19.10.2017, 13:32 Uhr

"Man versteht unseren Schmäh nicht immer"

Der gebürtige Prameter Josef Zweimüller bereut seine Entscheidung, in die Schweiz auszuwandern, keine Minute. (Foto: Josef Zweimüller)
Seit 20 Jahren lebt Josef Zweimüller in Zürich. Er erzählt über Kultur und österreichischen Schmäh.

ZÜRICH, PRAMET (tazo). Zudem spricht Zweimüller über Karriere, österreichische Wirtshauskultur und über die Schwierigkeit als Österreicher in der Schweiz Fuß zu fassen.

Herr Zweimüller, Sie sind seit 20 Jahren in Zürich, wie kam es überhaupt dazu?
Zweimüller: Nach meinem Studienabschluss ging ich für zwei Jahre als PostDoc in die USA, nach Berkeley und Stanford. Das war eine faszinierende Zeit und hat mich sehr beeinflusst. Anschließend habe ich mich auf Professuren im deutschsprachigen Raum beworben. Ich hatte Glück und habe Angebote von der Uni Zürich und der Humboldt Uni Berlin bekommen. Meine Entscheidung fiel auf Zürich.

Was zeichnet diese Uni aus?
Die Uni Zürich ist eine renommierte Universität und das Institut für VWL gehört zu den besten in Europa. Im deutschsprachigen Raum sind wir im Ranking auf Rang eins. Ende der 1990er Jahre gingen hier eine ganze Reihe ältere Volkswirtschafts-Kollegen innerhalb weniger Jahre in Pension. In dieser Zeit hat man sich für Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland geöffnet — und so bin ich zum Zug gekommen. Ich bin heute einer der beiden Dienstältesten Professoren am Institut.

Hatten Sie insgeheim schon immer ein wenig Fernweh?
Zum einen war ich neugierig. Aber es war mir klar, dass eine akademische Karriere bedeutet, dass man mobil sein muss. Ich hätte ursprünglich überhaupt nicht erwartet in der Schweiz zu landen. Natürlich denkt man, das wird nur eine vorübergehende Zeit sein und ich werde bald wieder in Österreich sein. Es kommt halt sehr oft anders, als man denkt.

Wie war für Sie der Start in der neuen Heimat?
Ehrlich gesagt nicht ganz einfach. Ich war einer von sehr wenigen Ausländern und wurde zunächst von manchen Kollegen etwas skeptisch betrachtet. Ich habe mich dann aber rasch zurecht gefunden und wurde vom Institut auch sehr gut unterstützt. Am meisten Befriedigung und Freude hat mir von Anfang an die Zusammenarbeit mit meinen Doktoranden gemacht.

Was unterscheidet die Schweizer Ihrer Meinung nach am meisten von den Österreichern?
Ich denke, die Schweizer sind zurückhaltender, ernster, aber auch verbindlicher als ich das von Österreich her gekannt habe. Manche empfinden auch, dass es schwierig ist, als Ausländer in der Schweiz Fuß zu fassen. Ich selber habe wenig Probleme gehabt, da ich durch die Arbeit sehr rasch integriert war und viele Leute kennengelernt habe. Ich fühle mich mittlerweile in der Schweiz sehr wohl.

Was fehlt Ihnen am meisten?
Vielleicht die Gemütlichkeit. Die Schweizer haben eine andere Art von Humor und verstehen den österreichischen Schmäh nicht immer. Zürich ist eine sehr schöne Stadt, mit viele alten Gebäuden, viel Kulturangebot, noblen Restaurants und schicken Bars. Aber gemütliche Wirtshäuser, wie in Österreich, gibt es — jedenfalls in Zürich — nicht so viele. Mir fehlen auch meine Freunde. Zu Weihnachten oder im Sommer verbringen wir meist einige Zeit in Österreich. Auch zwischendurch komme ich auch immer nach Pramet um meine Eltern zu besuchen.

Haben Sie vor, den Lebensmittelpunkt wieder einmal in die Heimat zu verlegen?
Bis auf weiteres bleiben wir in der Schweiz. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir wieder nach Österreich zurückzukommen. Meine Partnerin ist ebenfalls Österreicherin. Wir lassen uns überraschen, wo wir in 10 Jahren sein werden.
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