13.04.2017, 15:56 Uhr

Bundesheer: "Viele wissen gar nicht was wir eigentlich tun"

(Foto: Foto: Wohlschlager)

Korporal Tobias Wohlschlager und Major Hannes Wagner, Bedienstete der 13er Kaserne in Ried über den Alltag, Auslandseinsätze und Frauen im Heer.

Seit 1996 sind Sie, Major Hannes Wagner beim Bundesheer tätig. Was ist am Beruf Soldat so aufregend?
Wagner: Die tägliche Abwechslung, macht es leicht, gerne in die Arbeit zu gehen. Es gibt nicht viele Berufe wo man Tag für Tag etwas anderes machen darf. Bei rund 300 Arbeitnehmern, die wir haben, wird es in meinem Aufgabenbereich kaum langweilig. Ich habe hier in der Kaserne mit der Grundausbildung begonnen und die Aufstiegsmöglichkeiten des Österreichischen Bundesheeres genutzt, wenn man will, kann man in drei Jahren Offizier sein, die Ausbildung dazu ist in Wiener Neustadt. Es ist sicher viel zu lernen, aber man hat dann auch eine sehr gute Position. Auch die Auslandseinsätze fordern unsere Soldaten sehr, aber dazu weiß Korporal Wohlschlager mehr.

Sie waren also schon im Ausland – was haben Sie dort erlebt?
Wohlschlager: Ja, von Oktober 2015 bis April 2016 war ich im Kosovo. Unser Auftrag lautete: Kloster Dečani bewachen und vor Unruhen schützen. Es ist zwar kein Kriegsgebiet mehr, doch ganz ungefährlich ist es dennoch nicht. Das serbisch-orthodoxe Kloster Visoki Dečani befindet sich auf der roten Liste des gefährdeten Welterbes, welche von der Unesco geführt wird. Sollte mit dem Kloster etwas passieren, wäre das eine dramatische Situation für die momentan ruhige Lage des Landes. Sollte mit dem Kloster etwas passieren wäre das eine dramatische Situation für die entspannte Lage des Landes. Wir gingen auf Patrouille im Gebiet rund um das Klosters und durften unser Camp sonst nicht verlassen. Trotzdem ging es uns gut, uns fehlte es weder an Essen noch an Unterhaltung, wir hatten auch regelmäßig Kontakt mit Zuhause.

Der Kosovo war für Sie ein Erlebnis, würden Sie also wieder fahren?
Wohlschlager: Ja, würde ich. Es gibt auch andere Länder, die unsere Hilfe brauchen. Jeder Auslandseinsatz bringt neue Erfahrungen, und je nach Land auch neue Gefahren, mit denen man wachsen kann. Man lernt neue Leute kennen. Im letzten Einsatz haben wir mit Soldaten aus Italien und der Slowakei zusammengearbeitet, das war sehr interessant.

Können SIe uns Ihren Tagesablauf genau erzählen?
Wohlschlager: Das würde ich gerne erzählen, aber da werden wir nicht fertig. Jeder Tag im Ausland ist – genau wie Zuhause – sehr unterschiedlich. Wir haben keinen Stundenplan, wissen am Vortag nicht was uns erwartet. Grundsätzlich wissen wir nur über große Übungen bescheid. In Österreich beginnt mein Dienst täglich um 7:30 Uhr. Zunächst gibt es eine Besprechung, dann erst weiß man, ob Schulungen, Schießübungen oder Sport auf einen warten.

Erlauben Sie uns einen Blick in die Zukunft, wie wird es mit dem Bundesheer weiter gehen?

Wagner: Wir blicken auf alle Fälle positiv in die Zukunft, zudem wir auch die Ehre haben ein Teil der "European Union Battle Group" sein zu dürfen. Das sind Truppen von etwa 600 Soldaten, die im Zeitraum von sechs Monaten den Krisenreaktionskräften zugehören. Sie müssen im Radius von 6.000 km innerhalb der EU ihren Einsatz antreten. Welche Einsätze genau in Frage kommen, darüber kann man momentan nur spekulieren. Ziel dieser Battlegroup ist es, schnell nach einer politischen Entscheidung der EU auf militärische Krisen und Konflikte zu reagieren. Dafür suchen wir natürlich momentan neue Kameraden.

Kann man also sagen sie suchen dringend Personal?
Wagner: Absolut. Wir sind dringend auf der Suche nach Soldaten, die sich für die 13er Kaserne verpflichten wollen. Auch weibliche Soldatinnen sind gefragt. Allerdings muss keine Frau im Heer dieselben Leistungen wie ein Mann vollbringen, obwohl das Gehalt das selbe bleibt. Die Leistung wird mittels einer sportwissenschaftlichen Studie, abgstimmt auf die weibliche Form der Soldaten, gewertet. Zum Beispiel muss bei einem Punktesystem, wo ein Soldat 20 Punkte zu erreichen hat, eine Frau 15 Punkte erreichen. Es läuft fair und gerecht ab. Bewerben kann sich jeder. Perfekt wären bereits Ausgebildete, von Metallverarbeitenden Berufen, Koch, Sanitäter oder auch aus der Informations- und Kommunikationstechnikbranche.

Welche Bedeutung hat das Bundesheer für Sie?
Wohlschlager: In einer politisch eher ruhigen Zeit sehen viele Menschen das Bundesheer als unnötig. Das finde ich sehr schade, denn sie wissen oft gar nicht was wir leisten. Zum Beispiel sind wir bei Naturkatastrophen sofort zur Stelle. Wir können daher jede Unterstützung gebrauchen. Geboten wird dafür ein sicherer Job, gutes Gehalt, tolle Kameradschaft ist mit nichts zu vergleichen. Die Zeit im Bundesheer ist sicher nicht immer leicht, aber es macht wahnsinnig stolz unserem Land zu dienen!
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