Lehrmädchen bei tilo
Mädelspower in technischen Lehrberufen

Vier Kollegen in der Holzfertigung bei tilo: Die drei Lehrlinge Katrin Böhmer (von li.), Serife Caybasi und Sven Borza mit Johann Penninger (2. von links)
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  • Vier Kollegen in der Holzfertigung bei tilo: Die drei Lehrlinge Katrin Böhmer (von li.), Serife Caybasi und Sven Borza mit Johann Penninger (2. von links)
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Langsam aber sicher fruchtet er, der Aufruf der heimischen Wirtschaftsinstitutionen: "Mädchen in die Technik!". Beim Bodenproduktionsbetrieb tilo in Lohnsburg etwa sind fast die Hälfte der Lehrlinge Mädchen. Die BezirksRundschau hat genauer nachgefragt. 

LOHNSBURG, METTMACH. Für das hohe Engagement in der Lehrlingsausbildung wurde tilo bereits mehrfach als vorbildlicher Lehrbetrieb mit dem ineo-Award der WKO Oberösterreich ausgezeichnet. Drei Lehrberufe können bei der Firma tilo, die sich auf die Produktion hochwertiger Böden spezialisiert hat, gelernt werden: Holztechniker, Elektrotechniker und Metalltechniker. Und für diese technischen Berufe setzt tilo seit längerem nicht mehr nur auf männlichen Nachwuchs. Derzeit absolvieren zwölf Jugendliche eine Lehre bei tilo. Fünf davon sind Mädchen.

So etwa Serife Caybasi und Katrin Böhmer aus der Gemeinde Mettmach. Beide sind 17 Jahre alt und lernen den Beruf Holztechnikerin beim Betrieb in Lohnsburg. "In der Schule interessierte uns das technische Werken sehr", beschreiben die beiden. "Uns gefiel sehr, aus Holz Sachen zu bauen, als auch die Sachen selbst zu entwerfen." Der Beruf sei abwechslungsreich und man lerne immer etwas Neues dazu, ergänzt Serife Caybasi. Katrin Böhmer gefällt vor allem das Arbeiten mit den Maschinen und dass sie lernt, diese zu bedienen. Pluspunkte für sie sind außerdem: "Ab dem 18. Lebensjahr kann man Schicht arbeiten und in der Berufsschule kann man den Staplerschein machen." 

"Mädchen haben mehr Feingefühl und Geduld"

Aber warum setzen Arbeitgeber nun verstärkt auf Mädchen in technischen Berufen? Bringen sie Eigenschaften mit, die Burschen vielleicht fehlen? Dazu tilo-Lehrlingsausbildner Johann Ametsreiter: "Mädchen haben oft mehr Feingefühl und einen besseren Blick fürs Detail. Auch Geduld und Ausdauer sind bei Mädchen oft mehr ausgeprägt als bei Burschen."

Seit Jahren bemüht sich das Frauenreferat des Landes Oberösterreich, Mädchen für Technik zu begeistern. Ein Grund dafür ist, dass in diesen Branchen die Verdienstmöglichkeiten besser sind. Zum anderen könne damit dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Eine Studie aus dem Vorjahr zeigt einen deutlichen Anstieg von Mädchen in technischen Lehrberufen. Im Beobachtungszeitraum von 1980 bis 2019 konnte etwa in den Bereichen Maschinen, Fahrzeuge und Metall ein Zuwachs von elf auf 515 weibliche Lehrlinge verzeichnet werden. Auch in den Bereichen Chemie und Kunststoff gab es eine Steigerung von 29 auf 166 Lehr-Mädchen. Seit dem Jahr 2015 ist im Bereich Elektrotechnik und Elektronik wieder ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 
Im Jahr 2019 zählte man bei den technischen Lehrberufsgruppen 8.908 Lehrlinge,
776 davon waren weibliche Lehrlinge, das sind 8,7 Prozent.

Das Frauenreferat mit Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander an der Spitze, unterstützt verschiedene Technikinitiativen im Land, beispielsweise das HTL Mentoring für Mädchen, den Girls Day – mehr dazu unten – sowie das Programm FIT Mädchen in die Technik. "Diese Initiativen sind Erfolgsprogramme, die unter anderem dazu beitragen, dass mehr Mädchen in Oberösterreich in die Technik gehen", sagt Haberlander bei der Präsentation der Studie 2020. "Die Zahlen beweisen, dass uns das auch gelingt, denn in beinahe allen technischen Berufen zeigt sich ein Anstieg bei den weiblichen Lehrlingen." 

Girls Day 2021 online

Der Girls' Day ist ein internationaler Aktionstag, der 2020 sein 20-Jahr-Jubiläum gefeiert hat. Schülerinnen verbringen üblicherweise diesen Tag in einem handwerklichen, technischen oder naturwissenschaftlichen Betrieb. Dabei können sie ihre Fähigkeiten erforschen, Berufe kennen lernen und wichtige Kontakte knüpfen. Corona-bedingt findet der Girls Day heuer 2021 anders statt – und zwar online.

Wie Beate Zechmeister, Leiterin des Frauenreferates des Landes Oberösterreich, mitteilt, werden die teilnehmenden Firmen Videos zur Berufsorientierung für Mädchen auf der Girls Day Homepage veröffentlichen. Aber nicht nur das: Mit der "Girls Day Challenge" können die Schülerinnen auch selbst aktiv werden. Und zwar indem sie Videos oder Dokumentationen zum Thema einreichen. Der Kreativität ist dabei keine Grenze gesetzt. Zechmeister nennt als Beispiel etwa ein Video über das Durchführen von Experimenten. Außerdem erhalten die Mädchen über einen Zeitraum von vier Monaten verschiedene Aufgabenstellungen, mit denen sie sich mit dem Thema "Mädchen in die Technik" intensiv auseinandersetzen können. 

Alle notwendigen Informationen werden ab Februar 2021, mit Beginn der Anmeldung der Mädchen, auf der Homepage www.girlsday-ooe.at veröffentlicht.

Vier Kollegen in der Holzfertigung bei tilo: Die drei Lehrlinge Katrin Böhmer (von li.), Serife Caybasi und Sven Borza mit Johann Penninger (2. von links)
Serife Caybasi und Sven Borza

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