20.11.2016, 08:00 Uhr

Schulische Vielfalt in akuter Gefahr

Walter Giselbrecht nahm sich des Themas an.
AUSSERFERN (rei). Der Anteil an Kleinschulen ist im Außerfern besonders hoch. Die Schulen sind teilweise so klein, dass ihre Berechtigung angezweifelt wird. Pädagogische Argumente würden gegen Minischulen sprechen. Nicht selten sind es jedoch wirtschaftliche Gründe, die am Ende entscheiden. Aber darf die Wirtschaftlichkeit das Hauptargument sein, wenn es darum geht, diese Schulstandorte weiter zu betreiben oder zu schließen?

Gewerkschafter wehren sich

Der gewerkschaftliche Betriebsausschuss Reutte (GBA) und der Dienststellenausschuss Reutte (DA) der Gewerkschaft der Pflichschullehrer/Innen machte das kürzlich zum Thema. Als Fachmann hatte man mit Walter Giselbrecht einen Lehrer geholt, der selbst an einer Kleinschule im Bregenzerwald unterrichtet und sich seit Jahren als Koordinator der Arbeitsgemeinschaft für Kleinschulen in Vorarlberg intensiv mit der Thematik befasst.
Es war ein Plädoyer für den Weiterbestand der Kleinschulen. Seitens des Landes wurde in der Vergangenheit vorgegeben, dass eine Kleinschule dann geführt wird, wenn zumindest drei Schüler diese besuchen.
Doch die öffentlichen Gelder werden knapper und der Druck wächst, solche „Minischulen“ schon früher zu schließen und mit anderen Schulstandorten zusammenzulegen. „Wir müssen gewappnet sein, um unsere Kleinschulen zu stärken“, mahnte daher der Bezirksvorsitzende des Diensstellenausschusses, Hannes Hassa. Giselbrecht unterstützt ihn. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es Bund und Länder für die Gemeinden attraktiv machen, Schulstandorte zusammenzulegen.
Dass das sinnvoll ist, zweifelt Giselbrecht an. „Welche Schule wird sich am Ende durchsetzen? Die größte? Die schönste? Die mit dem höchsten Frauenanteil? Wir wissen es nicht!“

Kleinschulen sind wichtig

Was man aber wisse sei der Umstand, dass Schulen allgemein, und gerade auch die Kleinschulen in den Kleingemeinden, zum Leben in den Dörfern mit all seinen Eigenheiten beitragen. „Derzeit besteht aber die Gefahr, dass gewachsene Strukturen zerstört werden.“ Wie sich das auswirken wird, ist unklar.
Für Giselbrecht ist es eine rein politische Entscheidung, ob Kleinschulen auch in den kommenden Jahren das ländliche Bild mitprägen werden. Am Geld könne es nicht liegen: „Brüssel zahlt jährlich viele Millionen Euro für den ländlichen Raum. Unklar ist allerdings, wo dieses Geld bleibt.“
Doch es sind teils kuriose Argumente, die von (Schul)Behördenseite gegen den Fortbestand der kleinen Schulen eingebracht werden, wie der Vorarlberger Experte zu erzählen wusste: „Da wird argumentiert, dass man in einer Schule mit nur fünf Schülern nicht Fußball spielen kann. Als ob wir in Österreich nicht andere Sorgen hätten.“
Die Mitglieder der Gewerkschaft der Pflichschullehrerinnen wollen jedenfalls nicht ohne weiteres hinnehmen, dass weitere Kleinschulen von der Landkarte verschwinden. „Wir sind die Anwälte der Schüler, die diese Schulen besuchen“, stellte Robert Heiß als Vorsitzender des gewerkschaftlichen Betriebsausschusses fest, und fügte kritisch an: „Niemand gibt zu, dass es bei der Diskussion um die Kleinschulen um den Sparstift geht. Viel lieber schiebt man da diesen ‚pädagogischen Schmus‘ vor.“
Hannes Hassa drängte darauf, Strategien zu erarbeiten, um möglichst viele Kleinschulen am Leben zu erhalten. „Ich halte es für unrealistisch, dass alle Kleinschulen bestehen bleiben.“ Daher brauche es klare Ziele, wohin die Entwicklung gehen soll. Daran wollen die Gewerkschaftsvertreter der Lehrerschaft intensiv arbeiten.
Als Verbündete möchte man Bürgermeister, Gemeinderäte und lokale politische Vertreter gewinnen. Nur gemeinsam könne es gelingen, die schulische Vielfalt im Bezirk zu erhalten.
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