Gesundheitsversorgung einst und heute
Ein Landarzt erzählt…

Landarzt Dr. Johann Semm, Allgemeinmediziner mit Naturheilpraxis, praktiziert seit 1990 in Aurolzmünster
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AUROLZMÜNSTER. ...über seine Anfänge in Aurolzmünster, darüber, dass es schwer ist ohne Hausapotheke zu bestehen, und wie es sich zugetragen hat, dass aus der Übergangslösung doch ein Langzeitprojekt wurde. Dr. Johann Semm führt seine Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde in Aurolzmünster seit 28 Jahren.

BezirksRundschau: Wie kamen Sie nach Aurolzmünster?

Semm: 1990 hat mich ein Politiker gebeten, für zwei Jahre in Aurolzmünster einzuspringen, weil der ortsansässige Gemeindearzt angeblich bald aufhören wolle. Das war dann nicht der Fall. Ich bin geblieben.

Was ist der Unterschied zwischen Gemeindearzt und Landarzt?

Der Gemeindearzt ist der verlängerte Arm eines Amtsarztes. Er ist u.a. für Impfungen, die Mutterberatung zuständig und als Schularzt der Volksschule und der NMS-Aurolzmünster tätig. Den gibt es in dieser Form nicht mehr.

Wer übernimmt die Aufgabe jetzt?

Als mein Vorgänger aufgehört hat, habe ich das Amt des Gemeindearztes nicht mehr übernehmen wollen.
Es gibt jetzt eine andere regionale Aufteilung, die auch für die Notdienstversorgung gilt. Zusammengefasst sind es jetzt 22 Gemeinden. Wenn es um sanitätspolizeiliche Aufgaben geht, dann ist der Arzt im Notdienst automatisch eine Art Gemeindearzt. Zum Beispiel ist hier die Totenbeschau zu nennen, die der diensthabende Arzt machen muss.

Ist es für einen Landarzt wichtig, eine eigene Hausapotheke zu führen?

Ja. Es ist ein Dilemma, ich habe beispielsweise eine Abendordination am Dienstag bis 20.00 Uhr. Da kommen Patienten im hohen Alter zu Fuß in die Ordination. Denen stelle ich, wenn nötig, ein Rezept aus. Jetzt muss man irgendjemanden auftreiben, eventuell einen Verwandten, einen Nachbarn, der nach Ried fährt, um das Rezept einzulösen.

Wie ging das ohne eigene Hausapotheke?

Ich habe nie eine Hausapotheke gehabt. Wichtige Medikamente hatte ich für meine Patienten immer vorrätig. Seit der Registrierkassenpflicht ist das nicht mehr möglich. Einige Patienten suchten sich deshalb einen Arzt mit Hausapotheke, bei dem sie alle Medikamente sofort bekommen.

Wie waren die Anfänge?

Die Patienten haben früher weitaus mehr gefordert und viel öfter die Nacht- und Wochenenddienste genutzt. Früher hatte ich mit Aurolzmünster, Eitzing und Utzenaich mehr zu tun als heute mit 22 Gemeinden. Auch wenn man nicht Dienst hatte, sind die Leute um 07.00 Uhr früh am Sonntag vor der Tür gestanden. Schnell ein Rezept, schnell eine Spritze. Es gibt seit Jahren die zentrale Aufnahme- und Erstversorgung (ZAE). Deshalb fahren viele Patienten heute gleich ins Rieder Krankenhaus.

Wer kommt zu Ihnen in die Praxis?

Meine Ordination wird schon immer von jung bis alt frequentiert. Ich kann auf sehr viele treue Patienten zurückblicken. Darunter sehr viele Menschen, die auf meine verschiedenen naturheilmedizinischen Methoden sehr großen Wert legen.

Wie hat sich Ihre Ordination verändert?

Der bürokratische Aufwand und die Dokumentationspflichten wurden in den letzten Jahren wesentlich mehr. Dementsprechend bleibt immer weinger Zeit für die Patienten. Ich bemühe mich trotzdem tagtäglich, mir immer noch genug Zeit für jeden Patienten zu nehmen. Ein freundliches und kompetentes Team unterstützt mich dabei vortrefflich in meiner Tätigkeit. Dies wird von allen meinen Patienten sehr geschätzt.

Nutzen sie heute mehr technische Geräte als früher?

Ich benutze eigentlich immer noch die gleichen Geräte wie Labor, EKG, Ultraschall, Laser, Magnetfeld etc. Selbstverständlich kommen immer wieder neue Geräte dazu.

Wie sieht die Zukunft der Gesundheitsversorgung aus?

Man glaubt, das Problem mit Primary Health Centern (PHC) lösen zu können, wo man Allgemeinmediziner, Fachärzte, Hebammen, Physiotherapeuten, einen Masseur usw. in einem Haus zusammenführt.
Das wird nicht die große Lösung sein. Bei dem aktuellen Ärztemangel ist dieses Konzept schwer durchführbar. International gesehen ist die medizinische Versorgung in Österreich zur Zeit immer noch sehr gut.

Landarzt Dr. Johann Semm, Allgemeinmediziner mit Naturheilpraxis, praktiziert seit 1990 in Aurolzmünster
Autor:

Franz Xaver Schamal aus Ried

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