Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
Schnee und Eis am Dach: Das ist jetzt zu beachten

Viele Dächer wurden nach den Schneefällen geräumt. Wie groß die Schneelast ist, lässt sich berechnen.
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  • Viele Dächer wurden nach den Schneefällen geräumt. Wie groß die Schneelast ist, lässt sich berechnen.
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Den vielen Schnee einfach genießen, oder muss man gerade jetzt bestimmte Dinge beachten: Wir sagen es Ihnen.

AUSSERFERN (rei). Die ausgiebigen Schneefälle sind fast schon vergessen, und damit die vielen Probleme, die damit verbunden waren. Nun überwiegt die Freude an der tiefwinterlichen Landschaft.

Der Blick nach oben lohnt sich!

Ganz verdrängen sollte man allfällige Gefahren, die vom vielen Schnee ausgehen können, nicht - ganz speziell dann, wenn der Schnee auf den Dächern liegt. Etwa wegen Eiszapfen, die herunterfallen und Menschen und Sachgüter Schaden zufügen könnten. Das Selbe gilt auch für mögliche Dachlawinen. Hier geht es um Haftungsfragen.
Versicherungsexperte Hartwig Wanner aus Weißbach gab kürzlich auf Facebook Informationen zum Thema und veröffentlichte einen wichtigen Hinweis: "Kommt der Grundstückseigentümer diesen Verpflichtungen nicht ordnungsgemäß nach, dann haftet er für eventuelle Schäden." 

Das Dach hat gehalten - und jetzt?

Die großen Schneefälle scheinen jetzt aber erst einmal vorbei zu sein. Dass es gar nicht lange her ist, dass sich viele Hausbesitzer Sorgen machten, ob das Dach die große Last noch tragen kann, ist nicht lange her. Auch nicht die Bilder von Menschen, die mit viel Mühe - aber auch bei teils bei großer Gefahr - ihre Dachflächen räumten.
Nun scheint alles wieder in bester Ordnung. Die Mehrzahl der Dächer hat gehalten und nun schaut es auch gar nicht mehr nach soviel Schnee aus, der liegt. Aber Vorsicht: Zwar ist die "weiße Pracht" inzwischen zusammengehockt, am Gewicht hat sich aber nicht viel geändert, denn Tauwetter gab es bislang keines.

Der Februar ist mitunter ein sehr schneereicher Monat. Gut möglich, dass wieder einiges vom Himmel fällt und die Sorgen hinsichtlich der Dachlasten von vorne beginnen.
Statiker DI Paul Nessler aus Reutte hatte zum Zeitpunkt der Schneefälle bereits in einem Bezirksblätter-Beitrag wichtige Informationen zum Thema gegeben (den Bericht dazu finden Sie hier).

Schneegewicht berechnen

Paul Nessler hat für die Bezirksblätter-Leser einen Anleitung verfasst, wie man das Schneegewicht messen kann. Er rät dabei, sich eines PVC-Rohres und einer Küchenwaage zu bedienen. Die genau Anleitung finden Sie als Foto-Anhang, bzw. am Textende.

Wer während der bzw. unmittelbar nach den ergiebigen Schneefällen ernsthaft Sorgen hinsichtlich der Schneelast am Dach hatte, sollte sich vielleicht daran machen, die Schneelast zu ermitteln. Dann weiß man schon einmal wieviel liegt. Sollten abermals große Neuschneemengen hinzukommen, hat man einen Anhaltspunkt, ob sich zusätzliches Gewicht noch ausgeht, oder ob man Handlungsbedarf hat.
Der hängt von der Bauausführung des jeweiligen Daches ab. Im Zweifelsfall am besten noch bevor es wieder schneit bei Fachleuten (Statiker, Baumeister, Zimmerleute udgl.) Rat einholen.

In fünf Schritten zum Schneegewicht:

Messung der Schneelast:
Die Schneelast kann mit Hilfe eines PVC-Rohres und einer Waage (Küchenwaage) ermittelt werden.

Schritt 1: Rohr wiegen
Schritt 2: Rohr senkrecht bis zur Dachhaut durch die Schneedecke drücken
Schritt 3: Rohr freilegen und mit der Hand oder einem entsprechenden Hilfsmittel (Blechplatte) den Boden des Rohres verschließen.
Schritt 4: Gewicht des Rohres samt Inhalt wiegen
Schritt 5: Das reine Schneegewicht [kg] dividiert durch die Querschnittsfläche des Rohres [m2] ergibt die Schneelast pro m2 [kg/m2].

Wird zusätzlich die Schneehöhe gemessen und dividiert man die Schneelast aus Schritt 5 durch die Schneehöhe [m], erhält man das Raumgewicht [kg/m3].

Bei der Begehung des Daches sollte man vorsichtig sein und sich auf jeden Fall sichern. Wenn die berechnete Schneelast über der zulässigen Schneelast liegt, ist das Dach abzuschöpfen. Die Schneelasten sind vom jeweiligen Standort des Gebäudes abhängig und in ÖNORM B 1991-1-3 festgelegt. Eine genaue Schneelasteinwirkung für das Gebäude, abhängig vom Standort und den örtlichen Gegebenheiten (Dachform, Dachneigung, Höhensprünge und andere örtliche Effekte) kann der Fachmann ermitteln.

Die Dachkonstruktion ist bei hohen Schneelasten jedenfalls zu beobachten. Bei ungewöhnlichem Tragverhalten der Konstruktion (Durchbiegung, außergewöhnliche Geräusche,...) sollte dringend ein Fachmann kontaktiert werden.

Beispiel:
PVC-Rohr mit Innendurchmesser 10 cm
Querschnittsfläche Rohr: A Rohr = d2 * π / 4 = 0,12 * 3,1416 / 4 = 0,007854 m2
Rohrgewicht z.B.: G Rohr = 1014 g
Rohr mit Schnee z.B.: G Rohr + Schnee = 2010 g
Schneegewicht: G Schnee = 2010 g - 1014 g = 996 g = 0,996 kg

Flächengewicht Schnee [kg/m2]:
s = G Schnee / A Rohr = 0,996 / 0,007854 = 126,81 kg/m2 gerundet 130 kg/m2

Raumgewicht Schnee [kg/m3]:
S = s / Schneehöhe
Schneehöhe gemessen z.B.: 72 cm
S = 126,81 / 0,72 = 176,13 kg/m3 gerundet 180 kg/m3

In diesem Beispiel (Standort Reutte) ist die vorhandene Schneelast geringer als die nach ÖNORM festgelegte Schneelast. Bei Regen ergibt sich eine Erhöhung der Schneelast entsprechend dem Niederschlag pro Quadratmeter. Zum Beispiel bei 15 Millimeter Wasser pro Quadratmeter erhöht sich die Belastung um 15 kg/m2. Eine Orientierungshilfe bietet dabei die Wettervorhersage.

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