Rot-Weiß-Rot Karte bald in der Tasche
Fünf Punkte trennen Ezat noch von seinem Ziel

Maximilian Rossak, Ezat und Heidi Rossak.
2Bilder

EBERSCHWANG. Im Oktober 2018 wurde der afghanische Flüchtling Ezat Ezati von Österreich nach Bulgarien abgeschoben, obwohl er noch nie zuvor in diesem Land war. Mit einer Petition und einem gleichnamigen Film versuchte die Initiative „Ried hilft“ damals, die Abschiebung zu verhindern. Vergeblich. Vor kurzem gab es nun großen Grund zur Freude: Ezat ist wieder zurück und kann bleiben.

Ezats Geschichte

Aufgewachsen ist Ezatullah Ezati, wie Ezat mit vollem Namen heißt, gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern in der afghanischen Provinz Kunduz bei seiner ältesten Schwester und deren Familie. Seine Eltern kamen bei einem Bombenangriff ums Leben, als Ezat ein Kleinkind war. In Afghanistan arbeitete Ezat sowohl beim staatlichen, als auch beim amerikanischen Militär und machte dort eine Ausbildung zum Sanitäter. Sein Fingerabdruck ist seither dort digital gespeichert. Einen Wurfbombenangriff der Taliban überlebte er wie durch ein Wunder. Nach neun Monaten Krankenhausaufenthalt erhielt Ezat vom Militärdienst die Kündigung. Die Taliban waren an Ezats Wissen über die Nato interessiert, daher musste der Afghane über Nacht fliehen. Zuerst in den Iran, anschließend über die Türkei nach Europa und Österreich. Von Juli 2016 bis Oktober 2018 lebte der 21- jährige Flüchtling in Eberschwang. Aufgrund fehlender Deutschkenntnisse sagte Ezat bei seiner Einreise nach Österreich irrtümlich aus, über Bulgarien anstatt über Belgrad in die EU eingereist zu sein. Dieses sprachliche Missverständnis führte dazu, dass die österreichische Behörde sein Asylverfahren nach Bulgarien verlegen wollte – und dies auch tat.

„Miteinander füreinander – Für Ezat und das große Ganze“

Im Juli 2018 reichte Hedi Rossak vom Verein "Ried hilft" die Petition „Miteinander füreinander – Für Ezat und das große Ganze“ ein.
Der Wiener Filmemacher Heinrich Chini, ein Freund von Ezats Quartiergeber in Eberschwang Klaus Welz, drehte einen gleichnamigen Kurzfilm und schrieb das Lied „Lieb gewonnen“, welches er gemeinsam mit Heidis Sohn Maximilian und dessen Freund Lorenz Posch musikalisch umsetzte und in den Film integrierte. Trotz aller Bemühungen wurde Ezat am 23. Oktober in Eberschwang verhaftet und mit Handschellen abgeführt. Am 25. Oktober musste der 21-Jährige nach Sofia fliegen. Chini und Hedi Rossak begleitete Ezat kurzerhand dorthin.  "Über die österreichische Botschaft, das Innen- und das Außenministerium und das BFA suchten wir nach einer Möglichkeit, Ezat wieder mit nach Hause zu nehmen. Keine Chance. Die einzige Hoffnung bestand in einem positiven Ayslbescheid in Bulgarien. Wie durch ein Wunder hat es geklappt. Ezat ist der zweite Afghane, der in Bulgarien einen positiven Bescheid bekommen hat", so Rossak. 

Rot-Weiß-Rot-Karte 

Um nun als Drittstaatangehöriger dauerhaft in Österreich bleiben zu dürfen, will sich Ezat die Rot-Weiß-Rot Karte erarbeiten. Die Module B1 Deutsch Lesen, Hören und Sprechen hat er bereits im Goethe-Institut in Sofia abgelegt. Inzwischen hat Ezat auch das Modul Schreiben für die B1 Deutsch-Prüfung in Wien erfolgreich absolviert. „ Er ist äußert ambitioniert, das Bleiberecht zu bekommen. Österreich ist für Ezat zur neuen Heimat geworden. Es fehlen ihm nur mehr fünf Punkte, die er mit einer A2-Prüfung in Englisch erlangen will. Im Selbststudium bereitet sich Ezat nun auf diese Prüfung vor“, so Rossak. Ist die Englisch-Prüfung in der Tasche, will Rossak eine Firma finden, die Ezat als Schweißer anstellt und den Antrag für die Rot-Weiß-Rot-Karte stellt. "Ezat hat schon als Schweißer gearbeitet und in Bulgarien drei Schweißkurse absolviert. Wenn uns ein Betrieb unterstützen möchte, freue ich mich unter 03650/9821895 über einen Anruf", so Rossak.

Weitere Informationen:

• Wer für diese Erfolgsgeschichte einen Daumen hoch setzen möchte, kann dies auf der Open-Petition "Miteinander füreinander – für Ezat und das große Ganze" nach wie vor tun.

• Der Film von  Heinrich Chini ist hier zu finden. 

• Am Freitag, 3. Mai wird zwischen 19 und 20.30 Uhr im Pfarrheim in Eberschwang zu "Yoga für den guten Zweck" mit Elisabeth Riepl und Martina Mühlberger geladen. Eingeladen sind Frauen und Männer, Junge und Alte, Vorsichtige und Sportliche, Neulinge und Erfahrene. Als Eintritt werden freiwillige Spenden erbeten. Der Erlös kommt der lokalen Flüchtlingshilfe zu Gute.

Maximilian Rossak, Ezat und Heidi Rossak.
Renate Bachinger (l.), Ezat und Heidi Rossak (r.) sowie Freunde Maximilian Rossak, Rahmat Hossaini, Mitglieder der Vereine Ried hilft und des Turnvereins Eberschwang sowie Quartiergeber Klaus Welz (5.v.l.)

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen