08.02.2018, 10:25 Uhr

Lebendiges Brauchtum im Außerfern: Hexverbrennen und Scheibenschlagen

Das Funkenfeuer in Jungholz wird am 18. Februar um 20 Uhr beim Feuerwehrhaus entzündet. (Foto: TVB Tannheimer Tal)
AUSSERFERN (eha). "Vivat hoch, d'Hex hat Durscht, will a lange, lange Wurscht!" dieser Ruf wird am Wochenende wieder in mehreren Gemeinden im Außerfern zu hören sein. Das Hexverbrennen und Scheibenschlagen steht vor der Tür. Traditionell wird dann am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch in Jungholz, Musau, Pinswang und Weißenbach wieder ein alter heidnischer Brauch lebendig.

Am kommenden Sonntag, 18. Februar, ist es wieder so weit (in Weißen­bach erst am 22.2.). Mit dem Entfachen des traditionellen Funkenfeuers und dem damit verbundenen Verbrennen der Hexe sollen die bösen Wintergeis­ter ausgetrieben werden.

Bereits Wochen vorher werden in der ganzen Gemeinde Holzvorräte gesammelt. Am Funkensonntag werden dies­e zu einem großen Scheiterhaufen geschichtet.

Die so genannte Funkenhexe wird aus Stroh und alten Lumpen angefertigt, dazu bekommt sie einen Regenschirm, einen Korb und eine lange Wurst angenäht. Früher gingen die Buben am „Lumpigen Donnerstag“ von Haus zu Haus, um die „Lumpen“ für die Hexe zu sammeln. Aber es findet sich auch im Dachboden das eine oder andere Gwand um das es nicht schade ist. Die bunt gekleidete Puppe baumelt letztlich auf einer langen Holzstange hoch über dem Scheiterhaufen. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wird das Feuer entfacht. Der Brauch symbolisiert lediglich die Vertreibung des oft strengen Winters und steht in keinerlei Verbindung mit den Hexenverbrennungen im Mittelalter.

Genauso wichtig wie das „Hexverbrennen“ ist für viele das Scheibenschlagen oder Scheibenschießen. Väter und Großväter hacken und schneiden über den Winter Dutzende Scheiben aus trockenem Holz. Diese werden auf lange Stangen gesteckt, im lodernden Funkenfeuer angeglüht und über eine Ramp­e schwungvoll in die finster­e Nacht hinausgeschleudert, um die Ankunft des Frühlings zu begrüßen.

Der Grund fürs Scheibenschlagen – ob in Musau, Pinswang, Jungholz oder Weißenbach – ist überall derselbe. Das Feuer, dem seit Hunderten von Jahren große Kraft nachgesagt wird, soll die bösen Geister des Winters von den Feldern vertreiben und versinnbildlicht die Sehnsucht der Menschen nach Wärme.
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