Rolling Pin zeichnete Michael Kaswurm zum besten Sommelier des Jahres aus
Obernberger schreibt mit 26 Jahren Gastrogeschichte

Michael Kaswurm wurde vom Fachmagazin Rolling Pin zum besten Sommeliere des Jahres gewählt.
  • Michael Kaswurm wurde vom Fachmagazin Rolling Pin zum besten Sommeliere des Jahres gewählt.
  • Foto: Anthony's Kitchen
  • hochgeladen von Bernadette Wiesbauer

OBERNBERG. Michael Kaswurm hat eine unglaubliche Karriere hingelegt: Auf dem zweiten Bildungsweg in die Gastronomie eingestiegen, ist er heute mit 26 Jahren Restaurantleiter im angesagten Sternerestaurant "Anthony's Kitchen" im Düsseldorfer Nobelvorort Meerbusch.  Zusätzlich wurde der gebürtige Obernberger von "ROLLING PIN" zum besten Sommelier des Jahres ausgezeichnet. Doch Starallüren kennt der Wahl-Düsseldorfer nicht. Im Gegenteil: Sympathisch und bescheiden spricht er über seinen Werdegang.

Herr Kaswurm, was bedeutet die Auszeichnung im Rolling Pin für Sie?
Kaswurm: Das ist schon eine sehr große Ehre für mich. Der Rolling Pin ist ja  international eines der größten Magazine und Onlineportale für die Gastronomie und Hotellerie. Insgesamt wurden 3000 Sommeliers getestet und ich wurde nicht nur zum "Held des Monats" gewählt, sondern war der beste des gesamten Jahres. 

Und das mit 26! Sind kamen aber erst auf dem zweiten Bildungsweg in die Gastronomie, richtig?
Genau. Nachdem ich meine Lehre als Maschinenbautechniker abgeschlossen hatte, war mir dieser Beruf zu langweilig. So habe ich beim Badwirt in Obernberg  gefragt, ob ich im Service arbeiten kann. Ich wurde genommen und habe hier vier Monate lang meine ersten Gastroerfahrungen gesammelt.

Wie gings dann weiter?

Anschließend bin ich auf Saison nach Zauchensee gegangen und habe sieben Jahre im Hotel Alpenrose gearbeitet. Den Chefs dort habe ich alles zu verdanken. Ich konnte die Lehre zum Restaurantfachmann absolvieren und habe in allen Bereichen Erfahrungen gesammelt. Weil meine Vorgesetzten so zufrieden mit mir waren, durfte ich in meinem vierten Arbeitsjahr mit der Ausbildung zum  Sommelier beginnen. Das war eine große Ehre und eine große Chance für mich, denn als Sommelier stehen einem alle Türen offen. Als in der Alpenrose dann der damalige Sommelier aufgehört hat, durfte ich diese Aufgabe übernehmen. In der Zwischensaison habe ich einmal auch in Ibiza als Sommelier gearbeitet. Der Besitzer eines Beachclubs hat mich angeschrieben und mich gefragt, ob ich ihm eine Wein- und Champagnerkarte zusammenstellen kann. Ich hatte Zeit, bin hingeflogen und habe drei Wochen dort gearbeitet.

Was macht einen guten Sommelier aus?

Natürlich braucht man viel Fachwissen und einen guten Geschmackssinn. Ich habe mir während der Ausbildung zum Beispiel daheim immer noch zwei Flaschen Wein aufgemacht, um meinen Geschmackszellen zu trainieren. Man muss sich auch bei den Speisen gut auskennen, da man ja zu jedem Gericht einen perfekt passenden Wein wissen muss. Und das muss nicht immer unbedingt ein teurer Wein sein. Es gibt super Weine, die fünf Euro kosten, und viel besser sind als sehr teure Weine. Ein Beispiel ist der Chardonnay "19 Crimes" aus Australien. Der kostet im Internet nur 5,80 Euro pro Flasche und schmeckt fantastisch. Darüber hinaus muss ein Sommelier die Weine auch gut vorstellen können. Geschichten über Besonderheiten zu den jeweiligen Weinen kommen immer gut an.  

Seit neun Monaten sind Sie nun im Sternerestaurant von Anthony Sarpong. Wie sind Sie dorthin gekommen?
Ich habe im Hotel Alpenrose meine heutige Freundin kennengelernt und bin zu ihre nach Düsseldorf gezogen. Vorerst ohne Job. Durch einen Bekannten habe ich von der freien Stelle in Anthony`s Kitchen erfahren und bekam den Job als Restaurantleiter und Sommelier. Anfangs wusste ich nicht recht, wie ich unseren Gästen begegnen soll. Meerbusch ist ja DER Nobelort in Deutschland schlechthin. Hier wohnen nur die ganz Reichen. Ich habe aber auf meine Freundin gehört und versucht, so natürlich wie möglich zu bleiben. Und das kommt gut an. Wir arbeiten auch in Jeans, sogar in zerrissenen, und Turnschuhen. Anthony legt keinen Wert auf Konventionen, was zählt ist das Persönliche. Er begrüßt alle Gäste mit Handschlag, unsere Köche bringen gemeinsam mit mir die Gerichte aus der Küche – das lieben die Gäste. Meine Aufgabe macht mir extrem viel Spaß.

Was ist genau Ihre Aufgabe?
Ich bin in unserem Sternerestaurant, welches übrigens nur über 30 Sitzplätze verfügt, für das Service zuständig und mache die Weinbegleitung für die fünf- oder sieben-Gänge-Menüs und den Weineinkauf. Ich kaufe alle drei Wochen überall auf der Welt Wein ein. Ich habe auch einige Weine aus Österreich in Anthony´  s Kitchen eingeführt, die sind jetzt der Renner.
Ein wichtiger Part sind auch unsere Kochkurse. Hier kläre ich mit unseren Gäste ab, was gekocht werden soll. Unser Erfolgsrezept heißt "New Dining":  Anthony zeigt den Gäste, wie man aus einfachen Gerichten Sterneküche machen kann. Des öfteren sind wir im Team auch für Showauftritte unterwegs. Anthony ist das Gesicht der Metro, welche diese Showauftritte sponsert. Wir waren schon in St. Petersburg,  in Berlin, in Istanbul und in Kiew. Und wir machen auch Caterings: aktuell für die Fashion Week in Berlin. Hier dürfen wir im Restaurant von Tim Raue kochen, ich bin für den Wein zuständig.

Beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit auch mit Wein?

Eher mit Champagner. Ich sammle alte Exemplare. Rund 20 Flaschen, die je mehr als 500 Euro wert sind, habe ich über willhaben, Flohmärkte oder Haushaltsauflösungen schon für wenig Geld ergattert.

Was wäre beruflich gesehen Ihr Traum?
Ein eigenes Lokal. Am liebsten eine kleine Weinbar mit gehobener Küche. 

Würden Sie jungen Menschen dazu raten, eine Ausbildung in der Gastronomie zu machen?
Auf jeden Fall. Viele schrecken die Arbeitszeiten an den Abenden und den Wochenenden ab. Wenn man sich engagiert, kann man die Karriereleiter in  der Gastronomie aber hochklettern wie in kaum einer anderen Branche. Ich rate allen, auf Saison zu gehen und sich einfach in einem Sternerestaurant zu bewerben. Hier kann man richtig gut verdienen.

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