Interview
Die Höhen und Tiefen des Franz Stelzhamer

Franz Stelzhamer, Stich von Rudolf Strauch aus Leipzig.
  • Franz Stelzhamer, Stich von Rudolf Strauch aus Leipzig.
  • Foto: Aus da Hoamat
  • hochgeladen von Bernadette Wiesbauer

Franz Stelzhamer ist den meisten von uns als Dichter der Oberösterreichischen Landeshymne „Hoamatland“ ein Begriff. Wir wollen mehr über den Menschen Stelzhamer erfahren und haben dazu Josef Kettl, selbst Mundartdichter und „Stelzhamerexperte“, interviewt.

Was für ein Typ war Franz Stelzhamer?
Er lebte seine Kunst voll aus und lebte für die Kunst. Nach Abbruch seiner Studien Theologie und Jus, nach langen Jahren der Zerrissenheit und der Frage, ob er Schriftsteller oder Maler werden sollte, war er als Hauslehrer oder Erzieher tätig. Doch mit dem Geld konnte er nicht umgehen. So durchlebte er oft schwierige Zeiten. Einmal versuchte er sich als Schauspieler in Passau. Die Bühne sperrte allerdings zu, er durfte wegen unbezahlter Wohnungsmiete die Stadt nicht verlassen. Sein 62- jähriges „Müadal“ löste ihn nach zwölf-stündigem Fußmarsch aus der Haft aus. Am Heimweg schenkten ihm die Herren des Stiftes Reichersberg 24 Gulden, damit er sein Mundartbuch drucken konnte. Doch bereits in Aurolzmüster verspielte er alles beim Kegeln.

Oft werden Künstler erst bekannt, wenn sie tot sind. Wie war das bei Stelzhamer?
Stelzhamer war schon zu Lebzeiten ein bekannter Schriftsteller und Vortragskünstler. In vielen Städten und Orten, von Wien bis München, riss er die Menschen zu Beifallstürmen hin. Sogar vor dem Herzog Max von Bayern trug er seine Gedichte vor. Obwohl er sich als Poet der Schriftsprache fühlte, war er nur in der Mundart erfolgreich, durch seine meisterhafte Vortragskunst.

Wurde Stelzhamer von seiner Kunst reich?
Vom Verkauf seiner Bücher und von seinen Vorlesungen erwarb er sich nur ein bescheidenes Fortkommen. Mehr als einmal war er knapp am Verhungern.

Welches Verhältnis hatte Stelzhamer zu anderen Künstlern seiner Zeit?
Stelzhamer und Adalbert Stifter lernten einander wahrscheinlich als Studenten in Wien kennen. Was die Mundartdichtung anbelangte, war Stelzhamer in den ersten Jahren seinem Freund überlegen. Nicht jedoch in der hochsprachlichen Dichtung. Beide wollten zusammen ein Buch herausgeben, doch als daraus nichts wurde, erstarrte die Verbindung beinahe. Die Lebensweise Stelzhamers war auch auslösender Faktor, warum nicht er, sondern Stifter die Stelle als Schulrat bekam. Aber auch mit Peter Rosegger war Stelzhamer in Verbindung. Vor allem nach dem Tod Stelzhamers wurden seine Werke durch den unermüdlichen Einsatz Roseggers wieder bekannt.

War Stelzhamer viel auf Reisen?

Ja, er war ein unsteter Wanderer auf seinen Vortragsreisen. In einem seiner Gedichte schrieb er: „Sessel und Ruahstul kinnt´s wemdawill gebn, aber Wanderstab, Wunderstab, du bist mei Leb´n!“ Während er kreuz und quer durchs Land zog, verstarben seine Tochter Carolina und seine Frau Betty. Ab dem 60. Lebensjahr erhielt Stelzhamer einen Ehrensold vom Land und vom Ministerium. Mit diesem Geld und seiner zweiten Frau Therese, die ihm zwei Kinder schenkte, lebte er im Alter idyllisch in seinem Haus in Henndorf.

Was war Franz Stelzhamers wichtigstes Werk?
Der „Hoamatgsang“ wurde nach der Vertonung einiger Strophen durch Hans Schnopfhagen zu Stelzhamers bekanntestem Gedicht. 1952 erklärte man dieses Gedicht zur Landeshymne. Viele seiner Werke wie "Da blüahade Kerschbam“, der „Heumahdagsang“ oder „Mei Müadal" sind in den Köpfen, vor allem der älteren Menschen, vorhanden. Sicherlich entsteht bei Jüngeren durch seine Schreibweise eine gewisse Lese-Hemmschwelle. Wenn man aber diese Hürde überwindet, findet man in allen seinen Gedanken lebensnahe Aussagen und Weisheiten.

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