"Aufgemotzte" Mopeds
Ist eins zu schnell, sind die Taferl weg

Das Moped am Rollenprüfstand.
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  • Das Moped am Rollenprüfstand.
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Polizei: Erschreckend hohe Zahl an manipulierten Mopeds auf Rieds Straßen unterwegs.

BEZIRK RIED IM INNKREIS (schi). "Mopedfahrer müssen sich im Frühjahr erst wieder an das Fahren gewöhnen. Für Autolenker gilt dasselbe. Leider ist die Zahl der Mopedunfälle im Frühjahr sehr hoch", so Wolfgang Zieher, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant von Ried. Nicht selten passieren Unfälle aufgrund manipulierter Mopeds. Diese erreichen dann Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde, erlaubt sind aber nur 45.

Experten auf ihrem Gebiet

Erschreckend viele Mopeds sind laut Zieher manipuliert. Um dem illegalen "Aufmotzen" der Mopeds entgegenzuwirken, führen die Polizeibeamten im Bezirk Ried einerseits Standkontrollen durch, andererseits halten sie auch bei Streifenfahrten die Augen immer offen. "Meine Kollegen sind technisch sehr versiert und wissen über die verschiedenen Methoden, wie man ein Moped manipulieren kann, Bescheid. Sie sind Experten in diesem Gebiet", erklärt Zieher. Polizist Heimo Katzlberger ist einer dieser Experten: "Die Zahl der manipulierten Mopeds blieb in den letzten Jahren etwa gleich. Das wird von Generation zu Generation weitergegeben."

Kontrolle ist verpflichtend

"Wenn sich ein Mopedfahrer bei einer Kontrolle verdächtig verhält oder wir hinter einem herfahren, der viel zu schnell unterwegs ist, dann packen wir unseren Rollenprüfstand aus", so Katzlberger. Das Moped wird entweder vom Fahrer oder einem der Beamten mit dem Hinterrad darauf platziert. Danach erfolgt die Messung. "Je nach Geschwindigkeit gibt es dann entweder eine Verwaltungsstrafe oder wir nehmen dem Fahrer den Zulassungsschein und die Taferl ab."

Wie hoch eine Verwaltungsstrafe sein kann, weiß Heidemarie Schachinger, Sicherheitsbeauftragte der Bezirkshauptmannschaft: "Wenn ein Moped auf dem Rollenprüfstand kontrolliert wird und dieses eine Geschwindigkeit erreicht, welche bereits einen Führerschein der Klasse A1, A2 oder sogar A voraussetzen würde, fällt dafür eine Verwaltungsstrafe von mindestens 450 Euro an. Bei dieser Verwaltungsstrafe sind jedoch sämtliche anderen technischen Veränderungen am Fahrzeug noch nicht berücksichtigt." Werden die Taferl abgenommen, erhält der Zulassungsbesitzer eine Aufforderung der Bezirkshauptmannschaft, das Moped beim Amt der Oberösterreichischen Landesregierung überprüfen zu lassen. "Erst wenn sicher ist, dass sich das Fahrzeug wieder in verkehrs- und betriebssicherem Zustand befindet, kann wieder damit gefahren werden und man bekommt die Kennzeichen zurück."

Die technische Mitwirkung bei einer Verkehrskontrolle ist übrigens verpflichtend. Wenn sich jemand weigert, das Moped auf den Rollenprüfstand zu stellen, dürfen die Polizisten die Kennzeichen auch ohne durchgeführte Messung abnehmen.

Präventionsarbeit

Die Polizisten der Polizeiinspektion Ried im Innkreis sind aber nicht nur strafend im Einsatz. Vor allem im Frühjahr betreiben sie sehr viel Aufklärungsarbeit am Poly, der Berufsschule und der HTL. Sie klären die Jugendlichen darüber auf, welche Gefahren manipulierte Mopeds mit sich bringen. "Wir empfehlen allen, die Mopeds in ihrem Originalzustand zu belassen", so Zieher und Katzlberger. Auskünfte darüber geben der ÖAMTC und der Fahrzeugfachhandel.

Einmal erwischt, wird es teuer

"Manipuliert man ein Moped, so ist ein sicheres Fahren nicht mehr gewährleistet", sagt Petra Riener, Expertin für Verkehrssicherheit beim ÖAMTC OÖ. Beispiel: Ein 40 km/h schnelles Moped benötigt 16 Meter bis zum Stillstand. Fährt man aber mit 80 km/h, verlängert sich die Strecke auf 64 Meter. Dabei sind Zustand der Bremsen und Reaktionsweg nicht mit eingerechnet. "Zusätzlich gibt es auch rechtliche Konsequenzen", so Riener. Allein die technische Veränderung des Mopeds wird mit einer Anzeige von bis zu 5.000 Euro bestraft. Dazu kommt eine Anzeige (bis 2.180 Euro) für das Fahren ohne Lenkberechtigung, da das Moped schneller als 45 km/h fährt und daher als Motorrad eingestuft wird. Darüber hinaus kann es auch passieren, dass der Versicherungsschutz wegfällt und man den Schaden, der verursacht wurde, bis zu einem bestimmten Betrag selbst bezahlen muss.

Kommentar

30.000 Euro für ein paar km/h mehr?
Wird ein Mopedfahrer mit einem illegal "aufgemotzten" Moped erwischt, kann das ganz schön teuer werden: 5.000 Euro für die technische Veränderung, 2.180 Euro für das Fahren ohne Führerschein und ist das Moped noch dazu auf einen Elternteil zugelassen, nicht auf den Jugendlichen selbst, wird man gleich zweimal zur Kasse gebeten. Immerhin ist es Aufgabe des Zulassungsbesitzers darauf zu achten, dass das Fahrzeug im Originalzustand bleibt und der Fahrer eine zulässige Lenkberechtigung hat. Verursacht der Lenker eines manipulierten Mopeds zusätzlich noch einen Unfall, wird es wirklich teuer. Die Versicherung bezahlt zwar den Schaden, verlangt aber eine Rückzahlung bis zu 22.000 Euro. Ein sehr teurer und vor allem gefährlicher Spaß, der im schlimmsten Fall zusätzlich noch ein Menschenleben kosten könnte.

Autor:

Lisa Schiefer aus Ried

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