27.06.2017, 10:40 Uhr

Boom: Die Jagd wird weiblich

Immer mehr Frauen und junge Leute im Bezirk absolvieren die Jagdprüfung.

BEZIRK (kw). Kristina Schwarzmayr nimmt Waffe, Patronen, Messer und Fernglas und setzt ihren grünen Filzhut auf. Sie steigt in den Jeep und fährt Richtung Kobelholz, ein Waldstück in der Gemeinde St. Georgen. Dort hat ihr Vater ein eigenes Jagdrevier. Sie parkt das Fahrzeug, spaziert in den Wald und klettert auf den Hochstand. Die gebürtige St. Georgnerin liebt das Landleben. Wenn es das Studium und ihre zahlreichen Hobbys erlauben, dann verbringt sie ihre Freizeit am liebsten in der Natur. "Ich mag es, die Tiere zu beobachten und dem Vogelgezwitscher zu lauschen. Hier auf dem Hochstand kann ich vom Alltag abschalten und die Natur genießen", schwärmt Schwarzmayr.

Vor drei Jahren hat die damals 17-Jährige die sogenannte "Grüne Matura" absolviert. In den letzten Jahren fanden immer mehr Frauen, vor allem junge, ihren Weg in den Jagdkurs. "Die Jagd ist schon lange nicht mehr nur männlich dominiert. Das Jagdwesen erlebt seit fast zwei Jahrzehnten einen Wandel. Frauen sind längst integriert und Vorurteile gibt es nur mehr vereinzelt", so Landesjägermeister Sepp Brandmayr über die Veränderung in der Jagd. Aktuell gibt es im Bezirk Ried 925 Jagdkartenbesitzer. Davon sind rund 15 Prozent unter 25 Jahre und etwa elf Prozent Frauen. Julia Würtinger aus Ried ist ebenfalls eine von ihnen. Die 20-jährige Riederin legt sich etwa dreimal pro Woche auf die Pirsch: "Ich liebe es die Ruhe im Wald zu genießen. Die Verbundenheit mit der Natur ist einfach toll."

Faszination Jagd

Die Gründe für das starke Interesse seien vielfältig. "Die einen interessieren sich für Pflanzenarten, Wildtiere und deren Zusammenhänge. Andere wiederum sind damit aufgewachsen und treten nun in die Fußstapfen der Väter und Großväter", weiß Christopher Böck, Geschäftsführer des OÖ Landesjagdverbands. Auch Schwarzmayr teilt die Leidenschaft und Naturverbundenheit mit ihrer Familie. Das Jagdgen wurde ihr quasi in die Wiege gelegt: "Seit ich ein kleines Kind bin, gehe ich mit meinem Papa und meinem Opa in den Wald. Für mich war immer klar, dass ich die Jagdprüfung so bald wie möglich absolvieren will."

Umfangreiches Know-how

Die heimischen Jäger sind in der heutigen Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Sie sind, wie auch die Landwirte die wichtigsten Erhalter und Pfleger der Lebensräume Wald, Feld und Wiese. "Wir helfen der Natur bei der Regulierung und sind dazu verpflichtet den Wildstand so zu halten, dass die Natur nicht zu stark beeinträchtigt wird", erklärt der Rieder Bezirksjägermeister Rudolf Wagner, die Aufgaben der oberösterreichischen Jägerschaft.

Kommentar: "Wie kann man nur Tiere töten?"

Die Jagd – ein Thema, das polarisiert. Viele Jäger müssen sich im Freundes- und Bekanntenkreis oftmals rechtfertigen und werden mit Aussagen wie "Ich könnte kein Tier erschießen" konfrontiert. Dabei ist die Jagd viel mehr als nur töten. Wir Menschen haben aus unserer Natur eine Kulturlandschaft gemacht und sie nach unseren Bedürfnissen umgestaltet. Ein Grund, warum die heimische Jägerschaft nicht mehr wegzudenken ist. Sie sorgt für eine ökologische und nachhaltige Pflege des Wildes und schützt die verschiedenen Lebensräume. Erfreulicherweise steigt das Interesse vor allem bei jungen Menschen. Und egal ob Frau oder Mann, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, regionale Lebensmittel und Naturverbundenheit rückt somit wieder in den Fokus. Gerade in Zeiten, in denen alles so günstig wie nur möglich sein soll, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Denn im Grunde sollte sich jeder die Frage stellen, was ethisch vertretbarer ist: Ein Tier zu töten oder Fleisch zu Schleuderpreisen zu konsumieren.

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