"Österreich ist schöner, weil man hier lernen darf"

Beim gemeinsamen Ausflug in den Bergen.
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  • Beim gemeinsamen Ausflug in den Bergen.
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EBERSCHWANG. (ebe) Der erste Schultag ist ein aufregendes Erlebnis. Nervosität, Anspannung gemischt mit viel Neugierde. Dazu kommt bei Ezatollah Ezati und Rahmat Hossaini eine große Portion Dankbarkeit. Denn am 18. September durften der 23-jährige Rahmat und sein 22-jähriger Freund das erste Mal in die "Schule". "Heute ist der erste Tag Woche und der erste Tag, an dem ich in die Schule gehen kann. Ich danke dir tausend Mal, liebe Heide, dass du uns in der Schule angemeldet hast. Ich bin so froh heute."
Diese Nachricht schickte Rahmat an Heide Rossak, seine Mentorin. Seit September besuchen sie den Kurs Basisbildung am BFI in Ried. "Mit ganz viel Vorfreude waren wir Schulsachen einkaufen. Sogar eine 'Schultasche' hat sich jeder der beiden gekauft", freut sich Rossak mit.

Gegenseitiges Geben und Nehmen

Diese Nachricht schickte Rahmat an Heide Rossak, seine Mentorin. Seit September besuchen sie den Kurs Basisbildung am BFI in Ried. "Sogar eine 'Schultasche' hat sich jeder der beiden gekauft", freut sich Rossak mit. Sie ist sich sicher, dass ihr Aufeinandertreffen mit den jungen, aufgeschlossenen Männern kein Zufall, sondern Fügung war. Seit gut einem Jahr sind die beiden in Eberschwang. Und die Pädagogin und Mutter von drei Kindern lernt und liest mit ihnen und hilft mit, die Lebensgeschichte der beiden niederzuschreiben. "Es ist ein Prozess des Lernens und Aufarbeitens. Jeder von uns gibt und nimmt, wir profitieren voneinander und schöpfen Kraft."

Afghnistan: Schulbesuch ist verboten

Rahmat ist gebürtig aus Afghanistan. Er ist mit seiner Familie in den Iran geflohen und von dort dann alleine nach Österreich. Sein größter Wunsch: eine Schule zu besuchen. In Afghanistan ist der Schulbesuch durch die Taliban-Problematik nämlich verboten. In Österreich erfüllt sich Rahmats Traum endlich. "Seine Auffassungsgabe ist groß. Er spricht schon jetzt sehr gut Deutsch. Wird sogar als Dolmetscher im Krankenhaus oder bei Elternabenden eingesetzt. Durch seine aufgeschlossene Art gewinnt er die Herzen seiner Mitmenschen", erklärt seine Mentorin.

Ezatholla und Rahmat haben sich in Eberschwang kennengelernt. Sie haben beide afghanische Wurzeln und sind wie Brüder. Sie helfen sich gegenseitig, lernen gemeinsam Deutsch. Von Montag bis Freitag besuchen die zwei bis Dezember den Kurs. Dabei fahren sie mit dem Postbus täglich nach Ried. Und ihre Chancen stehen gut, im Anschluss den Pflichtschulabschluss dranzuhängen.

Eine ständige Angst

Das Bundesministerium will derzeit viele Afghanen zurückschicken. Ein gemeinsamer Termin bei der Rechtsberatung der Caritas soll ihnen helfen, Durchblick in der Rechtslage zu bekommen. Rahmat und Ezatullah, die in Eberschwang auch beim Turnverein aktiv sind, wissen noch nicht, ob sie in Österreich bleiben dürfen. "Die Angst tragen wir ständig mit uns. Aber wir sind hoffen gemeinsam", meint Rossak und erzählt. "Es sind beide sehr mit Gott verbunden. Er hat einmal gemeint 'Gott weiß schon, was er mit mir vor hat'."

Interaktive Lesung in Ried

In den letzten Wochen liest Rossak den beiden aus der autobiografischen Geschichte „Im Meer schwimmen Krokodile“ vor. Sie erzählt Fluchterfahrung eines minderjährigen afghanischen Jungen und wurde vom italienischen Autor Fabio Geda nieder geschrieben. „Der Junge im Buch hat die gleiche Abstammung wie Rahmat. Er findet sehr viele Parallelen zu sich selbst, auch zu seiner Mutter, die ihm ihre Werte mit auf den Weg gegeben hat: ein Ziel vor Augen haben und Gott zu vertrauen.“
Am 23. Oktober halten sie gemeinsam eine interaktive Lesung zu Fabio Gedas Weltbesteller im Bildungshaus St. Franziskus in Ried, die von Kristina Friedrich moderiert wird.

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