MOKI Ried
Zwielehner: "MOKI ist die Königsdisziplin der Kinderkrankenpflege"

Petra Zwielehner mit einem kleinen Patienten.
  • Petra Zwielehner mit einem kleinen Patienten.
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BEZIRK RIED (schi). Petra Zwielehner ist diplomierte Kinderkrankenschwester beim Verein MOKI Ried und arbeitet zusätzlich in der Kinderambulanz des Krankenhauses Ried. 

BezirksRundschau: Wie lange arbeiten Sie schon bei MOKI und was haben Sie vorher gemacht?
Zwielehner:
Ich hab vorher fünf Jahre auf der interdisziplinären Kinderintensivstation in Linz gearbeitet. Dort hatten wir Patienten von null bis 18 Jahren mit verschiedensten Krankheitsbildern, vor allem viele Herzoperierte. 2009 kam ich nach Ried und bewarb mich bei der Kinderambulanz im Krankenhaus. Dort haben sie mich auch gleich genommen. Dort arbeite ich von acht bis 13 Uhr. Bei MOKI ging damals die Rieder Schwester in Karenz und da habe ich mich beworben. Mittlerweile bin ich nun drei Jahre als mobile Kinderkrankenschwester unterwegs und ich finde es super. Anfangs hatte ich großen Respekt vor der Aufgabe, aber meine Kollegin nahm mich zu ihren Hausbesuchen mit und ich fand mich relativ schnell zurecht.

Wie lange gibt es MOKI schon?
Zwielehner:
Die mobile Kinderkrankenpflege gibt es nun schon seit neun Jahren. Meine Chefin, Judith Kopp, ist eine Mitgründerin des Vereins. Obwohl wir jährlich ein Budget vom Land OÖ bekommen, sind wir sehr auf Spenden angewiesen. Das Budget vom Land ist nämlich seit zehn Jahren immer gleich hoch, die Patienten werden aber immer mehr. So wird es Jahr für Jahr knapper. 2018 mussten wir sogar Betreuungsstunden bei der Entlastungspflege reduzieren, um alle Patienten besuchen zu können. Daher sind wir froh, dass wir so tolle Sponsoren haben. Sonst müssten wir künftig Patienten ablehnen – was bisher Gott sei Dank noch nicht der Fall war. Ich habe bei meiner Arbeit immer im Hinterkopf: Wenn ich mehr Stunden bei diesem Patienten verbringe, hat sie ein anderer nicht. Das ist schon sehr belastend, wenn man mit den Stunden so haushalten muss.

Wie viele mobile Kinderkrankenschwestern gibt es in Ried?
Zwielehner:
In Ried bin ich die Einzige. Manchmal übernehme ich auch Patienten aus dem Randbereich Grieskirchen oder Vöcklabruck. Meine nächsten Kolleginnen sind in Braunau und Schärding. Insgesamt sind für MOKI 24 Kinderkrankenschwestern in ganz OÖ im Einsatz. Vergangenes Jahr haben wir 326 Kinder betreut.

Wie viele Kinder betreuen Sie derzeit?
Zwielehner:
Das ist eine schwierige Frage. Es ist ein ständiges kommen und gehen. Eine Familie betreue ich schon seit drei Jahren. Das Kind ist stark beeinträchtigt und ich übernehme die Entlastungspflege. In den paar Stunden wo ich da bin, kann die Mutter bzw. die Eltern eine Pause machen oder einkaufen gehen. Sie sind dann sehr dankbar, wenn ich da bin. Selten besuche ich zwei Patienten am Tag, weil ich nie weiß, wie lange ich brauche. Oft wollen die Mütter reden und ich sehe es auch als meine Aufgabe, ihnen zu zu hören. 

Was sind Ihre Aufgaben bei MOKI?
Zwielehner:
Hauptsächlich mache ich sehr viel Organisatorisches. Telefonieren, beraten und für alle da sein. MOKI ist nicht mit anderen Einrichtungen vergleichbar. 
Ich betreue zu früh oder krank geborene Kinder und solche, die chronisch Krank oder beeinträchtigt sind. Auch Kinder, die nach einer Operation auf Heimpflege angewiesen sind besuche ich. Dann gibt es noch welche, die zu Hause beatmet werden müssen. Die brauchen eine sehr intensive Betreuung. Für diese Patienten bilden wir extra Teams und wechseln uns ab, damit immer jemand da ist. Am schwierigsten finde ich es Kinder zu betreuen, die zum Sterben nach Hause geschickt werden. Dort kann man eigentlich nur unterstützend da sein – vor allem für die Eltern. Bei solchen Fällen hängen immer sehr viele Emotionen mit dran. Ich versuche immer das positive daran zu sehen, dass ich es für die Eltern und das Kind so angenehm wie möglich machen konnte. Oft rufen mich Eltern auch noch nach der Behandlung an, wenn etwas ist. Das freut mich, denn es ist ein großer Vertrauensbeweis.

Wenn Sie allein für den Bezirk Ried zuständig sind, haben Sie eine große Verantwortung zu tragen.
Zwielehner:
Auf jeden Fall. Wir sind bei MOKI zwar ein Team, aber beim Patienten bin ich allein. Ein Einzelkämpfer so zu sagen. Die Arbeit bei MOKI ist wirklich die Königsdisziplin. Ich muss im Notfall sofort handeln und habe keinen Arzt in der Nähe, der mir helfen kann, wie in der Kinderambulanz. Sicher kann ich einen anrufen und er kommt dann. Aber bis er da ist muss ich alles alleine schaffen. Darum finde ich es toll, dass ich bei MOKI die Chance habe, meine Patienten richtig kennen zu lernen. In der Kinderambulanz ist man hauptsächlich mit der Organisation beschäftigt und übt fast keine pflegerischen Tätigkeiten mehr aus. Bei den Patienten zu Hause habe ich mehrere Stunden Zeit mich mit ihnen zu beschäftigen und das ist wundervoll.

Was ist das Herausforderndste in Ihrem Job, was das Schönste?
Zwielehner:
 Es gibt einige Sachen die sehr herausfordernd sind. Zum Beispiel, muss man sich in jede Familie individuell einfügen können und auf die Leute eingehen. Bei aufwendigeren Patienten ist es oft schwierig alle Maschinen und Geräte zu organisieren. Oft bekommen die Eltern von den Ärzten eine Liste mit Gerätschaften, die sie besorgen müssen, obwohl es die meisten für den privaten gebrauch gar nicht zu kaufen gibt. Da weiß man oft nicht, was man tun soll. Am schlimmsten ist es allerdings, wenn man sehr lange in einer Familie ist und das Kind schlussendlich verstirbt. Das tut einem selbst sehr weh. Einmal ist ein Kind das ich betreute sehr unerwartet und plötzlich verstorben. Da muss man dann einen Weg finden, wie man es verarbeitet. Ich musste ja schließlich für die Eltern da sein. Aber die Traurigkeit lässt sich halt nicht so leicht abschalten. Aber wie gesagt, denke ich danach immer an das Positive, was ich mit der Familie erlebt und wie ich ihnen geholfen haben.
Die schönsten Momente sind die, wenn man einen Patienten abschließt. Wenn man weiß, die Familie kommt nun allein zurecht. Es ist immer ein gutes Gefühl zu wissen, dass man geholfen hat und sie guten Gewissens alleine lassen kann. Dann weiß ich, dass die Qualität der eigenen Arbeit gepasst hat.

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