Bundesheer: "Viele wissen gar nicht was wir eigentlich tun"

8Bilder

Seit 1996 sind Sie, Major Hannes Wagner beim Bundesheer tätig. Was ist am Beruf Soldat so aufregend?
Wagner: Die tägliche Abwechslung, macht es leicht, gerne in die Arbeit zu gehen. Es gibt nicht viele Berufe wo man Tag für Tag etwas anderes machen darf. Bei rund 300 Arbeitnehmern, die wir haben, wird es in meinem Aufgabenbereich kaum langweilig. Ich habe hier in der Kaserne mit der Grundausbildung begonnen und die Aufstiegsmöglichkeiten des Österreichischen Bundesheeres genutzt, wenn man will, kann man in drei Jahren Offizier sein, die Ausbildung dazu ist in Wiener Neustadt. Es ist sicher viel zu lernen, aber man hat dann auch eine sehr gute Position. Auch die Auslandseinsätze fordern unsere Soldaten sehr, aber dazu weiß Korporal Wohlschlager mehr.

Sie waren also schon im Ausland – was haben Sie dort erlebt?
Wohlschlager: Ja, von Oktober 2015 bis April 2016 war ich im Kosovo. Unser Auftrag lautete: Kloster Dečani bewachen und vor Unruhen schützen. Es ist zwar kein Kriegsgebiet mehr, doch ganz ungefährlich ist es dennoch nicht. Das serbisch-orthodoxe Kloster Visoki Dečani befindet sich auf der roten Liste des gefährdeten Welterbes, welche von der Unesco geführt wird. Sollte mit dem Kloster etwas passieren, wäre das eine dramatische Situation für die momentan ruhige Lage des Landes. Sollte mit dem Kloster etwas passieren wäre das eine dramatische Situation für die entspannte Lage des Landes. Wir gingen auf Patrouille im Gebiet rund um das Klosters und durften unser Camp sonst nicht verlassen. Trotzdem ging es uns gut, uns fehlte es weder an Essen noch an Unterhaltung, wir hatten auch regelmäßig Kontakt mit Zuhause.

Der Kosovo war für Sie ein Erlebnis, würden Sie also wieder fahren?
Wohlschlager: Ja, würde ich. Es gibt auch andere Länder, die unsere Hilfe brauchen. Jeder Auslandseinsatz bringt neue Erfahrungen, und je nach Land auch neue Gefahren, mit denen man wachsen kann. Man lernt neue Leute kennen. Im letzten Einsatz haben wir mit Soldaten aus Italien und der Slowakei zusammengearbeitet, das war sehr interessant.

Können SIe uns Ihren Tagesablauf genau erzählen?
Wohlschlager: Das würde ich gerne erzählen, aber da werden wir nicht fertig. Jeder Tag im Ausland ist – genau wie Zuhause – sehr unterschiedlich. Wir haben keinen Stundenplan, wissen am Vortag nicht was uns erwartet. Grundsätzlich wissen wir nur über große Übungen bescheid. In Österreich beginnt mein Dienst täglich um 7:30 Uhr. Zunächst gibt es eine Besprechung, dann erst weiß man, ob Schulungen, Schießübungen oder Sport auf einen warten.

Erlauben Sie uns einen Blick in die Zukunft, wie wird es mit dem Bundesheer weiter gehen?

Wagner: Wir blicken auf alle Fälle positiv in die Zukunft, zudem wir auch die Ehre haben ein Teil der "European Union Battle Group" sein zu dürfen. Das sind Truppen von etwa 600 Soldaten, die im Zeitraum von sechs Monaten den Krisenreaktionskräften zugehören. Sie müssen im Radius von 6.000 km innerhalb der EU ihren Einsatz antreten. Welche Einsätze genau in Frage kommen, darüber kann man momentan nur spekulieren. Ziel dieser Battlegroup ist es, schnell nach einer politischen Entscheidung der EU auf militärische Krisen und Konflikte zu reagieren. Dafür suchen wir natürlich momentan neue Kameraden.

