21.10.2014, 11:18 Uhr

Beim Barte des Propheten...

Offenes Haar

Zur Zeit von Jesus gab es im heutigen Israel verschiedene Stämme, die teilweise noch matriarchal orientiert waren. Bei diesen war es üblich, dass auch Frauen öffentlich predigten und prophetisch redeten. Dies geschah mit offenem, langen Haar. Erst der Apostel Paulus setzte sich massiv dafür ein, dass die Frauen aus christlichen Aufgaben herausgenommen wurden und nur noch Männer Vorstand der christlichen Gemeinden sein konnten. Die Verschleierung von Frauen, die dann der Islam weltweit vorantrieb, hatte hauptsächlich den Zweck, die Kraft der weiblichen Haarpracht unsichtbar zu machen. Geschwört wurde trotzdem unter Bekräftigung durch Haare: "...beim Barte des Propheten"

Königliche Haare

Die magische Gewalt und die darin begründete Unantastbarkeit der geweihten Person des Königs lag in ihrem langen Haar, das nie geschoren werden durfte. Als 524 die Burgunder des Frankenkönigs Chlodomir langes Haar sahen, das bis zum Gürtel herabhing, merkten sie sogleich, dass sie den Fürsten ihrer Feinde getötet hatten. Von Kind auf geht er ungeschoren einher, und die Locken wallen ihm bis auf die Schultern herab. Es so lang zu tragen, ist ein Erkennungszeichen und Ehrenrecht des königlichen Geblüts. Auch Tacitus schreibt über die germanischen Krieger, dass sie ihr Haar nicht schnitten, weil im Haar die Kraft liegt. Schwörende Männer rührten Bart oder Haare an, schwörende Frauen legten die Finger der Rechten auf ihre Haarflechten. Es ist daher nicht erstaunlich, wenn schon sehr früh die gewaltsame Haarschur als Strafe angewandt wurde und als Beschimpfung galt. Und auch in vielen Märchen geht es um die Kraft des Zauberns, die in Haaren liegt, z.B. "die drei goldenen Haare des Teufels".

Brauch aus dem Lechtal

Vor diesem Hintergerund kann man auch einen alten Brauch aus dem Lechtal in neuem Licht sehen: Im Lechtal war es üblich, dass den verstorbenen Frauen die Haare geschnitten wurden. Daraus wurden dann Haarnetze geflochten, die weibliche Angehörige als Haarschmuck trugen.In dem Brauch spiegelt sich die besondere Bedeutung und die Kraft von Haaren. So wurde eine enge persönliche Beziehung mit den Verstorbenen im Alltag gepflegt. Im Heimatmuseum (Grünes Haus) Reutte/Tirol sind hier einige kunstvolle Stücke dieser Haargeflechte vorhanden.
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Elisabeth Wintergerst aus Reutte | 21.10.2014 | 11:20   Melden
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Bianca Jenewein aus Hall-Rum | 21.10.2014 | 12:11   Melden
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