05.06.2017, 08:00 Uhr

Bauern haben Talsohle durchschritten

Zufällig gerade unterwegs, umso mehr freuten sich Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf und Sohn Luis über eine Packung Tiroler Milch.

Am Weltmilchtag zogen die Landwirte Bilanz und warben für ein Top-Produkt: heimsiche Milch.

REUTTE (rei). 2016 war der Milchpreis "im Keller". Ein Aufschrei ging durch das Land. Beim Weltmilchtag machten die Bauern auf die schlechte Ertragslage und was damit verbunden ist aufmerksam. Das zeigte Wirkung, "heute sind wir wieder bei 44 Cent pro Liter angekommen", sagt Richard Wörle. Wirklich zufrieden könne man damit aber auch nicht sein, erklärt der Bezirksbauernobmann.
Am Weltmilchtag am 1. Juni machten heimische Bauernvertreter daher abermals auf die schwierige Situation der Landwirte aufmerksam. Der niedrige Preis ist für die Bauern doppelt bitter, da viele Konsumenten gerne mehr zahlen würden, doch der hart umkämpfte Markt lässt keine besseren Preise zu.
Und dann ist da noch der Umstand, dass sich in den Regalen der Lebensmittelgeschäfte die Erzeugnisse der Bergregionen mit jenen im Flachland messen lassen müssen. Milch ist Milch, bzw. Käse ist Käse, möchte man meinen, dem ist aber nicht so.
Der Aufwand, den heimische Landwirte für die Milcherzeugung betreiben müssen, ist viel höher als in anderen europäischen Regionen. "Unsere Bauern kämpfen mit deutlich erschwerten Produktionsbedingungen", erklärt Wörle.
Gut für die heimischen Landwirte ist, dass sie ihre erzeugte Milch zur Gänze in der Region absetzen können. Es sind die drei großen Käsereien, welche die Milch beziehen. Die größte ist "Wildberg" in Reutte mit einer Jahreskapazität von rund sieben Millionen Litern. Dahinter folgt die Käserei Biedermann in Grän mit ca. 1,2 Millionen Litern Milchverarbeitung. Die Käserei Sojer in Steeg verarbeitet jährlich zwischen 600.000 und 800.000 Litern.
Diese an die heimischen Molkereibetriebe angelieferte Milch wird fast zur Gänze zu Käse verarbeitet. Die Milch selbst wird nicht an Endverbraucher verkauft. Der Aufwand wäre einfach zu groß.

Die im Bezirk erzeugte Kuhmilch kann man aber dennoch kaufen, nämlich direkt bei den Bauern. Davon haben diese dann auch am meisten. Durchschnittlich ein Euro je Liter wird verlangt. Dieses Geld bleibt dann den Bauern tatsächlich, wobei sie ihrerseits ntürlich noch die Steuern abführen müssen.
"Unsere Produkte können sich wirklich sehen lassen", zeigte sich am Weltmilchtag auch Sieglinde Riedmann stolz auf die eigenen Erzeugnisse.
So wie Richard Wörle sieht auch sie etwas Bewegung im Markt, hervorgerufen durch ein Umdenken bei den Konsumenten. Es muss nicht immer das billigste Produkt im Einkaufswagen landen. Immer mehr Menschen ist es wichtig, das die Milch, bzw. Milchprodukte aus der Region kommen.
Dass die heimsichen Erzeugnisse aber nicht immer erste Wahl sind, liege nicht ausschließlich am Preis bzw. den Konsumenten. Richard Wörle ärgert sich, dass für einige Bauern die "Schmerzgrenze" wohl noch nicht erreicht ist. Er findet, so mancher Landwirt tut zu wenig, um die heimische Milch in den Fokus der Öffentlichkeit zu richten.
So blieb sein Aufruf unter rund 100 Bauern, sich aktiv am Weltmilchtag zu beteiligen und mitzuarbeiten, die Bedeutung der Landwirtschaft hervorzuheben, ungehört. "Kein einziger abseits der Funktionärsebene hat sich gemeldet", zeigt er sich enttäuscht.
Insgesamt blickt er heute aber doch wieder deutlich positiver nach vorne, als noch vor einigen Jahren. "Der Tiefpunkt ist sicher erreicht." Eigentlich kann es nur noch besser werden.
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