Riesenwirbel um geplante Schulsperre

Wie der Himmel ist derzeit die Stimmung an der Volksschule Lechleiten: Düster und grau.
  • Wie der Himmel ist derzeit die Stimmung an der Volksschule Lechleiten: Düster und grau.
  • hochgeladen von Günther Reichel

STEEG (rei). Im Steeger Ortsteil Lechleiten herrscht Aufregung: Am Donnerstag erhielt die Gemeinde einen fünfseitigen Bescheid, der es in sich hat. "Auflassung der Volksschule Lechleiten" - diese vier Worte im Betreff sagen alles und lassen erahnen, dass derartiges in der Gemeinde und speziell in den Weilern Lechleiten und Gehren nicht gut ankommt.

Wichtige Schule

Das Thema Schließung der Volksschule beschäftigt die oberste Lechtalgemeinde schon seit Jahren. Immer wieder wurde darüber diskutiert. Aber es gab prominente Unterstützung: Medienwirksam besuchte Bildungslandesrätin Beate Palfrader 2009 die VS Lechleiten und gab ein Bekenntnis für Kleinstschulen ab.

Lechleiten ist unter den Kleinen etwas ganz besonderes. Sie ist heute die letzte echte Gesamtschule. Hier werden Kinder von der ersten bis zur achten Schulstufe gemeinsam unterrichtet. Robert Heiß sorgt seit 1985 dafür, dass es den jungen Bürgern bei der Schulbildung an nichts fehlt. In Lechleiten ist man mehr als zufrieden. Statistiken werden geführt und die zeigen, dass es die jungen Lechleitner später "zu etwas bringen."
Heuer könnte es dennoch das letztes Jahr für Robert Heiß als Schulleiter gewesen sein. Er selbst sagt in der Sache nichts, schließlich untersteht er in der brisanten Angelegenheit der Schulbehörde, der wiederum Palfrader vorsteht.

Und Palfrader hat ihre Ansichten geändert. Ihr Bekenntnis zur Kleinschule hat sich gewandelt. Mit Nachdruck arbeite ihre Behörde daran, die Schule "abzuderehen".
Mit Mitteln, wie man sie in Steeg und speziell in Lechleiten nie für möglich gehalten hätte.

Geld für Flüchtlinge

"Wir haben alles versucht. Es gab Gespräche mit Palfrader und mit Landeshauptmann Günther Platter. Wir haben die besondere Situation von Lechleiten dargestellt. In Innsbruck hat man uns dann mitgeteilt, man müsse sparen. Vorhandene Geldmittel brauche man andernorts, etwa für die Betreuung von Flüchtlingen. Da stellt sich uns schon die Frage, ob unsere Kinder nichts wert sind?", ärgert sich Maria Fritz.
Sie ist im Steeger Gemeinderat im Gemeindevorstand, wohnt selbst in Lechleiten und kennt die Situation bestens.

Ungemach von der Schulbehörde

Die Schulbehörde und auch die zuständige Landesrätin wüssten genau Bescheid, wie wichtig die Gesamtschule in Lechleiten ist. Statt Unterstützung hätte es aber Drohungen an die Adresse von Bürgermeister Günther Walch gegeben und eine Aufforderung an die Eltern, sie sollen ihre Kinder für das Schuljahr 2017/18 in Steeg oder in Schröcken (Vorarlberg) anmelden.

Gemeinde steht zur Schule

Der Aufforderung, Steeg solle einen Antrag zur Schließung der Schule stellen, kam die Gemeinde nicht nach. "Wir sperren nicht zu!", sagt Bürgermeister Günther Walch kämpferisch. Auch die Drohung, dass ihm eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs bevorsteht, prallt von Walch ab. "Die Gemeinde steht zur Volksschule Lechleiten!"
So ist es die Gemeinde, welche die Erhaltungskosten zur Gänze trägt. Nur die Personalkosten muss das Land übernehmen.

Schülertransport als Problem

Einsparpotential sieht daher niemand im Ort. Denn wenn die Kleinstschule gesperrt wird, müssen die SchülerInnen - ab Herbst wären es vier Volksschüler, zwei Schüler in der Oberstufe und zwei Gastschüler aus Warth (dort wurde die Volksschule schon vor Jahren gesperrt, Anm.) andernorts unterrichtet werden. Die sechs Schülerinnen aus Lechleiten müssten nach Steeg bzw. Elbigenalp auspendeln.
Passende Busverbindungen gibt es nicht. "Die müsste man kostenintensiv einrichten", warnt Maria Fritz für einer sich hier öffnenden Ausgabenstelle. "Und es würde ja nicht nur eine Buslinie brauchen, sondern zwei!" Schließlich, so Fritz, müssen die Schüler der Oberstufe viel früher losfahren, da sie noch weiter bis nach Elbigenalp in die Mittelschule müssten. Früh aufstehen, würde das heißen. Die Volksschüler mit diesem Bus mitzuschicken, hält sie wiederum für unverantwortbar, "was machen die Kinder dann so früh in Steeg bis der Unterricht beginnt? Wer soll die Aufsicht übernehmen?"

Am Montag (nach Redaktionsschluss) war ein Treffen zwischen Gemeindeführung, Eltern und Vertretern der Schulbehörde vorgesehen. "Keine Ahnung, was da herauskommen wird", zeigte sich Bgm. Walch zuvor selbst gespannt.
Klar ist für ihn weiterhin eines: Die von der Schulbehörde ins Spiel gebrachten Argumente, gehen ins Leere.

Anfrage an Palfrader

Unterstützung kommt von Maria Zwölfer. Die Abgeordnete von Impuls Tirol versteht das Ansinnen von Palfrader bzw. deren Schulbehörde nicht. Sie hat eine Anfrage an Palfrader gestartet und schießt scharf zurück: "Wenn man schon sparen will, dann soll man das dort machen, wo es wirklich geht." Zwölfer fallen da sofort die Bezirksschulinspektionen ein. Ob es die braucht, zweifelt die die Lermooser Landtagsabgeordnete, selbst Lehrerin, gehörig an.

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