Sicherheitsdebatte
Sicherheit spielt eine zentrale Rolle

Polizeikommandant Egon Lorenz.
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Nach einem Mord in Vorarlberg wird auch bei uns über die Sicherheit auf den Ämtern und Behörden diskutiert.

AUSSERFERN (rei). Die Betroffenheit ist groß: In Dornbirn wurde vergangene Woche der Leiter des Sozialamtes erstochen. Ein 34-jähriger Türke ist der Tat verdächtig, er sitzt in Untersuchungshaft. Der Täter dürfte mit dem Ablauf seines Asylverfahrens nicht zufrieden gewesen sein.  Nun ist landesweit eine Debatte über die Sicherheit auf den Ämtern aufgeflammt.
"Ich habe meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter natürlich befragt, wie es ihnen nach dem schrecklichen Vorfall geht", erzählt Bezirkshauptfrau Mag.a Katharina Rumpf. Der getötete Beamte in Vorarlberg war auch für eine Bezirkshauptmannschaft tätig. Der Schreck sitzt daher in der Bezirksverwaltungsbehörde besonders tief.
Betroffen und nachdenklich - so beschreibt Rumpf die Stimmung am Amt. Von Angst sei aber keine Rede gewesen. "Allen ist klar, dass es schwierige Kunden gibt. Wir haben daher ein fundiertes Sicherheitskonzept im Haus", berichtet die Bezirkshauptfrau. Dieses wurde 2012 ausgearbeitet und 2018 erneuert.
Außerdem bestehen enge Kontakte zur Polizei. Die Mitarbeiter des Hauses werden darin geschult, wie man sich in Ausnahmesituationen zu verhalten hat. Außerdem sei allen klar, dass man sich zu jeder Zeit an die Polizei wenden kann, sobald der geringste Bedarf dafür gesehen wird. 
Der Chefin der Bezirksverwaltungsbehörde ist die Sicherheit ihrer MitarbeiterInnen wichtig. Ebenso aber, dass das Haus kundenfreundlich und serviceorientiert bleibt. 

Polizei als Partner

Bei der Polizei weiß man um die Bedeutung der Schulung von Mitarbeitern diverser Ämter und Behörden bestens Bescheid. "Präventive Maßnahmen sind für uns sehr wichtig. Wir stehen in engem Kontakt mit diversen Behörden und Ämtern", berichte Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz. Die Bezirkshauptmannschaft, das Bezirksgericht, bald auch das Arbeitsmarktservice: Hier erklären die Beamte bei speziellen Schulungen, wie man sich richtig verhält, sollte einmal ein Kunde aggressiv werden. "Diese beratende Tätigkeit ist von großer Bedeutung", ist sich Lorenz sicher. 
Ihm ist aber auch wichtig, dass man auf den Behörden die Polizeibeamten kennt. Niemand solle eine Scheu davor haben, einen Notruf abzusetzen. Das falle leichter, wenn man Kontakt zueinander hält.
Das sieht auch Klaus Witting so. Der Leiter des Arbeitsmarktservice in Reutte ist gerade dabei, gemeinsam mit der Polizei einen Workshop für die Mitarbeiter vorzubereiten: "Wir haben mit den Vorbereitungen schon vor dem Ereignis in Dornbirn begonnen. Leider zeigt sich jetzt auf dramatische Weise, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter zu schulen."

Sensibler Arbeitsbereich 

In den Ämtern gibt es schon jetzt Regeln, wie man sich im Extremfall zu verhalten hat. Auch Alarmsysteme sind vorhanden. Werden dieses ausgelöst, wird nach klaren Vorgaben gehandelt. Schließlich will man die Situation deeskalieren, aber auf gar keinen Fall andere zusätzlich in Gefahr bringen.
Heikel ist die Arbeit der Mitarbeiter auf den Ämtern immer wieder einmal. "Es geht häufig um Existenfragen", nennt Witting den Hauptgrund, weshalb die Emotionen schon einmal überschießen können.
Verbalen Aggressionen seien seine MitarbeiterInnen leider immer wieder einmal ausgesetzt. Erst im Dezember habe es sogar einen Fall gegeben, bei dem die Polizei gerufen werden musste: "Zum Glück hatte sich die Situation beruhigt, noch bevor die Beamten da waren!"

Sonderstellung für Gericht

Auch am Bezirksgericht ist die Sicherheit natürlich von zentraler Bedeutung. Das Gericht ist das einzige Amt, wo schon jetzt Personenkontrollen durchgeführt werden. Jeden Vormittag sitzt ein Mitarbeiter einer Securety-Firma im Eingangsbereich und kontrolliert alle Personen, die ins Haus wollen. An Verhandlungstagen dauert dies Kontrolltätigkeit den ganzen Tag an.
Gerichtsvorsteher Dr. Klaus Messner steht den Kontrollen etwas zwiespältig gegenüber. "Ich weiß nicht, wie sehr diese Kontrollen abschrecken. Wenn uns jemand etwas böses will, wird er uns auch außerhalb des Gerichtes finden", glaubt der Jurist. Am Land sei es leichter als in der Stadt, jemanden zu finden. Messner ist es wichtig, dass es keine Hemmschwellen gibt. Die Bevölkerung solle Zugang zum Haus haben. "Dadurch kann man viel bewegen!" Die Kontrollen finden dennoch statt. Vor einem Jahr wurden sie in Reutte eingeführt - auf Anordnung von oben. Mittels Handdetektor werden Besucher kontrolliert. Es kam schon vor, dass jemand sein Taschenmesser abgeben musste, das er immer dabei hat. Eine echte Waffe wurde bislang nicht sichergestellt. Frauen würden sich der Taschenkontrolle oft dadurch entziehen, dass sie einfach selbige ganz hinterlegen. Beim Verlassen des Hauses, kann alles wieder mitgenommen werden.

Polizeikommandant Egon Lorenz.
Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf

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