ist skizziert eingezeichnet, um die Dimensionen zu verdeutlichen.
  • Foto: Visualisierung: Mario Gasser Architecture
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Schlicht und funktional

Dort, wo derzeit das alte Gasthaus im ländlichen Stil steht, soll ab 2022 der Neubau nach Plänen Gassers entstehen. Schlicht, sehr funktional, sich der Landschaft unterordnend - so könnte das neue Gasthaus am Vilsalpsee einmal aussehen.
Könnte. Denn jetzt wird das Volk befragt, ob man das Gasthaus in dieser Form will. Eine rege Diskussion, teilweise auf den Plattformen der sozialen Medien geführt, entspann sich nach der Veröffentlichung des Siegermodells.
Dass intensiv diskutiert wird, dessen war sich Eberle bereits bei der Erstpräsentation im Rahmen einer Pressekonferenz sicher. Mit dem, was nun passiert, hatte er nicht gerechnet.

Viele Emotionen sind im Spiel

Der erfahrene Kommunalpolitiker wundert und ärgert sich gleichermaßen. "Viele wissen gar nicht, was hier eigentlich gebaut wird", ist er sich sicher. Man habe im Hintergrund Emotionen geschürt und auf die fachlichen Argumente "vergessen".
Und diese, da ist sich Eberle sicher, sprechen klar für eine Umsetzung der Plänen des Architekten Mario Gasser. "Dieses Projekt passt am besten zum See", findet der Gemeindechef. "Es ordnet sich der Landschaft unter und ist voll in diese integriert. Außerdem hat es die geringste Kubatur aller vorgestellten Ideen und damit auch die geringsten Baukosten."
Letztere sollen ca. 3,75 Millionen Euro betragen. Diese Summe beruht auf Kostenschätzungen, berechnet nach der Kubatur. Vom Land sind Förderungen zugesagt und der Bund hat Zuschüsse bereits ausbezahlt.

Im Zuge der Diskussionen wurden viele andere "Ideen" in den Raum geworfen. Etwa jene, den Altbestand abzureißen und einfach nach dem alten Vorbild, dann eben mit passenden Raumhöhen, Brandschutz etc., nahezu gleich aufzubauen. Für Eberle ist das nicht denkbar. Das widerspreche jeder Weiterentwicklung.

Unterschriften für Volksbefragung

Trotzdem wurden im Ort ausreichend viele Unterschriften gesammelt, um die Volksbefragung zu erwirken. Die Gemeinde wird ihre Bürger nochmals über das Projekt informieren. Was dann am 1. August passiert, kann Eberle nicht sagen.
Grundsätzlich sei der Gemeinderat nicht an das Ergebnis der Volksbefragung gebunden. Aber es obliege natürlich dem Gemeinderat, je nach Ausgang, weitere Schritte einzuleiten.

Ungewisse Folgen

Unklar ist auch, ob die Gemeinde, sollte das Siegerprojekt nachträglich abgelehnt werden, dann "zur Kasse gebeten" wird. Immerhin habe es sich im Vorfeld um einen "Realisierungswettbewerb" gehandelt. Das bedeutet, die Teilnehmer durften damit rechnen, dass sie - sollten sie gewinnen - auch den Auftrag bekommen.

Bgm. Markus Eberle (li) und Planer Mario Gasser bei der Projektvorstellung Ende April 2021.
  • Bgm. Markus Eberle (li) und Planer Mario Gasser bei der Projektvorstellung Ende April 2021.
  • Foto: Visualisierung: Mario Gasser Architecture
  • hochgeladen von Günther Reichel

Bgm. Eberle kandidiert nicht mehr

Aber egal, wie die Befragung ausgeht: Eberle selbst wird bei der Umsetzung  nicht mehr dabei sein. Schon längere Zeit überlegte der Langzeitbürgermeister, ob er am 28. Feburar 2022 bei den Gemeinderatswahlen nochmals antreten wird. Jetzt hat er seine Entscheidung getroffen: Er hört auf.

Die teils sehr untergriffig geführten Diskussionen mit persönlichen Angriffen auf seine Person seien das "Tüpfelchen auf dem I" gewesen, sagt Markus Eberle.

"Ich höre auf. Ich kandidieren im Februar 2022 nicht mehr."


Unter nachfolgendem Link finden Sie den Bericht zur Projektvorstellung des Gasthofs am Vilsalpsee. In unserem angefügten Video sehen Sie neben dem Siegerprojekt von Mario Gasser weitere Modelle, die im Zuge des Architektenwettbewerbs eingereicht wurden.

Innsbrucker Architekt plant neues Gasthaus am Vilsalpsee

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