15.03.2017, 12:00 Uhr

Holz ist ein Verbündeter im Kampf gegen Naturgefahren

Christian Ihrenberger vertraut auf den Baustoff Holz.
AUSSERFERN (rei). Spricht man über die Wildbach- und Lawinenverbauung, denkt man an Stahl und Beton, um die Naturgewalten in den Griff zu bekommen und ihnen ihren Schrecken zu nehmen. Dabei ist Holz für WLV, wie sie kurz genannt wird, ein ganz zentraler Baustoff.

Holz ist immer dabei

"Richtig heißt unsere Dienststelle ja auch 'Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung'. Daraus kann man schon erkennen, dass Holz für uns ein wichtiges Baumaterial ist", erklärt Christian Ihrenberger.
Er leitet die WLV Gebietsbauleitung im Außerfern. Ihren Standort hat diese in Lechaschau, Baustellen werden im gesamten Bezirk betreut. Wenn es um den Baustoff Holz geht, gibt es zwei Spezialisten im Haus - einen Förster, und einen HTL-Ingenieur für Holzbau.

Wichtiger Baustoff

Einen besonders wichtigen Stellenwert hat Holz als "Lebendbaustoff" bei der Lawinenverbauung. Derzeit werden etwa 190 Hektar Hochlagenaufforstungen betrieben. An Standorten, an denen Bäume aufgrund exponierter Lagen aus eigener Kraft nicht wachsen könnten, sorgen die Spezialisten der WLV, dass es gelingt.

Passende Samen sind wichtig

Der Aufwand, der betrieben wird, ist enorm! Alles fängt damit an, dass man zunächst einmal den richtigen Samen benötigt. Um den zu bekommen, klettern die Mitarbeiter gesichert mit Seilen und Steigeisen auf die Bäume, ernten die Zapfen und bringen diese nach Vorarlberg, wo die Samen herausgeholt werden.
Das wertvolle Saatgut wird bei Minus 28 Grad in Kühltruhen gelagert. In Elbigenalp gibt es eine Baumschule. Hier werden aus den Samen Stecklinge gezogen, die später dann an steilen Hängen eingepflanzt werden, ebenso hoch oben an den Bergflanken. Häufig oberhalb der bestehenden Baumgrenze.

Hohe Anforderungen

Jene Bäume, die sich für diese Extrembedingungen eignen, müssen aus eben diesen Regionen zuvor geerntet werden. "Wir haben es früher mit Samen bzw. Stecklingen aus Niederösterreich probiert. Das hat aber nicht funktioniert", erzählt Christian Ihrenberger.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich in den Extremlagen des Außerfern nur Pflanzen mit Erbgut aus eben dieser Region eignet. "Jeder kennt das: Ein Niederösterreicher ist anders als ein Tiroler. Der Zillertaler anders als der Lechtaler. Bei Bäumen ist das nicht anders", weiß Ihrenberger. So wachsen etwa Fichten bei uns deutlich schlanker, als im Osten Österreichs. Das ist für die Pflnzen wichtig, da die Schneelast sonst zu groß werden könnte. Außerdem muss ein Baum bei uns viel Wasser vertragen, im Osten des Landes muss die selbe Gattung ev. mit sehr wenig Flüssigkeit haushalten. Und so hat nahezu jeder Baum mehrere Unterarten, die sich an das Leben im jeweiligen Verbreitungsgebiet angepasst haben.

Kostenintensive Arbeit

Rund 100.000 Euro gibt die Wildbach- und Lawinenverbauung jedes Jahr allein im Bezirk Reutte für die Pflege und Erneuerung des Waldbestandes aus.
Bei der Baumpflege gibt es mehrere "Gegenspieler", der größte ist das Wild.
Früher war es der Mensch, der massive Eingriffe vornahm und wichtige Schutzwälder rodete. Damals eine Notwendigkeit, wurde doch das Holz zum Bauen und als Brennholz benötigt, die abgeholzten Flächen dienten als Weiden und als Almgebiete.
Heute wird wieder aufgeforstet. Manchmal muss zuerst ein Baum gefällt werden, damit neue Pflanzen wachsen können. Baume, die in großen Höhen umgeschnitten werden, dienen häufig auch gleich wieder der Verbauung, etwa in Form von Querfällungen. Oder es werden Holzkonsturktionen errichtet.

"Krainerwände" bewähren sich

Holz kommt aber auch als "Totmaterial" zur Anwendung. Etwa in Form von so genannten "Krainerwänden". Die kommen zum Beispiel bei Bodenausbrüchen zum Einsatz. Bevorzugt wird Rubinienholz verwendet. Das hält 20 bis 25 Jahre.
Krainerwände sind räumliche Tragwerke, die gegenüber von Steinschlichtungen den Vorteil haben, dass es ihnen nichts ausmacht, wenn ein Teil einmal unterspült wird. "Da rumpelt nichts zusammen", nennt Ihrenberger einen der großen Vorteile.
Außerdem kann Wasser, das von hinten in die Krainerwand eindringt, vorne wieder problemlos herausrinnen.
Bei der Krainerwand werden Stämme längs und quer zueinander aufgestapelt und mit Schotter oder Erdreich hinterfüllt. So kann man hohe Wände errichten.
Sogar die Gerinne für Wildbäche werden zum Teil auf diese Weise gesichert.

Große Einsatzbreite

Holz hat also viele Einsatzgebiete im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung. Es kommt zum Einsatz, wenn man Schutz vor Lawinen braucht, wenn man Hochwasser bändigen muss und auch wenn Steinschlag droht. "Für uns ist Holz einer der wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Naturgefahren", stellt Ihrenberger abschließend fest.

Weitere Berichte zum Thema Holz aus ganz Österreich finden Sie in unserem Themen-Channel unter http://www.meinbezirk.at/themen/holz-2017.html
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