Rossak: "Kinder brauchen keinen Perfektionismus"

Heidi Rossak mit ihrem Buch "Sinnvolles Spielzeug".
  • Heidi Rossak mit ihrem Buch "Sinnvolles Spielzeug".
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EBERSCHWANG. (ebe) Die Eberschwangerin Heidi Rossak hat ihr Buch mit dem Titel "Sinnvolles Spielzeug" neu aufgelegt. Es ist ein praktischer Ratgeber für Eltern und Erzieher während der ersten Lebensjahre des Kindes. Auslöser dafür war ein Vortrag, den Rossak in Wels hielt. Aus dem Skriptum, das sie für die Zuhörer erstellen wollte, wurde ein ganzes Buch. 2006 erschien es das erste Mal. 2017 überarbeitete und ergänzte die Pädagogin das Buch.

Sie schreiben in ihrem Buch: Spielen ist das Gegenteil von Funktionieren – was meinen Sie mit dieser Aussage?
Die Leistungsgesellschaft schaut dem Kind bereits in die Wiege. Selbst das Spiel wird heute funktionalisiert. Viele Spielsachen fallen in die Kategorie 'Konditionierungsmaschine'. Spielzeug, das zum Beispiel auf Knopfdruck Geräusche von sich gibt, kann lediglich bedient werden. Dadurch verkümmert die Fähigkeit, sich selbstständig zu beschäftigen. Dabei bietet gerade das zweckfreie, absichtslose Spiel die größte Möglichkeit, zu lernen und kreativ zu sein. Dafür brauchen Kinder Zeit und genügend Spielraum.

Was ist der richtige Weg?
Kinder müssen Dinge "be-greifen". Es geht um haptische Erfahrungen, darum Dinge mit allen Sinnen zu erleben. Jeder Mensch hat viele Potentiale. Wenn er diese entfalten kann, ist er glücklich. Bei Kindern ist es genau das Gleiche. Als Eltern müssen wir ihnen das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten schenken, ohne sie ständig belehren zu wollen.

Was ist im freien Spiel anders?
Sich frei zu spielen, heißt Freiräume im Gehirn zu schaffen. Möglichkeiten entdecken, Zusammenhänge erkennen, Dinge zu begreifen und Erfahrungen zu sammeln. Ein Beispiel: Wenn ein Baby mit einem kleinen Holzreifen herumhantiert, übt es von ganz allein jede Menge Fähigkeiten, ohne dass es Eltern motivieren müssen. Es beißt hinein, es wirft ihn zu Boden, beobachtet, wie er rollt. Es entdeckt Naturgesetze wie die Schwerkraft. Dabei verändert es seine Körperposition, nimmt den Raum wahr und entwickelt ein Körpergefühl. Vor dem Fernseher passiert das alles nicht. Und: Kinder sind zufriedener, wenn sie selber etwas tun können.

Brauchen Kinder nicht Herausforderungen, an denen sie wachsen können?
Die brauchen sie sehr wohl, und sie suchen sich diese auch selbst, sofern sie genügend Freiraum dafür haben. Kinder legen sich im Spiel die Latte selbst auf die Höhe einer "mittleren Herausforderung". Ein kleiner Nervenkitzel muss dabei sein, es zu schaffen oder eben nicht. Im freien Spiel wird sich ein Kind normalerweise weder unter- noch überfordern. Sie spüren selbst sehr gut, wie viel es braucht, um sich gesund weiterzuentwickeln.

Was braucht ein Kind, um sich gesund zu entwickeln?
Kinder kommen mit zwei grundlegenden Bedürfnissen zur Welt: Sie wollen einerseits über sich hinauswachsen. Und sie wollen verbunden sein. Meiner Meinung nach ist das Verbundensein noch eine Spur wichtiger. Nur mit einer guten Bindung kann sich ein Kind gut entwickeln. Dazu tragen ganz einfache Situationen bei. Beispiel: Schauen Sie Ihrem Kind beim Spiel zu, ohne dabei etwas zu erwarten. Ohne Handy in der Hand. Das sind Momente, die das Miteinander stärken und die gut tun. Dabei werden Sie feststellen, dass sich Kinder sehr viele Fähigkeiten von ganz alleine aneignen.

Welche Rolle spielt die Bewegung?
Spiel und Bewegung gehören zusammen. Im MaxiCosi, im Kinderwagen oder im Autositz ist nur wenig Bewegungsfreiheit – Kinder die viel unterwegs sind brauchen umso mehr Gelegeneheiten ihr Bewegungsbedürfnis auszuleben. Ebenso grundlegend ist Kreativität. Egal ob im Blumenbeet, dem Bachbett oder im eigenen Wohnzimmer – Kreativität kann überall ausgelebt werden – wenn die Regeln nicht zu eng gesetzt sind. Nur dann können Kinder sich selbst ausdrücken.

Was raten Sie den Eltern?
Es gibt keine perfekten Menschen, darum brauchen auch Eltern diesen Anspruch nicht an sich selbst stellen. Fehler gehören dazu und dürfen gemacht werden. Denn an ihnen können Eltern und Kinder weiterwachsen. Dazu ein kritischer Blick in die eigenen Spielzeugkisten und sehr viel Achtsamkeit im Umgang mit den Kindern.

Das Buch ist bei der Autorin persönlich und in Ried bei der Buchhandlung Dim und beim Bücherwurm erhältlich. Preis: 24,90 Euro
Mehr auf www.spielendsein-rossak.at

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