Diakon Fuchs im Interview
"Die Menschen blicken viel weniger oft auf die Uhr"

Josef Fuchs aus Ried ist seit Oktober 2020 Ständiger Diakon und spricht im Interview über zwischenmenschliche Beziehungen trotz Distanz und ein ruhiges Weihnachtsfest.
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  • Josef Fuchs aus Ried ist seit Oktober 2020 Ständiger Diakon und spricht im Interview über zwischenmenschliche Beziehungen trotz Distanz und ein ruhiges Weihnachtsfest.
  • Foto: Fuchs
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Josef Fuchs aus Ried wurde im Oktober 2020 zum Diakon geweiht. Zu seinen Aufgaben zählt er Seelsorge und den Besuchsdienst von älteren und einsamen Menschen. Aber wie kann er dem gerecht werden in einer Zeit von Abstandhalten und Distanz? Und welches Weihnachtsfest wünscht er sich für seine Mitbürger`? Die BezirksRundschau hat den neuen Diakon zum Interview gebeten.

Herr Fuchs, wie schaffen Sie es, Ihren Dienst am Menschen in der jetzigen Zeit aufrecht zu erhalten`?
Die Aufgaben eines Diakons kommen im Wesentlichen aus drei Bereichen. Nämlich aus dem Dienst am Menschen, den Dienst in der Liturgie und den Dienst in der Verkündigung. In diesen Zeiten der Corona Pandemie in der man die persönlichen Kontakte auf ein Minimum reduzieren soll, bedarf es vieler neuer Ideen und Wege um die Aufgaben einigermaßen wahrnehmen zu können Zum Beispiel mit dem Auflegen von Gebetstexten und Vorlagen für Feiern im Familienkreis, aufstellen einer Wunschbox in der Kirche und mehr. Kontakte werden jetzt meistens per Telefon oder im Briefwechsel aufrecht erhalten.

Wie wichtig ist nun speziell Seelsorge? Und wie kann diese trotz gezwungener räumlicher Distanz stattfinden?
Diese Frage lässt sich an einem Beispiel beantworten. Manchmal ist es nicht möglich seinen kranken oder sogar sterbenden Ehepartner, seine Eltern oder Verwandten im Krankenhaus noch zu besuchen und ihm beizustehen. Betroffene leiden besonders in solchen Situationen. Wir bieten diesen Menschen Begleitung per Telefon und auch in persönlichen Gesprächen unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen an.

Und wie funktioniert das beim Besuchsdienst? Wie schaffen Sie es, mit alten Menschen in Kontakt zu sein? Haben Sie das Gefühl, dass diese gerade umso mehr Hilfe benötigen?
Ja, sicher brauchen gerade ältere Menschen jetzt mehr Aufmerksamkeit und Hilfe. Gerade für Sie ist durch den Wegfall von Messbesuchen das Schöpfen von Kraft aus dem gemeinsamen Gebet, der Empfang der Heiligen Kommunion und auch die zwischenmenschliche Kommunikation ein wichtiger Teil ihres Alltags weggebrochen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen ein Gefühl zu geben, dass sie nicht alleingelassen sind. Mit ihnen Kontakt zu halten per Telefon oder auch bei gelegentlichen Besuchen und für sie zu beten.

Die Pandemie „zwingt“ die Menschen zum Daheimbleiben, zu mehr Ruhe. Können Sie darin auch etwas Positives sehen? 
Durch den Wegfall vieler Termine und Veranstaltungen hat man mehr Zeit für Sachen, die man immer schon tun wollte, aber für die man nie Zeit hatte. Man merkt bei vielen Menschen, dass sie viel entspannter und gelassener sind, viel weniger oft auf die Uhr blicken. Ich merke auch an mir, dass nicht mehr die Sache das Wichtigere ist, sondern der Mensch mit seinen Gefühlen, Gedanken, was ihn beschäftigt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind trotz persönlicher Distanz besser geworden. Es tut sehr gut, von all der Hektik weg zu kommen, wieder einmal in sich selbst hineinzuhören und über vieles nachzudenken.

Wie denken Sie, wird heuer das Weihnachtsfest? Wird es ein anderes als sonst sein? 
Ich denke, dass es heuer ein ruhigeres, intimeres und dem eigentlichen Sinn entsprechenderes Weihnachtsfest sein wird. Man spürt bei den Menschen ein hohes Bedürfnis, das Weihnachtsfest in einem besonderen Rahmen feiern zu wollen, gerade auch deshalb, weil das letzte Osterfest schon „ausgefallen“ ist. Leider machen die Beschränkungen der Anzahl der Besucher bei den Gottesdiensten zu den Weihnachtsfeiertagen ein „gewohntes Weihnachten“ schwer durchführbar. Wir wollen in der Stadtpfarre Ried so vielen Menschen wie möglich einen Gottesdienstbesuch ermöglichen. Wir werden mehr Gottesdienste anbieten. Die Kindermette, die traditionell immer von sehr vielen Familien besucht wird, findet heuer in der Versteigerungshalle im Messegelände statt.

Und wie kann es trotz Angst und Unsicherheit ein schönes Weihnachtsfest werden?
Wer Angst und Unsicherheit besiegen will, braucht innere Kraft und Stärke. Ich finde sie im Gebet, im Lesen der Heiligen Schrift, in der Familie. Zurückbesinnen an die schönen und freudigen Ereignisse und Erlebnisse. Annehmen von neuen Angeboten und Hilfe anbieten und Hilfe annehmen. Hoffnung und Zuversicht an ein Ende der Pandemie.

Haben Sie einen Tipp für die Mitmenschen, gut durch diese Zeit zu kommen?
In dieser Zeit, denke ich, ist es wichtig, auf die eigene Gesundheit zu achten und durch ein verantwortungsvolles Handeln unsere Mitmenschen zu schützen. Aber trotzdem wachsam zu sein für die Bedürfnisse der Schutzbedürftigen und Risikogruppen und besonders auf die zu schauen, die am Rande der Gesellschaft leben. Sich von Druck und Zwang befreien, um Kraft in Zeiten der Ruhe und der Einsamkeit zu schöpfen. Wenn es möglich ist einen Gottesdienst besuchen, in der Heiligen Schrift zu lesen und im gemeinsamen Gebet innere Stärke zu finden, damit wir den für uns richtigen Weg für eine gute und glückliche Zukunft finden.

Josef Fuchs aus Ried ist seit Oktober 2020 Ständiger Diakon und spricht im Interview über zwischenmenschliche Beziehungen trotz Distanz und ein ruhiges Weihnachtsfest.
Acht Kandidaten wurden am 18. Oktober 2020 in einem gemeinsamen Gottesdienst im Linzer Mariendom von Bischof Manfred Scheuer zu Ständigen Diakonen geweiht.  Darunter auch Josef Fuchs aus Ried (links vorne)


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