Mountainbiken auf halblegalen Pfaden und Wegen

Mountainbiken im Wald ist oft illegal
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BEZIRK. (ebe) Das warme Wetter lockt nach draußen und viele genießen ihre Freizeit gerne in der Natur. Seit Jahren immer beliebter wird dabei das Mountainbiken. Doch sich auf den Sattel zu schwingen, heißt für die Biker oft auch in der Illegalität radeln. Denn in Österreich ist das Befahren von Wald- und Forstwegen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis gestattet. Vier Prozent des Forststraßennetzes dürfen in Oberösterreich legal von Moutainbikern befahren werden. „Und nicht einmal für diese Strecken stellt das Land Routenpläne zur Verfügung“, kritisiert Gerda Weichsler-Hauer, 3. Landtagspräsidentin von der SPÖ. Sie hat deshalb eine Landtagsanfrage mit kritischen Fragen an Landesrat Max Hiegelsberger eingebracht.

Wandern erlaubt

"Jedermann darf den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten", heißt es im heimischen Forstgesetz von 1975. Das heißt Österreichs Wälder sind für alle da – sofern man zu Fuß unterwegs ist. Ganz anders ist dagegen die Situation, wenn es um das Befahren geht. Das ist nämlich nach geltendem Recht nur mit Erlaubnis des Waldeigentümers oder des Forststraßenerhalters gestattet. An dieses 40 Jahre alte Gesetz müssen sich auch die Mountainbiker halten.
Im Gesetzestext heißt es dazu:
"Wird eine für das allgemeine Befahren erkennbar gesperrte Forststraße unzulässiger Weise (mit dem Rad) befahren, ist mit € 730,- oder mit Arrest bis zu einer Woche zu bestrafen. Anderenfalls ist das unbefugte Radfahren im Wald mit bis zu € 150,- zu bestrafen."
Es kann für die Radfahrer aber auch noch viel teurer werden: Im Falle einer Besitzstörungsklage können Forderungen bis zu einer Höhe von 15.000 Euro entstehen.

Keine negativen Folgen für Wald und Wild

17.000 Kilometer umfasst das Forststraßennetz OÖ. Diese Verkehrsverbindungen sind für schwere Forstfahrzeuge ausgelegt. Somit könnten auch Radfahrer dort die Natur aktiv erleben, ohne Wald und Wild negativ zu beeinflussen. Das sieht auch Hanspeter Haferlbauer, Leiter des Forstdienstes der Bezirkshauptmannschaften Ried, so: "Nicht die Benützung ist das Problem sondern die Haftung. Bei einem Unfall auf dem Forstweg kann der Besitzer des Waldes zur Verantwortung gezogen werden. Würde man eine Haftung ausschließen, wäre die größte Hürde für Waldbesitzer aus dem weg geräumt." Um den Jägern nicht in die Quere zu kommen, empfiehlt der Forstdienstleiter, den Wald zur Dämmerungszeit zu meiden. "Dann dürfte es keine Probleme geben", ist er sich sicher.
Laut Weichsler-Hauer wäre es auch sachlich begründet, die Forststraßen für Biker freizugeben, da sie mit großer Unterstützung durch öffentliche Steuergelder errichtet wurden. Sollte jemand Bedenken hinsichtlich Wegverhaltung haben, gibt Weichsler-Hauer Entwarnung. Das Land Steiermark hat etwa mit einer eigenen Versicherungspolizze die Weggehaltung entlastet.

Grundeigentümern steht es grundsätzlich frei, ob sie Wegstrecken zur Befahrung durch Mountainbiker freigeben oder nicht. Gemeinden wie auch lokale Tourismusverbände haben aber oftmals ein Interesse daran, längere Wegstrecken für Einheimische und Touristen zu Erholungszwecken einzurichten und hierfür Verträge mit Grundeigentümern abzuschließen. „Die Landwirtschaftskammer (LWK) OÖ lehnt eine generelle Öffnung von Forststraßen für Radfahrer ab. Stattdessen wollen wir die Freigabe von Rad- bzw. Mountainbikerouten auf bestehenden Forststraßen ausschließlich auf vertraglicher Grundlage“, sagt Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. In der neuen Broschüre „Mountainbiken und Radfahren im Wald“ wendet sich die LWK an Waldeigentümer, Wegehalter und Gemeinden in Oberösterreich und will damit die vertragliche Freigabe von Radstrecken erleichtern. Darin werden unter anderem auch die rechtlichen Rahmenbedingungen erläutert.

Gemeinsam mit der Oberösterreich Tourismus GmbH arbeitete die LWK ein Gestattungsvertragsmuster in zwei Varianten aus, das als Grundlage für die Freigabe privater Wegstrecken herangezogen werden kann. Dieser Mustervertrag präzisiert Rechte und Pflichten der Vertragsparteie. Es gibt diesen in zwei Varianten, in der Variante „Entgeltlichkeit“ und „Unentgeltlichkeit“.

Strecken im Innviertel
Der Kobernaußerwald rundum Lohnsburg bietet insgesamt neun abwechslungreiche Mountainbiketouren.
Der Kranatzweg zwischen Eberschwang und Ottnang ist im Besitz der beiden Gemeinden und somit öffentlich für alle Radfahrer zu nutzen.
Die Mountainbike Strecken in Maria Schmolln bestehen aus drei markierten Routen, die über Waldwege, Schotter- und Asphaltstraßen durch hügeliges Gelände führen. Die längste Strecke ist 30 Kilometer lang, die Kürzeste ist 15 Kilometer lang.

Die Broschüre der Landwirtschaftskammer "Moutainbiken und Radfahren im Wald" (für Waldeigentümer und Wegerhalter) steht auf www.ooe.lko.at in der Rubrik Forst zum Download bereit oder ist als Druckwerk bei der Landwirtschaftskammer erhältlich.
Mehr dazu gibt es HIER nachzulesen

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