29.09.2014, 09:30 Uhr

Für Flüchtlinge ist kaum Platz da

Dekan Franz Neuner: "Die Kirche diskutiert intensiv".

Das Flüchtlingsthema hat alle Regionen eingeholt. Gibt es Platz im Bezirk Reutte? Wir haben nachgefragt.

AUSSERFERN (rei). Immer mehr Flüchtlinge drängen aus den Krisenherden der Welt in den Westen. Die Türkei und Italien sind massiv betroffen. Doch auch auf Österreich wird der Druck immer größer. Den Vertriebenen zu helfen ist ein Gebot der Stunde, doch einfach ist es nicht.

Keine Unterkünfte

„Wir haben leider keine Unterkünfte, die wir zur Verfügung stellen könnten“, sagt der Lechaschauer Bürgermeister Aurel Schmidhofer. Ähnlich klingt das aus anderen Gemeinden. Die Kommunen verfügen über keine leerstehenden oder sonst wie geeignete Flächen. „Es tut mir leid, Elmen hat diesbezüglich nichts zu bieten“, winkt Bgm. Heiner Ginther ab. Nicht anders ist es in Höfen, wobei Bgm Vinzenz Knapp zugibt, dass man sich in der Gemeinde am Fuße des Hahnenkamms noch nicht wirklich mit dem Thema befasst hat. Aber auch er sagt: „Höfen verfügt über keine Räumlichkeiten, die für Asylanten geeignet wären.“

Leerflächen fehlen

In Ehrwald hat man vor vielen Jahren bereits Erfahrungen mit einem Flüchtlingsheim im Ort gesammelt. Damals wurde der Bayrische Hof entsprechend genutzt. „Heute haben wir im Ort keine vergleichbaren Baulichkeiten. Alle leerstehenden Häuser wurden wieder mit Leben gefüllt. Die Gemeinde selbst hat überhaupt keine geeigneten Gebäude und auch sonst sehe ich keine Möglichkeit, dass in Ehrwald Flüchtlinge untergebracht werden könnten.“
Ein ganz „weißer Fleck“ in punkto Flüchtlingsunterbringung ist der Bezirk aber nicht. In Breitenwang gibt es eine Unterkunft, ebenso in Vils.

Kirche diskutiert intensiv

Gedanken, ob und wie man helfen kann, macht man sich auch innerhalb der Kirche. Dekan Franz Neuner berichtete dem Bezirksblatt, dass derzeit kirchenintern intensiv diskutiert wird. Gespräche gab es erst vergangene Woche, weitere sollen Mitte Oktober stattfinden.
Neuner: „Wir stellen uns der Thematik. Derzeit kann ich aber konkret nichts sagen. Die Kirche hat zwar ihre Pfarrhäuser, die sind aber alles andere als familiengerecht.“ Und wie sieht es mit dem inzwischen leerstehenden Kloster in Reutte aus, wollte das Bezirksblatt wissen: „Da haben wir wenig Einfluss. Das Kloster gehört den Franziskanern. Wir haben da keine Einflussnahme.“
Erschwerend kommt hinzu, dass die Diskussionen über eine künftige Nutzung des ehemaligen Klosters samt Freiareal gerade erst so richtig angelaufen ist. Eine Belegung, welcher Art auch immer, würde hier alle weiteren Ideen unter Umständen nur behindern.
„Aber wir sagen nicht, ‚es geht nichts‘. Wir wollen ja helfen“, versichert Neuner.

Umdenken setzt langsam ein

Auch der Elmer Bürgermeister und frühere Landtagsabgeordnete Heiner Ginther sieht das ähnlich. „Da ist schon Bewegung hineingekommen. Früher hat man sehr schnell gehört ‚sicher nicht bei uns!‘ Heute sieht man die Sache sicher offener. Auch, weil das Drama, das dahintersteckt so groß ist.“
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