Kann man also sagen sie suchen dringend Personal?
Wagner: Absolut. Wir sind dringend auf der Suche nach Soldaten, die sich für die 13er Kaserne verpflichten wollen. Auch weibliche Soldatinnen sind gefragt. Allerdings muss keine Frau im Heer dieselben Leistungen wie ein Mann vollbringen, obwohl das Gehalt das selbe bleibt. Die Leistung wird mittels einer sportwissenschaftlichen Studie, abgstimmt auf die weibliche Form der Soldaten, gewertet. Zum Beispiel muss bei einem Punktesystem, wo ein Soldat 20 Punkte zu erreichen hat, eine Frau 15 Punkte erreichen. Es läuft fair und gerecht ab. Bewerben kann sich jeder. Perfekt wären bereits Ausgebildete, von Metallverarbeitenden Berufen, Koch, Sanitäter oder auch aus der Informations- und Kommunikationstechnikbranche.

Welche Bedeutung hat das Bundesheer für Sie?
Wohlschlager: In einer politisch eher ruhigen Zeit sehen viele Menschen das Bundesheer als unnötig. Das finde ich sehr schade, denn sie wissen oft gar nicht was wir leisten. Zum Beispiel sind wir bei Naturkatastrophen sofort zur Stelle. Wir können daher jede Unterstützung gebrauchen. Geboten wird dafür ein sicherer Job, gutes Gehalt, tolle Kameradschaft ist mit nichts zu vergleichen. Die Zeit im Bundesheer ist sicher nicht immer leicht, aber es macht wahnsinnig stolz unserem Land zu dienen!

Anzeige
Auch das kann Arbeit der Zukunft sein: AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer (rechts) und AEC-Chef Gerfried Stocker präsentieren ein Exoskelett, das bei schweren Arbeiten unterstützen kann.

AK-Future Days 2021
Arbeit der Zukunft: Um 1 Euro in das Ars Electronica Center

Arbeit ist ein wesentlicher Aspekt, über den wir uns als Menschen definieren. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Digitalisierung eine große Herausforderung für die Beschäftigten ist. Viele Fragen werden aufgeworfen: Wie könnte Arbeit in Zukunft aussehen? Wie kann diese weitreichende Veränderung so fair wie möglich gestaltet werden? Die Sonderausstellung "Die Arbeit in und an der Zukunft" im Linzer Ars Electronica Center (AEC) nähert sich diesen Themen in vier Bereichen. Für Mitglieder...

Anzeige
AK und AEC widmen sich der Zukunft der Arbeit

AK-Future Days 2021
Handel der Zukunft: Digitalisierte Arbeit

Die Beschäftigten im Handel spüren die Digitalisierung schon jetzt hautnah: Scan-ner-Kassen, die alle Daten aufzeichnen und Kassierer/-innen zu gläsernen Mitar-beitern/-innen machen. Selbstbedienungskassen, die Arbeitsplätze kosten. Massive Konkurrenz durch Online-Handel – gerade jetzt verstärkt in der Pandemie. Diese massiven Veränderungen führen zu großen Sorgen bei den Handelsange-stellten: Habe ich morgen noch meinen Arbeitsplatz? Erledigt meine Arbeit bald der Computer? Werden unsere...

Anzeige
Die Supermarkt-Kassen: Ein typisches Beispiel für die zunehmende Digitalisierung im Handel.

AK-Future Days 2021
Handel der Zukunft: Beschäftigte in der digitalisierten Welt

Ein Schwerpunkt der AK-Future Days ist der Handel. Die erste Veranstaltung gibt es am Donnerstag, 17. Juni, von 16.30 bis 19.30 Uhr. Sie heißt „Handel der Zukunft: Beschäftigte in der digitalisierten Welt“. Interessierte können zuhause vor Ihrem Computer einen informativen Vortrag und spannende Diskussionen erleben. Und sie können selbst auch an der Diskussion teilneh-men. Mit dabei sind als Experten: Anton Salesny von der Wirtschaftsuniversität Wien („Handel/Supermarkt der Zukunft“), Dominik...

Auch das kann Arbeit der Zukunft sein: AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer (rechts) und AEC-Chef Gerfried Stocker präsentieren ein Exoskelett, das bei schweren Arbeiten unterstützen kann.
AK und AEC widmen sich der Zukunft der Arbeit
Die Supermarkt-Kassen: Ein typisches Beispiel für die zunehmende Digitalisierung im Handel.

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen