08.01.2018, 08:18 Uhr

Kinofilm "Die dritte Option" geht unter die Haut

Wann? 16.01.2018 19:30 Uhr

Wo? Starmovie, 4910 Tumeltsham AT
Für Familie Wagneder hat sich das Leben durch Ben verändert – positiv verändert. (Foto: Wagneder)
Tumeltsham: Starmovie |

Der Grünstreifen "Die dritte Option" ist für Isabella Wagneder aus Taiskirchen ein Pflichttermin im Kino in Ried.

RIED, TAISKIRCHEN. (ebe) Der österreichische Regisseur Thomas Fürhapter hat einen Film produziert, der schwierige Fragen aufwirft: Was würde ich tun, wenn ich wüsste, dass mein Kind mit einer Krankheit oder Behinderung auf die Welt kommt? Diagnosen vor der Geburt sind möglich. Und genau sie sind der Grund, warum sehr viele Frauen abtreiben. "Nach der Geburt gibt es nur zwei Optionen zu lindern oder zu helfen. Vor der Geburt haben wir noch eine dritte Option: Die Option zu töten." Dieser Satz stammt aus dem Trailer des Films. Isabella Wagneder aus Taiskirchen kennt eine Familie, die in diesem Film mitspielt. Der Grund dafür: Sowohl Familie Wagneder als auch die Mitwirkenden haben ein Kind mit Trisomie 21, besser bekannt als Down Syndrom. Ben ist 2015 auf die Welt gekommen. "Das Organscreening haben wir machen lassen. Alle weiteren Untersuchungen spielten für uns keine Rolle. Wir haben uns entschieden, unsere Kinder so anzunehmen, wie sie uns geschenkt werden", betont die zweifache Mama. Sophie ist mittlerweile vier Jahre alt.

Großteil treibt nach Untersuchung ab

Mit ihrer Einstellung ist Familie Wagneder eine Seltenheit. Die Quote bei Diagnose Trisomie 21 ist relativ hoch. "Ben war in Ried das erste Baby seit mehreren Jahren, das mit Trisomie 21 zur Welt gekommen ist. Das ist auch im Krankenhaus eine Ausnahmesituation. Gerade in den ersten Wochen war es eine Herausforderung, sich Informationen einzuholen." Fakten und Statistiken haben die Wagneders jede Menge erfahren. Normal oder nicht normal. Krank oder gesund – diese Vergleiche kann die junge Mutter nicht mehr hören. "Jeder spricht nur von Zahlen und Normen. Aber es sagt dir kein Mensch, wie schön es tatsächlich ist. Jedes Kind hat seine Eigenheiten. Meine Kinder haben auch ihre Eigenheiten. Jedes auf seine Art. Und das ist gut so."

Diagnose: Trisomie 21

Egal welche Diagnose. Ein Schock ist es immer. "Du startest gleich nach der Geburt einen Untersuchungsmarathon. Und du musst dich rechtfertigen, dass dein Kind nicht 'in der Norm' ist. Aber: Wir haben nie daran gezweifelt, es nicht schaffen zu können. Ben hat unseren Alltag positiv verändert. Im Leben zählen plötzlich andere Werte. Wir schätzen die kleinen Dinge. Sind stolz auf jeden Entwicklungsschritt – bei beiden Kindern." Wagneder rät allen Familien, die ein Kind mit besonderen Befürfnissen erwarten: "Trefft euch mit Familien, die Erfahrung damit haben. Sie wissen, wo, wie und wer helfen kann. Auch ich stehe gerne zur Verfügung, wenn jemand Fragen hat." Die Wagneders sind im Familiennetzwerk Down Syndrom integriert, wo Familien aufeinandertreffen und Erfahrungen austauschen. Auch Spielgruppen für Kinder mit Trisomie 21 gibt es. Heute ist es für Familie Wagneder Alltag, mit Gebärden zu kommunizieren. Auch die große Schwester Sophie lernt die Gebärden mit ihrem Bruder mit. "Dem eigenen Kind etwas zutrauen – ob mit oder ohne Beeinträchtigung und der offene Umgang mit der Tatsache, dass dein Kind besonders ist. Das ist eine Grundhaltung, die zählt. wwww.familiennetzwerk-down-syndrom.at

Der Film "Die dritte Option" spielt mit den Grenzen des Machbaren, die in vielen Bereichen überschritten werden. Der Regisseur beleuchtet die Gewissenskonflikte rund um die Vorgeburtsdiagnostik schonungslos, aber ohne Zeigefinger. Einfache Antworten gibt es nicht.
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