Hass im Netz
Drohungen, Beleidigungen und mehr: Wenn Postings ausufern

Wer Opfer von Hasskommentaren im Netz wird, sollte diese dokumentieren, etwa mithilfe eines Screenshots. Denn Hetze, Beleidigungen und Beschimpfungen sind auch online strafbar
2Bilder
  • Wer Opfer von Hasskommentaren im Netz wird, sollte diese dokumentieren, etwa mithilfe eines Screenshots. Denn Hetze, Beleidigungen und Beschimpfungen sind auch online strafbar
  • Foto: Dan Race/fotolia
  • hochgeladen von Kathrin Schwendinger

Wenn im Internet Menschen beleidigt und herabgesetzt werden oder ihnen Gewalt angedroht wird, ist von Hass im Netz die Rede. Solche Hasspostings verletzen nicht nur die Betroffenen, sondern wirken auf die gesamte Gesellschaft. Christine Wagneder vom Jugendservice Ried weiß warum.

BEZIRK RIED. Für das Phänomen der Verbreitung von Hassbotschaften im Internet hat sich auch im deutschen Sprachgebrauch der Begriff Hate Speech (englisch für „Hassrede“) durchgesetzt. Er beschreibt abwertende, menschenverachtende und volksverhetzende Sprache und Inhalte, durch die die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten werden. "Hate Speech tritt vor allem in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram auf", weiß Christine Wagneder. "Aber auch in Kommentarfunktionen von Zeitungen, in Foren, Chats oder in Online-Spielen". 

Die Folgen: Angst, Probleme in der Schule und mehr

Und wie kann sich Hass im Netz auf die Betroffenen auswirken? Die Folge können laut der Expertin Angst- und Unruhezustände, Probleme mit dem eigenen Selbstbild sowie Depressionen bin hin zu psychosomatischen Erkrankungen sein. "Diese Belastungen wirken sich sowohl auf das familiäre und soziale Umfeld, die Schule oder die Arbeit aus", sagt sie. Aber Hasssprache habe auch weitreichendere Folgen – denn sie verändere die gesamte Gesellschaft. "Sie beeinflusst das Verhalten von Betroffenen und damit auch die demokratische Debattenkultur", erklärt Wagneder. "Hasskommentare führen zum Verstummen vieler Nutzer im Netz und im realen Leben. Eine Zurückhaltung der Meinungsäußerung oder Beteiligung an Diskussionen ist erkennbar. 

Betroffen seien sowohl männliche als auch weibliche Nutzer. Wobei Mädchen und Frauen häufiger Hass im Netz erleben. Wagneder berichtet von einer Online-Umfrage, in der rund ein Drittel von 1018 Mädchen und Frauen angab, innerhalb des letzten Jahres zumindest einmal Opfer von Hate Speech geworden zu sein. Es handelt sich dabei vorwiegend um Mädchen und Frauen zwischen 15 und 18 Jahren. 

Und wie kann das Jugendservice helfen? "Durch unterstützende Gespräche können wir die Situation des Jugendlichen erfassen und entsprechende Hilfsangebote setzen", beschreibt Wagneder. Etwa die Privatsphäre schützen, Beweismaterial für eine mögliche Anzeige sammeln (siehe unten) und weitere Schritte setzen. 
Jugendliche können sich unter www.jugendservice.at zum Thema "Sicherheit im Internet" informieren, aber auch kostenlos, anonym und vertraulich in Form einer Onlineberatung Hilfe erhalten. Das Jugendservice bietet außerdem in Schulen den Workshop "Lost in Information" an, in dem Tipps zum Suchen, Finden, Entscheiden und Bewerten von Infos und Bildern im Internet gibt. 

Wie können sich Jugendliche helfen, wenn sie selbst in den Fokus von Hate Speech geraten?

- die Person, welche Hasspostings einsetzt, sperren
- in den meisten sozialen Netzwerken sind Hasspostings unerwünscht – tauchen trotzdem welche auf, kann der Jugendliche den Betreiber der Seite melden. Die Vorgangsweise dafür findet man unter www.saferinternet.at/leitfaden
- mitteilen, dass man mit den Hasspostings nicht einverstanden ist. Auch wenn man damit die Ersteller nicht überzeugt, aber vielleicht die Mitlesenden. Wichtig: dabei unbedingt sachlich bleiben!
- Hetze, Beleidigungen und Beschimpfungen sind auch online strafbar – man kann solche Beiträge bei jeder Polizeidienststelle anzeigen. Man muss jedoch Beweise etwa durch Screenshots sichern.
- der Jugendliche muss das nicht alles alleine machen. Er soll sich Unterstützung holen von Menschen, denen er vertraut oder sich an eine Beratungsstelle wenden.

Wer Opfer von Hasskommentaren im Netz wird, sollte diese dokumentieren, etwa mithilfe eines Screenshots. Denn Hetze, Beleidigungen und Beschimpfungen sind auch online strafbar
Christine Wagneder vom Jugendservice Ried.


Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen