Christian Süß: "Skifahren muss man als ÖSV-Teamarzt schon können"

Christian Süß ist Teamarzt beim ÖSV.
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Seit 2015 sind sie im Ärzteteam des ÖSV. Wie kommt man zu diesem Job?
Im Zuge meiner unfallchirurgischen Ausbildung in der Praxis Gelenkpunkt in Innsbruck bei Christian Fink und Christian Hoser hab ich das Angebot bekommen, einen Europacup Einsatz in Hinterstoder als Teamarzt zu begleiten. Diese zwei Oberösterreicher, welche Athleten wie Svindal oder Neureuther operierten, haben mir diese Chance ermöglicht. Ich bin ihnen dafür dankbar, da ich seither fix im Team bin.

Sie sind also nicht nur bei Rennen sondern auch im Training dabei?
Genau. Rund 70 Einsätze gibt es im Jahr, bei Damen und Herren im Weltcup und Europacup. Im Mai wird der Einsatzplan für die kommende Saison besprochen. Ich konzentriere mich auf die Herrendisziplinen. 2016/17 war ich im Europacup dabei. Heuer bin ich in den Worldcup gewechselt.

Wieviele Ärzte sind da im Einsatz?
Immer ein Arzt. Dieser muss Allgemeinmediziner, Sportmediziner und Notarzt sein. Er betreut im Europacup zwischen 10 und 20 Athleten, im Worldcup weniger. Aber als Teamarzt bin ich nicht nur für Verletzungen zuständig, sondern auch für Halskratzen, Kopfweh oder andere Wehwehchen – vom Servicemann bis zum Trainer.

Hatten Sie schwere Unfälle?
Beim Europacup-Rennen in Kitzbühel hatten wir einen Sturz mit Gehirnerschütterung. Beim Damen-EC-Finale bin ich für meinen Kollegen aus Kirchdorf eingesprungen. Michaela Haider hat sich beim Zielsprung das Kreuzband gerissen. Auch Hannes Trinkls Sohn habe ich nach einem Sturz schon behandelt. Heikler als die Rennen sind aber die Trainings. Die Skiläufer fahren mit 120 km/h über sehr wenig gesicherte Pisten runter.

Sie nehmen sich Urlaub, um für den ÖSV zu arbeiten?
So ist es. Reich werden kann ich damit nicht (lacht). Ich sehe es als Hobby. Oder Liebhaberei. Als leidenschaftlicher Skifahrer war es immer ein Traum, im ÖSV-Powerteam zu arbeiten. Das Spannende sind die Insider-Infos, die du im Tross mitbekommst. Du tauschst dich mit Physios, Masseuren und Sportwissenschaftern aus. Ich bin zum Beispiel 14 Stunden mit Hirschers Therapeut Josef Percht-Yurlov im Auto gesessen. So erweitere ich meinen sportmedizinischen Horizont, baue mein Netzwerk aus und darf interessante Menschen kennenlernen.

Haben Sie auch zu den Skistars persönlichen Kontakt?
Natürlich. Als Teamarzt ist man voll integriert und in allen Themen miteingebunden. Das ist der Teamspirit im ÖSV. Ich bin bei Trainings oder Rennen am Start, gebe per Funk Infos weiter und bin im Notfall auf der gesamten Strecke verfügbar. Mit Marcel Hirscher habe ich mich auch persönlich schon unterhalten. Allerdings nicht über das Skifahren, sondern über die Motocross-Strecke in Mehrnbach. Marcel ist ja Mitglied im HSV Ried und war gemeinsam mit Mathias Walkner schon Gast auf der Strecke.

Wie bereiten Sie sich auf einen Einsatz vor?
Zuerst muss ich mich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen. Wo gibt es eine Apotheke, Ordinationen mit Röntgen, Krankenhäuser. Dann kläre ich ab, wo wir die Sportler hinfliegen können, welche Unfallchirurgen einsatzbereit sind. In den deutschsprachigen Ländern ist die Rettungskette vergleichsweise gut organisiert. Nach dem 'Doctor's Meeting' am Renntag mit den Ärzten der großen Skinationen starte ich auf die Piste, schaue mir die Strecke und die Schlüsselstellen an. Mit dem Notfallrucksack am Rücken bin ich dann beim Starthaus und verfolge das Rennen per Funk.

Ihr persönlicher Höhepunkt als Teamarzt?
Da gibt es viele. Bei der Europacup Abfahrt in Kitzbühel durften wir am Montag vor dem Worldcuprennen auf die präparierte Streif. Ich hab jeden Tag neue Kanten vom Servicemann gebraucht (lacht). Da einmal runterzufahren ist ein besonderes Gefühl. Mit Hans Knauss habe ich die Strecke besichtigt. Im Zielraum von Kitzbühel durfte ich Hansi Hinterseer kennenlernen. In Adelboden habe ich Thomas Sikora begleitet. Auch ein Highlight war ein Treffen mit einem Experten der Steadman Clinic in Colorado. Die Klinik ist Vorreiter in Knieoperationen. Der Austausch mit solchen Kollegen ist ein Gewinn.

Wo sind Sie nächstes Jahr am Start?
Das weiß ich noch nicht. Heuer war es schwierig, weil ich mit meiner Hausarztpraxis in Riegerting/Mehrnbach gestartet bin. Nächstes Jahr möchte ich wieder etwas öfter dabei sein. Das Zeitmanagement ist das größte Problem.

Mit welchen Skirennläufer haben Sie ein besonderes Verhältnis?
Im Europacup war es zu allen Läufern sehr gut. Es war immer die gleiche Gruppe, und je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto enger die Beziehung. Da waren Skifahrer dabei, die jetzt in den Worldcup einsteigen, wie Frederic Bertold oder Johannes Gröll. Sie kämpfen sich derzeit nach oben. Gelegentlich kommen auch Skifahrer in meine Praxis, wenn sie in der Nähe sind, wie zum Beispiel Hannes Buchner. Als das Europacup-Trainingslager in Geinberg war, hab ich einen Anruf vom Trainer bekommen, ob sie mir jemanden vorbeischicken dürfen, der sich verletzt hat. Dieses Netzwerk ist ein Gewinn für mich.

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