10.10.2017, 16:30 Uhr

Schollenwiesenlift ist angezählt

Auf den Flächen links des Schleppliftes sollte die Beschneiung kommen.

Eine von der Gemeinde geplante Beschneiungsanlage scheitert an drei fehlenden Unterschriften.

HÖFEN (rei). Immer milder werdende Winter machen dem Schollenwiesenlift zu schaffen. Eine Beschneiungsanlage gibt es nämlich nicht. Nur eine einzige Schneekanone ist beim Babylift aufgestellt, ansonsten muss die Liftanlage mit Naturschnee auskommen.
Die Gemeinde Höfen steht voll und ganz zum Schollenwiesenlift. Und so sagte der Gemeinderat auch Ja zur Idee von Bürgermeister Vinzenz Knapp, eine Beschneiungsanlage für die Pisten zu bauen.

750.000 Euro-Investition

Aus Gemeindesicht durchaus ein kostspieliges Unterfangen. "Laut einer Kostenschätzung würde die Anlage rund 750.000 Euro kosten", erzählt Knapp. Doch die Bedeutung solcher Kleinstlifte wurde schon lange erkannt. 50 Prozent der Kosten würden daher im Rahmen des Förderprogramms für Kleinstskiegebiet vom Land beigesteurt.
Geplant war, das Projekt im kommenden Jahr umzusetzen. Wohlgemerkt war, denn derzeit sieht es so aus, als müsste die Gemeinde ihre Pläne in der Schublade versenken. Es fehlt die Zustimmung eines kleinen Teils der Grundeigentümer.

Projektvorstellung im Juli

Am 17. Juli 2017 wurde das Projekt diesen vorgestellt. Die Stimmung war positiv, erinnert sich Knapp. Geplant war, mit den Grundeigentümern einen Diensbarkeitsvertrag für einen Zeitraum von 20 Jahren zu erstellen. Damit hätte man sichergestellt, dass die benötigten Wasserleitungen verlegt werden dürfen und man 27 Schächte auf den Feldern versenken kann. Diese Schächte, im Sommer mit einem Deckel gesichert und bei der Feldarbeit nicht störend, hätten im Winter die benötigten Beschneiungslanzen aufgenommen.

Drei Eigentümer wollen nicht

Den Grundeigentümern wurde ein Vertrag übermittelt, in dem alles geregelt wurde. Bis 8. September hatten alle Zeit, Unterschrift zu leisten. 35 Grundbesitzer taten dies anstandslos, zwei wollten kleine, aber machbare Änderungen. Drei Grundbesitzer verweigern allerdings die Zustimmung. Damit liegt das Projekt auf Eis. Aus heutiger Sicht muss die Idee einer Beschneiungsanlage am Schollenwiesenlift ganz begraben werden.
Knapp versteht es nicht, dass sich drei Grundbesitzer weigern, die Verträge zu unterschreiben. "Diese Beschneiungsanlage würde den Fortbestand des Liftes sichern", erklärt Knapp. Nachteile für die Grundbesitzer kann der Bürgermeister nicht sehen. Denn die Pisten des kleinen Dorfliftes befinden sich alle im Freiland.
Dass diese Gründe in Bauland umgelegt werden, ist nicht anzunehmen: "In Höfen gibt es schon jetzt einen Bauland-Überhang. In den kommenden 20 Jahren wird sicher kein Bauland gewidmet", ist der Gemeindechef überzeugt. Eine Wertminderung der Flächen durch eine Vertragsunterzeichnung wäre also nicht gegeben.
Für Knapp ist daher nicht ersichtlich, warum die Unterschriften verweigert werden. Mit den neuen Verträgen wäre allerdings auch ein derzeit noch sieben Jahre lang gültiger "Überfahrtsvertrag" überholt - das Übefahrtsrecht hätte sich mit Bau der Beschneiung auf ebenfalls 20 Jahre verlängert.

Traditionsreicher Lift

"Anders können wir die Investition nicht rechtfertigen", erläutert Knapp. "Es ist ja kein Pappenstil, den wir hier ausgegeben wollen." Die Investition in die Beschneidung wäre aber ein klares Signal für den dauerhaften Erhalt des Schleppliftes.
Dieser wurde von der Fa. Otto & Rudolf Schretter gebaut und 1967 eröffnet. Vor drei Jahren wurde der Schlepplift von der Gemeinde gekauft.
Während viele andere derartiger Schlepplifte in den vergangenen Jahren gänzlich verschwunden sind, erfreut sich der "Scholli" auch heute noch großer Beliebtheit. Deshalb gab es in der Gemeinde auch Überlegungen, das Betriebsgebäude - also die Talstation - wieder auf Vordermann zu bringen. Und das alte Lifthäuschen bei der Ausstiegsstelle wäre im Zuge des Beschneiungsprojektes ohnehin ganz ersetzt worden. Denn hier hätte es ein Ausgleichsbecken für die Beschneiungsanlage gebraucht. Das Wasser hätte man der örtlichen Wasserversorgungsanlage entnommen.
"Die Berechnungen zeigen, das geht sich aus. Es braucht nur eine erhöhte Pumpleistung und eben dieses Ausgleichsbecken", sagt Knapp. Und auf dieses Becken hätte man dann ein neues Lifthäuschen gestellt. Der Schlepplift selbst befindet sich dank guter Wartung in einem ebenso guten Zustand.

Jetzt herrscht Stillstand

"Aber wie es aussieht, werden wir das Beschneiungsprojekt nicht umsetzen können", bedauert Knapp die Entwicklung. Auch bei allen anderen Vorhaben rund um den Lift herrscht jetzt Stillstand. Aber es sei das gute Recht der Grundbesitzer, ihre Unterschrift zu verweigern. Dass die übrigen fast 40 Grundeigentümer mitmachen würden, spiele daher keine Rolle. "Die nächsten sieben Jahre haben wir ja noch die Überfahrtsrechte. Ich gehe davon aus, dass der Lift so lange auch in Betrieb bleiben wird. Was dann passiert, kann man heute nicht sagen", wagt Bgm. Knapp keine Zukunftsprognose abzugeben.
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