Patientenverfügung: Autonom bis zum Lebensende

Je mehr Informationen ein Patient in einer Verfügung angibt, desto besser können Ärzte auf seine Wünsche eingehen.
  • Je mehr Informationen ein Patient in einer Verfügung angibt, desto besser können Ärzte auf seine Wünsche eingehen.
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BEZIRK. (ebe) Die Planung der letzten Lebensphase wird von vielen vernachlässigt. Denn das Sterben ist ein Thema, mit dem sich der Mensch nicht gerne auseinandersetzt. Kaum fünf Prozent der Bevölkerung haben in Österreich eine Patientenverfügung. Diese regelt, welche medizinischen Maßnahmen in der letzten Lebensphase getroffen werden und welche unterlassen werden sollen. "Es geht dabei um Patientenautonomie und Selbstbestimmtheit des Menschen. Es wird bei vielen Menschen eine Phase im Leben kommen, in der sie nicht mehr in der Lage sind, den eigenen Willen zu äußern. Das kann einerseits durch die Unfähigkeit zu sprechen sein, oder weil er nicht mehr über die notwendigen geistigen Kapazitäten verfügt", so Christian Roden, Leiter der Palliativstation im Krankenhaus in Ried. Mit einer Verfügung können medizinische Maßnahmen abgelehnt, jedoch keine eingefordert werden.

Verbindlich oder beachtlich
Es gibt zwei Arten von Verfügungen. Die verbindliche und die beachtliche Patientenverfügung. "Grundlage für beide ist ein Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens", weiß Roden. Bei der verbindlichen Verfügung sind Arzt, Pflegeteam oder Angehörige daran gebunden. Sie ist zu respektieren, auch wenn sie damit nicht einverstanden sind. Das kann so weit gehen, dass eine lebenserhaltende Behandlung unterbleiben muss. Daher ist es unbedingt notwendig, strenge Anforderungen an solche Erklärungen vorzusehen. Die ärztliche Aufklärung muss vom Arzt bestätigt werden. Notar, Rechtsanwalt oder Patientenvertreter müssen die rechtlichen Auswirkungen klarstellen. Eine Patientenverfügung bleibt nur maximal fünf Jahre verbindlich. Das soll dazu beitragen, dass sich der Patient mit seiner Verfügung immer wieder auseinandersetzt, wenn er sie verlängern will. Diese zeitliche Beschränkung tritt aber nicht mehr ein, wenn der Patient mittlerweile seine Einsichts- und Urteilsfähigkeit verloren hat.
Die beachtliche Patientenverfügung hat sich laut Roden schon eher durchgesetzt. Das bedeutet, dass der Arzt und andere Beteiligte auf die Verfügung und den darin geäußerten Willen Bedacht nehmen müssen, daran aber nicht gebunden sind. Sie ist die häufigste Form der Willenskundgebung. Die meisten Menschen wollen nicht bis ins letzte Detail verbindlich festlegen, was mit ihnen geschieht, sondern dem Arzt einen gewissen Spielraum lassen. Die beachtliche Patientenverfügung ist eine Richtschnur für das Handeln des Arztes. "Wir sind verpflichtet, nach den mutmaßlichen Kriterien und Wünschen eines Patienten zu forschen. Je mehr Informationen dieser beispielsweise in einer Verfügung angibt, desto mehr kann ich auf seine Wünsche eingehen", so Roden.

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