Verstöße gegen Corona-Schutzmaßnahmen
Berufsverbot für Hausarzt aus Obernberg am Inn

Dr. Peter Nentwich, Hausarzt in Obernberg am Inn, musste seine Praxis bis auf weiteres schließen. Die Landesregierung verhängte ein Berufsverbot aufgrund von mutmaßlichen Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.
  • Dr. Peter Nentwich, Hausarzt in Obernberg am Inn, musste seine Praxis bis auf weiteres schließen. Die Landesregierung verhängte ein Berufsverbot aufgrund von mutmaßlichen Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.
  • Foto: manae/panthermedia.net
  • hochgeladen von Kathrin Schwendinger

Dr. Peter Nentwich, Hausarzt in Obernberg am Inn, wird vorgeworfen, mutwillig unrichtige Masken-Atteste ausgestellt und selbst – sowie auch sein Personal – keine Maske zum Schutz gegen Covid-19 getragen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Ried ermittelt. Die Landesregierung sieht darin nun Gefahr im Verzug und verhängte gegen den Mediziner ein Berufsverbot. Nentwich musste seine Praxis deshalb bis auf Weiteres schließen. 

OBERNBERG AM INN. Zur Erinnerung: Laut Staatsanwalt Alois Ebner wird dem Obernberger Arzt folgendes zur Last gelegt: Zum einen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Zum anderen Fälschung von Beweismitteln aufgrund der Maskenatteste, die der Mediziner aus "Gefälligkeit" ausgestellt haben soll. Die BezirksRundschau berichtete.

Zu diesen Anschuldigungen möchte sich Nentwich nicht konkret äußern. Allerdings betont er nun gegenüber der BezirksRundschau: "Ich bin definitiv kein Corona-Leugner und ich weiß, dass es gefährdete Patienten gibt. In meiner Ordination habe ich alles getan, damit sich die Patienten sicher fühlen und damit sie sicher sind." So durfte etwa nur eine limitierte Anzahl an Patienten in den Wartebereich, wie Nentwich schildert. Waren es mehr als fünf Patienten, wurde die Tür verschlossen.

Arzt betont: "Ich bin kein Corona-Leugner"

In der Ordination habe man sich an die Abstandsregeln gehalten, regelmäßig durchgelüftet, Desinfektionsmittel am Eingangsbereich aufgestellt. Gefährdete Patienten wurden in einem separaten Raum isoliert. "Mein Personal und ich haben regelmäßig Antigen-Schnelltests gemacht. Noch bevor das verpflichtend war. Zudem bin ich nachgewiesenermaßen immun, also Antikörperpositiv. Genauso eine Mitarbeiterin. Und mein Personal und ich sind geimpft", ergänzt Nentwich.

Der Mediziner ist überzeugt: "Das Einzige, dass man mir vorwerfen kann, ist, dass ich niemanden genötigt habe, eine Maske zu tragen." Wer keinen Mund-Nasen-Schutz tragen wollte, habe die Möglichkeit bekommen, auf der Terrasse zu warten. 

Berufsverbot aufgrund von "Gefahr im Verzug"

Bei dem Berufsverbot handelt es sich um einen Bescheid aufgrund des Ärztegesetzes, den die Landesregierung ausgestellt hat – und zwar aufgrund der Annahme, dass "Gefahr im Verzug" ist. Margit Schacherl von der Abteilung für Soziales und Gesundheit erklärt: "Das heißt, die Landesregierung sieht eine Gefährdung der Öffentlichkeit, sollte der Arzt seinen Beruf weiter ausüben. Ausschlaggebend für den Bescheid war die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Arzt ermittelt und diese Ermittlungen die Ausübung seines ärztlichen Berufes betreffen.

Der Bescheid und damit das Berufsverbot sind gültig bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens. Das kann eine Einstellung des Verfahrens oder eine Verurteilung sein.

Ist das öffentliche Verfahren abgeschlossen, wird Nentwich auch vor der oberösterreichischen Ärztekammer Stellung beziehen müssen. Präsident Peter Niedermoser sagt zur BezirksRundschau: "Gegen Dr. Nentwich ist bei der Ärztekammer aufgrund des Berufsverbotes ein Disziplinarverfahren anhängig. Allerdings ruht dieses, bis die öffentlichen Verfahren abgeschlossen sind. Gibt es hier ein Ergebnis, wird die Ärztekammer mit dem Disziplinarverfahren aktiv."

"Viel Unterstützung aus der Kollegenschaft"

Das alles sei nun eine schwierige Zeit, sagt Nentwich. "Zum Glück erhalte ich viel Unterstützung aus der Kollegenschaft." Aber nicht nur von Kollegen. Inzwischen sind weitere Unterstützer des Obernberger Hausarztes aktiv geworden: Online wurde eine Petition gestartet, die zum Ziel hat, das Berufsverbot gegen Nentwich aufzuheben. Die Grundaussage: In der Peripherie fehle es an der Versorgung durch niedergelassene Ärzte. Deshalb sei durch das Berufsverbot des Hausarztes das Patientenwohl gefährdet. 1239 Menschen (Stand 1. März 2021) haben die Petition bisher unterzeichnet. Hier geht's zur Petition.

Wie lange das Verfahren dauert und die Ordination geschlossen bleiben muss, könne man nicht sagen. "Aber ich bin guter Dinge. Es wird sich zeigen, dass das Ganze vor allem auf Verleumdungen fußt", sagt der Hausarzt. Seine Patienten verweist er an einen Kollegen seines Vertrauens. Infos dazu gibt's bei Anruf in der Praxis.

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