Unser Wald
Sturmschäden im Bezirk hielten sich in Grenzen

Holzarbeiten beschäftigen die Waldbesitzer Jahr für Jahr. Nach Stürmen ist besonders viel zu tun.
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AUSSERFERN (rei). Die Bilder der Sturmschäden, von denen viele Teile Europas betroffen sind, haben sicher viele von uns in den Köpfen. Die Schäden sind unterschiedlich verteilt. Italien, Deutschland, Tschechien, aber auch Teile Österreichs, speziell der Süden, waren besonders betroffen.
"Wir sind da vergleichsweise wirklich gut davon gekommen", sagt DI Josef Walch. Er leitet die Bezirksforstinspektionen im Bezirk Reutte. Mit dem Geschehen und der aktuellen Situation in unseren Wäldern kennt er sich aus. Das Schadausmaß nach den Stürmen Ende Oktober bemisst er im Außerfern mit rund 20.000 Festmetern. Das sei gemessen am jährlichen Einschlag von ca. 100.000 Festmetern bewältigbar. "Wir waren zum Glück von einer Katastrophe, wie sie speziell der Süden erlebt hat, weit entfernt", sagt Walch.

Betroffene Gemeinden

Im Bezirk Reutte wütete der Sturm am meisten in den Gemeinden Vils, Pinswang und Musau. Stärker betroffen war auch Berwang, dazu noch kleinere Ereignisse in anderen Gemeinden.
Es ist vornehmlich die Fichte, die es umgerissen hat. Das liegt ganz einfach daran, dass diese Baumart fast 80 Prozent des Waldbestandes ausmacht.
Bereits unmittelbar nach dem Sturm wurde auch schon mit der Aufarbeitung der Schäden begonnen. Die heimischen Waldbesitzer, Großteils sind das Gemeinden, Agrargemeinschaften und die Bundesforste, haben lange Erfahrungen mit dieser Aufgabe. Zumeist bedient man sich profesioneller Unternehmen, welche die Bäume aus dem Wald schaffen.
Den ganz großen Druck, wie in Italien oder in der Steiermark, in Kärnten oder auch in Osttirol, hat man bei uns angesichts der vergleichbar geringen Sturmschäden nicht, "aber bis Juni muss das Holz raus", erklärt der oberste Forstexperte im Bezirk.

Borkenkäfer vermehren sich explosionsartig

Dann beginnt sich nämlich der Borkenkäfer auszubreiten. Und der braucht Schadholz, damit er sich vermehren kann. Das tut er - so er die Voraussetzungen vorfindet - dann explosionsartig.
Die Zahlen sind unglaublich: In der ersten Generation sorgt ein Käferpärchen für 400-fachen Nachwuchs. Die zweite Generation verbreitet sich auf 10.000 bis 20.000 Käfer, aus der dritten Generation gehen in der Folge zw. 500.000 und einer Million Käfer hervor!
Zwei Generationen in einer Saison sind normal. Damit auch die dritte noch schlüpfen kann, braucht es für die Käfer optimale Bedingungen. Die hat es heuer bei uns gegeben, es war heiß und trocken. Aber es fehlten zum Glück die Brutbäume, als Schadholz.
Das wurden im Vorfeld, wie in der Vergangeheit, zeitgerecht aus dem Wald geholt. "Da wird wirklich hervorragende Arbeit geleistet", zollt Walch allen Waldbesitzern und den Waldarbeitern Respekt.

Der Verantwortung bewusst

Die Waldbesitzer seien sich ihrer Verantwortung bewusst, sagt Walch. Nur ganz wenige nehmen die Sache etwas leicht. Hier kann die Behörde aber aktiv werden. Heuer gab es erstmals eine Verordnung zur Käferbekämpfung, die auch klar definierte Möglichkeiten zum Einschreiten durch die Behörde beinhaltete, falls die Aufarbeitung nicht funktioniert. "Aber das hat es im Grunde nicht gebraucht", erklärt Walch. "Die Waldbesitzer haben gut gearbeitet."
Aber kaum war das alte Schadholz aus den Wäldern, hat der Sturm neues erzeugt. Damit beginnt wieder alles von vorne.
Nicht außergewöhnliches, wie Walch versichert. Er hofft nur, dass keine weiteren Sturmschäden kommen, vor allem nicht in jenem Ausmaß, wie man es auch unserer Bezirk schon erlebt hat. Da erinnert sich der Forstexperte noch mit Schaudern an das Jahr 1990 zurück. Damals fegte ein mächtiger Surm über den Bezirk hinweg. 300.000 Festmeter Holz wurden umgerissen, ein Drittel davon im Tannheimer Tal. Die Aufräumarbeiten dauerten zwei volle Jahre.
Aber alles nichts gegen den Oktober-Sturm 2018 in Italien: Dem fielen 15 Millionen Festmeter Holz zum Opfer!

Holzarbeiten beschäftigen die Waldbesitzer Jahr für Jahr. Nach Stürmen ist besonders viel zu tun.
Bezirksforstinspektor DI Josef Walch.

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