Von Bettelfenstern und Pfannenflickern

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Geschichteunterricht der besonderen Art erlebte die 4 BIE der HBLW Ried bei einer Exkursion ins Handwerksmuseum Laufenbach in Taufkirchen an der Pram. Der Großvater einer Schülerin, Herr Alois Auinger sen., hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Geschichte des Handwerks seines Heimatortes zu veranschaulichen. Herr Auinger hat unvorstellbar viel Mühe, Zeit und auch finanzielle Mittel in den Aufbau dieses beeindruckenden Freilichtmuseums investiert.

So rettete er Jahrhunderte alte Holzhäuser, die mittels Spezialkränen in das Museumsgelände versetzt wurden, vor dem Abriss. Die Häuser wurden restauriert und mit den typischen Utensilien der ehemals ansässigen Handwerksbetriebe ausgestattet, die Auinger in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit sammelte. Entstanden ist ein faszinierendes Handwerksmuseum auf ca. 3500 m2, das einen sehr umfassenden Einblick in Leben und Handwerk im 20. Jahrhundert bietet. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde etwa eine Krämerei, eine Schneiderei, eine Tischlerei und eine Seilerei eingerichtet, aber auch das Arbeitsumfeld des Schusters, des Bäckers, des Wirts, des Metzgers und vieler anderer Berufe werden gezeigt.

Besonders betonte Auinger die Nachhaltigkeit des damaligen Lebens im Dorf. Alles wurde möglichst lange wiederverwendet und es viel kaum Müll an. Der Pfannenflicker etwa erneuerte Böden von kaputten Pfannen und Töpfen mit einem neuen Blech, auf löchrige Schuhsohlen wurden mehr als einmal Lederreste genäht. Und die Margarine kaufte man beim Krämer aus einem großen Margarinefass. Maggiessenz ließ man in leere Maggiflascherl nachfüllen.

Umrahmt hat Herr Auinger seine Führung und sein umfassendes Wissen durch kleine Anekdoten und Geschichten, und bei seinem Zitherspiel in der Stube konnte man in die Atmosphäre längst vergangener Zeiten eintauchen.

Vor allem das gemeinschaftliche Leben und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ort hob Auinger hervor. So trafen sich etwa die Frauen am Vormittag in der Krämerei zu einer „Ratscherei“, den Sonntagnachmittag verbrachte die Dorfjugend bei Tanz und Spiel am Bauernhof und Höhepunkte des Dorflebens waren natürlich die Hochzeiten, bei denen selbstverständlich der ganze Ort ausgiebig mitfeierte. Kinder waren den ganzen Sommer immer im Dorf unterwegs – immer dort, wo es Interessantes zu erleben gab – und wurden auch einmal von den Bauern mitverköstigt.

Auch auf die soziale Verantwortung der Dorfbewohner weist Auinger besonders hin. So gab es in jedem Haus ein kleines Bettelfenster, durch das den „Fechtern“ ein Stück Brot oder eventuell auch einmal ein Krapfen gereicht wurde. Nach 1945 nahm das kleine Dorf 200 Flüchtlinge auf, manche Häuser brachten bis zu 17 Heimatvertriebene in leerstehenden Kammern unter.

„Der Museumsbesuch war eine sehr interessante Reise in die Vergangenheit und das oft mühevolle Leben unserer Vorfahren wurde für uns wirklich greifbar. Herr Auinger hat uns mit viel Engagement und Begeisterung sein Lebenswerk vorgestellt, sein Wissen und sein Erfahrungsschatz sind sehr beeindruckend“, so bringt eine teilnehmende Schülerin ihre Eindrücke auf den Punkt.

Autor:

Maria Planitzer aus Ried

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