Evangelium vom 4. Fastensonntag
Die Werke Gottes sollen offenbar werden

Predigt von Anton Riedl, ständiger Diakon in der Konviktgemeinde Ried und Gefangenenseelsorger.
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Predigt von Anton Riedl, ständiger Diakon in der Konviktgemeinde Ried und Gefangenenseelsorger.

Unterwegs sieht Jesus einen Mann mit Behinderung: er ist seit Geburt blind. Da muss ja jemand schuld sein, „gesündigt“ haben – meinen die Jünger. Ursache, Kausalität: das WARUM zu wissen, könnte doch wichtig sein! Jesus hilft dem blind geborenen Mann ungefragt: mit Erde und Speichel formt er einen Teig wie eine Salbe, die er auf dessen Augen streicht. Er trägt ihm auf, sich im Teich Schiloach zu waschen. Der Mann wäscht sich, und er kann sehen. Eine Heilungsgeschichte? Ein „Zeichen“, ein „Wunder“? Schon damals hatten die Menschen ihre Probleme mit Wundern: Die Heilung wird geleugnet, am Sabbat als unzulässig bezeichnet.

Ein Schlüssel zur Erzählung liegt im Wort „Schiloach“ – es bedeutet „der Gesandte“. Jesus weiß sich von seinem Vater zu seinem Volk Israel gesandt. Er ist offen für das Göttliche, lebt und zeigt in seiner Botschaft die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu uns Menschen. Doch er wird von seinen Volksgenossen abgelehnt, vor allem von den meisten religiösen Autoritäten. Sie sind „blind“, und können aufgrund ihrer gefassten Vorurteile das eigentliche Wesen Jesu nicht erkennen und anerkennen.

Der geheilte blinde Mann berichtet den Pharisäern vorurteilslos seine eigenen Wahrnehmungen in der Begegnung mit Jesus. Doch er wird von den religiösen Autoritäten aus der Gemeinschaft hinausgestoßen. Jesus hört davon, und als er ihn wieder trifft, fragt er ihn: „Glaubst du an den Menschensohn?“. Auf seine Frage, wer das ist, gibt sich Jesus als der „Menschensohn“ zu erkennen. Und der geheilte blinde Mann glaubt an ihn. „Glauben“ bedeutet im biblischen Sinne „in Beziehung sein, sich verbunden wissen mit; vertrauen auf“.

Der letzte Vers der Bibelstelle gilt wohl auch für uns Menschen heute. Auf die Frage „Sind etwa auch wir blind?“ sagt Jesus zu den Pharisäern: „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“ Der Blinde wird sehend, die frommen Sehenden bleiben wegen ihrer Vorurteile blind, können Jesus nicht wahrnehmen und erkennen.

Ist nicht auch heute, in der „Corona-Krise“, vielfach der Wunsch spürbar: „jemand“, „etwas“ muss doch schuld sein, dass es so schlimm ist? Dass es Fehler in den Einschätzungen, Entscheidungen und beim Ablauf der Hilfsmaßnahmen gibt? Die Antwort Jesu wäre wohl auch heute: die Werke Gottes sollen am Blinden, in der Corona-Krise offenbar, sichtbar werden. Und „die Werke Gottes“ werden mit unseren Händen, aus unserem Herzen und mit unserem Verstand getan. Dies erinnert uns an unsere eigene Verantwortung für den Nächsten, für die gesamte Gesellschaft und für die ausgebeutete Umwelt. Und mahnt: es liegt an uns selbst – als Einzelperson wie als Gesellschaft – mit den jeweiligen Lebensumständen und -verhältnissen im Sinne unseres Schöpfers umzugehen.

Was bedeutet das in diesen herausfordernden Wochen und Monaten? Solidarisch die notwendigen Dienste und Unterstützungen leisten. In gebotener Distanz aufeinander zugehen, uns gegenseitig zu helfen und zu stärken: mit einem guten Wort am Telefon, mit der Nachfrage wie's geht, mit einem Video-Gespräch, mit einem Brief – real oder virtuell per Mail. Ja, auch wir brauchen eine Heilung unserer Blindheit, unserer blinden Flecken und Vorurteile. Damit wir sehen, was in dieser Welt die konkreten nächsten Schritte sind.

Schließen möchte ich mit einem Gedicht einer mir unbekannten Person:
Heilung des Blindgeborenen (Joh 9, 1-41)
blind geboren
ungefragt geheilt
sehen, erkennen,
was wirkt:
Zuwendung, Liebe, Gemeinschaft.

In Beziehung zu Jesu
glaubend
das Wirken Gottes
in unserer Welt
erkennen.
Und danken.

In einer engen Beziehung zu Jesus, dem Christus, und auf dem Weg seiner Nachfolge dürfen wir beten und bitten: "Herr Jesus Christus, lass uns wahrnehmen, sehen und erkennen, was zu dir führt, zur Gemeinschaft in und mit dir. Lass uns jetzt die Werke Gottes tun".
Amen.

Autor:

Lisa Schiefer aus Ried

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