14.11.2016, 13:53 Uhr

Dann war der Schmerz wie weggeblasen...

Elisabeth Wintergerst erklärt einen alten Begriff aus der Volksmedizin
Soll ich blasen? - so frägt eine Mutter die Kinder, die sich ein Knie aufgeschlagen haben. Aber was passiert da. Geht es nur um die Kühlung und damit die Schmerzlinderung auf körperlicher Ebene? Die Vorstellung, dass Schmerzen weggeblasen werden können, hängt eng mit uralten Glaubensvorstellungen in der Volksmedizin zusammen und hat sich in der Kinderwelt erhalten. Die Seele und der Geist werden als Lufterscheinung wahrgenommen. Vielfach wird Leben und Atmen einander gleichgesetzt. Das Leben ist der Atem (Odem), der den Menschen eingehaucht wurden. Ursprünglich wird dem Göttlichen diese Fähigkeit zugesprochen. Im Aberglauben überwiegt jedoch die Furcht vor dem schädlichen Anhauch - eine Krankheit "fliegt uns an". So wie das Lebenslicht ausgepustet werden kann, so kann man aber auch das Feuer des Lebens wieder anblasen. Alle diese Bilder vermischen sich in dem Wegblasen des Schmerzes. Auch das Vieh wurde so behandelt. Etwa waren die Koliken "böse Winde", die man durch Anblasen vertreiben konnte. Zur Heilkunst bis ins vorige Jahrhundert gehört daher die Kunst des "Blasers". Denn durch einen guten Menschen oder einen Heiler kann der Geist der Krankheit oder des Schmerzes wieder von der Wunde oder der erkrankten Stelle abgelöst werden.
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