20.04.2017, 09:56 Uhr

Schnupfen als Auslöser für Ohrenerkrankungen

Dr. Jan Andrle, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen am BKH Reutte (Foto: Fotostudio René)
REUTTE (eha). Haaaatschi! Heftiger Niesreiz, ein Brennen und Kitzeln in der Nase, wässriges Sekret – kein Zweifel: Man hat sich wieder einmal einen Schnupfen eingefangen. Aber deswegen würden sich die meisten Menschen nicht zwangsläufig als krank bezeichnen. Gleichwohl kommt es immer wieder zu harnäckigen Erkältungen, die auch Erkrankungen des Innenohrs nach sich ziehen können, wie Dr. Jan Andrle, Leiter der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen, am BKH Reutte, erklärt.

Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen
"Bei Schnupfen, in der Fachsprache Rhinitis genannt, handelt es sich um einen harmlosen Infekt, der nach einigen Tagen wieder abklingt und gut mit einem Nasenspray behandelt werden kann. Hartnäckige Viren ziehen jedoch häufig Komplikationen wie beispielsweise eine schmerzhafte Mittelohrentzündung nach sich. Ein Grund dafür kann beispielsweise zu starkes Schnäuzen sein. Eine Mittelohrentzündung geht meist mit heftigen, stechenden Ohrenschmerzen, Druckgefühl, Schwindel, Fieber, Ohrenrauschen und Schwerhörigkeit einher. Bei diesen Symptomen sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden", informiert Dr. Andrle.

Kinder häufiger betroffen
Säuglinge und Kleinkinder sind besonders häufig betroffen - ein Grund dafür können vergrößerte Rachenmandeln sein. "Aufgrund von wiederholten Infekten der oberen Luftwege kommt es bei Kleinkindern oft zu Schwellungen in diesem Bereich. Das verhindert die notwendige Belüftung des Mittelohrs durch die Ohrtrompete und es sammelt sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, die nicht abfließen kann“, so der Experte. Die Folge sind Hörstörungen oder wiederkehrende Entzündungen.

Behandlung
Wird eine akute Mittelohrentzündung oder ein Paukenerguss fachgerecht behandelt, so heilen diese im Normalfall folgenlos ab. Abschwellende Nasentropfen und Antibiotika gehören zu den Mitteln der Wahl. Gelegentlich kann es notwendig sein, unter örtlicher Betäubung einen Trommelfellschnitt vorzunehmen, damit die angesammelte Flüssigkeit besser abfließen kann und es zu keiner toxischen Innenohrschwerhörigkeit kommt. „Bei Kindern, die aufgrund von vergrößerten Rachenmandeln an chronischen Infektionen der oberen Luftwege und infolgedessen an Ohrenentzündungen leiden, ist es eine sinnvolle Option, diese zu entfernen“, so der HNO-Arzt.
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