Ein Bezirkshauptmann für alle Menschen

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RIED (ebe). Die Tage sind gezählt, in denen Franz Pumberger als Bezirkshauptmann tagtäglich in sein Büro fährt. Denn mit Jahreswechsel wird er seine wohlverdiente Pension antreten. Im Interview mit der BezirksRundschau spricht er über Herausforderungen, Gleichbehandlung und die Kunst, ruhig zu bleiben.

BezirksRundschau: Nach rund 19 Jahren als Bezirkshauptmann und 39 Jahren auf der Bezirkshauptmannschaft Ried – ist ein Leben ohne dieser Aufgabe überhaupt denkbar für Sie?
Franz Pumberger:
Damit habe ich meine Schwierigkeiten. Ich kann es mir nur schwer vorstellen. Mit 40 Stunden kann man die Arbeit eines Bezirkshauptmannes nicht wahrnehmen. Meine Tage waren immer sehr ausgefüllt. Hinzu kommen die vielen Dinge, die ich im Kopf mit nach Hause genommen haben. Ich frage mich schon, wie ich diese Zeiten ausfüllen werde. Allerdings hat darunter auch die private Kontaktpflege gelitten. Meine Freundschaften zu intensivieren, darauf freue ich mich jetzt sehr.

Ihre Arbeit wurde sehr geschätzt von allen Seiten. Was denken Sie ist der Grund dafür?
Das ist schwierig. Es ist wahrscheinlich die Art und Weise, mit der ich auf Menschen eingegangen und zugegangen bin. Ich mache keinen Unterschied zwischen den Menschen, ich habe mich bemüht, für alle gleich da zu sein. Durch meine Tätigkeit als Wasserrechtsexperte war ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Häuslbauer, Landwirte, Gewerbetreibende – denn Wasser betrifft jeden. Für mich war immer wichtig, dass sich Menschen mit ihren Anliegen an mich wenden können, ohne ihnen große Hürden in den Weg zu stellen. Ich habe mich auch um ein gutes Einvernehmen mit den Bürgermeistern bemüht und habe mich für ihre Anliegen sehr eingesetzt. Sowohl bei meiner Aufgabe als Vorgesetzter für 90 Mitarbeiter in der Bezirkshauptmannschaft als auch als Obmann des Sozialhilfeverbandes. Nicht nur Freundlichkeit zählt, sondern auch bei Ärger ruhig zu bleiben. Das ist sicherlich eine meiner Stärken.

Wo waren die größten Herausforderungen und wie gehen Sie damit um?
Im Sozialbereich waren es die zahlreichen Heimbauten, die vor allem in der Zusammenarbeit mit den Gemeinden gelingen konnten. Auch intern waren wir vor große Aufgaben gestellt. So haben wir auf der Bezirkshauptmannschaft von vier auf drei Abteilungen reduziert. Das hat viele Gespräche gebraucht. Und die Flüchtlingswelle im letzten Jahr zählt sicher auch zu den schwierigsten Aufgaben. Am wichtigsten ist es zu wissen, dass man nie alleine ist. Mir war bei schwierigen Situationen immer wichtig, zwei Seiten anzuhören und nicht nachtragend zu sein.
Manchmal hilft es schon eine Nacht darüber zu schlafen.

Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt geändert?
Die Digitalisierung hat verstärkt Einzug gehalten, es hat unsere Arbeitsweise grundlegend verändert. Ich komme aus einer Zeit, in der das noch keine Rolle gespielt hat. Aber auch die Menschen haben sich geändert. Sie sind wesentlich kritischer geworden, nehmen Entscheidungen nicht als selbstverständlich hin, hinterfragen sie und wollen Erklärungen. Ausnahmen zu machen funktioniert nicht. Der Rechtsstaat hat seine Gültigkeit. Das "Anspruchsdenken" der Menschen ist ebenso gestiegen, jeder weiß 'er hat ein Recht darauf'. Nur manchmal ist es einfach nicht möglich, allen Anliegen und Ansprüchen gerecht zu werden.

Gibt es etwas, das Sie ihrer Nachfolgerin, Yvonne Weidenholzer, mit auf den Weg geben wollen?
Ihr soll bewusst sein, dass es ihre Hauptaufgabe ist, die Bezirkshauptmannschaft zu führen. Das gute Betriebsklima im Haus lege ich ihr sehr ans Herz. Denn es ist das Um und Auf für gute Arbeit. Sie darf sich in die Regionalentwicklung einbringen, ist allerdings Teil des Landes und muss dessen Vorgaben berücksichtigen. Aber ich denke Yvonne Weidenholzer bringt sehr gute Voraussetzungen mit. Sie hat bereits auf drei Bezirkshauptmannschaften Erfahrungen gesammelt, ich bin mir sicher, dass sie ihr Amt sehr gut machen wird.

Wenn Sie eine Rede an die Nation halten könnten, was würden Sie uns Österreichern ans Herz legen?
Es gibt sicherlich in unserem Land den einen oder anderen Mangel oder Fehlentwicklung. Aber bitte vergessen wir nicht in welchem Wohlstand wir leben. In einem Land das ein soziales Netz bietet, das Seinesgleichen sucht. Politiker sind Menschen, die das beste wollen. Wir reden immer nur von Änderungen. Ich will den Menschen sagen: Seid mehr zufrieden, schaut auf den Zusammenhalt. Das gegenseitige Heruntermachen bringt uns nicht weiter und hat uns in der Geschichte nie weitergebracht.

Viele Rieder kennen sie auf dem Fahrrad. Wohin führt Sie der Weg mit Fahrrad jetzt?
Momentan freue ich mich mehr auf das Wandern. Allerdings wird mich das Fahrrad sicher auf einige Touren begleiten. Entlang der Mühlheimer Ache ist meine Lieblingsgegend, auch im Donautal bin ich liebend gern unterwegs. Wasser hat mich immer fasziniert. Das erste bewegende Erlebnis hatte ich als 14-Jähriger beim einem Hochwasser in Südtirol. Diese Begeisterung für das Element Wasser hat mich dann bis in meine Karriere begleitet.

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