15.05.2018, 08:09 Uhr

Da Berrer: "Hatte schon immer das Bedürfnis Klassenkasperl zu sein"

"Da Berrer" spielt sein Programm "Ausgepopt – das Austropopkabarett". (Foto: Berrer)

Der Mettmacher Kabarettist Manuel Berrer spielt sein Programm nun schon etwa ein Jahr. "Da Berrer" ist inzwischen auch außerhalb des Innviertels bekannt.

Was hat sich seit Deinem ersten Auftritt im vergangenen Jahr getan? Bist Du inzwischen hauptberuflich Kabarettist?

Momentan könnte ich schon von meinen Auftritten leben. Allerdings nicht gerade gut. Ich arbeite wieder in meiner "alten" Firma und mache die Kabarett-Auftritte nebenberuflich.
Ich habe mich sehr weiterentwickelt und an meinem Programm gefeilt. Die Auftritte werden immer mehr und ich habe sehr viel Spaß an dem was ich mache. Ich genieße das jetzt völlig ungezwungen und mache mir keinen Druck, da ich durch meinen Job ja finanziell abgesichert bin. Ich lasse das "Abenteuer" Kabarett weiter auf mich zukommen und lerne bei meinen Auftritten weiterhin viele Sachen dazu.

Was hast Du bis jetzt schon gelernt?

Das Wichtigste ist es, dass man sich wohl fühlt bei dem was man tut. Wenn es keinen Spaß macht, dann kann sich so ein Auftritt schon mal in die Länge ziehen. Inzwischen bin ich schon routinierter und weiß, wie ich bei unterschiedlichem Publikum reagieren muss. Je weniger Leute es sind, desto schwieriger ist es. Wenn hingegen 200 Menschen im Raum sind, wirkt das Lachen einzelner ansteckend und es läuft fast von selbst. Auch wie die Leute sitzen ist entscheidend: Wenn sie im Raum verteilt sind, ist es schwerer sie zum Lachen zu bringen, da sie sich so beobachtet fühlen.

Im März 2017 hattest Du den ersten Auftritt in Mettmach. Hättest Du damals schon gedacht, dass es so gut ankommen würde?

Nein. Ich wollte es eigentlich nur einmal spielen um herauszufinden, ob es mir Spaß macht und wie es bei den Leuten ankommt. Die Resonanz war dann allerdings so gut, dass ich zwei Monate später nochmal aufgetreten bin. Danach kamen schon erste Anfragen für Gastauftritte in den HTL's in Ried und Braunau und an anderen Standorten. So kam der Ball ins Rollen. Inzwischen habe ich auch schon weiter weg gespielt.

Wo ist weiter weg?

In Wien, Niederösterreich und Tirol. Zwar immer "nur" vor etwa 25 Leuten, aber da kennt mich auch noch keiner. Bei wenigen Leuten bin ich schonmal nervöser. Aber nur so lange, bis die ersten lachen, dann ist die Nervosität weg. Demnächst trete ich in Hallein bei Salzburg auf. Auch in Bayern hatte ich schon einige Kurzauftritte.

Im Innviertel hast Du schon einen höheren Bekanntheitsgrad. Kommen da mehr Leute?

Auf alle Fälle. Bei den Auftritten sind immer um die 150 Menschen da und hören sich mein Programm an. Das finde ich großartig. Insgesamt habe ich schon vor mehr als 3.000 Menschen gespielt, zirka 2.500 davon waren Innviertler. Der Vorteil am Innviertel ist, dass die Vereine sehr engagiert sind. So kommen auch Leute in mein Kabarett, die es sich sonst vielleicht nicht angesehen hätten. Der kleine Nachteil ist, dass man nicht so leicht über die Grenze hinauskommt. Zu den großen Kabarett-Szenen in München und Wien habe ich keinen Anschluss, die haben mich nicht am Radar.

Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Du ein Kabarett-Programm schreibst?

Schon in der Schule hatte ich immer das Bedürfnis der "Klassenkasperl" zu sein. Aus diesem Bedürfnis heraus, andere Unterhalten zu wollen, entstand dann auch die Band in der ich bin, die "i-Tüpfe-Rider". Da habe ich dann angefangen lustige Texte und Musikkabarett-Nummern zu schreiben. Ich wollte es den anderen Bandmitgliedern schmackhaft machen bei einem Kabarett-Wettbewerb aufzutreten, aber sie wollten es nicht. Ich solle es alleine probieren. Heute bin ich ihnen echt dankbar dafür, dass sie mir das nahegelegt haben. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen ein Kabarett zu machen.

Die Anfragen für Dein Kabarett werden immer mehr. Muss da die Band etwas zurückstecken?

Die Auftritte der Band hab' meistens ich organisiert. Das habe ich jetzt zurückgefahren und diese Aufgabe an die anderen Mitglieder übergeben. Ich merkte, dass ich mit meiner Energie haushalten muss, da ich jetzt auch ein Kabarett-Programm spiele. Aber wenn die anderen auftreten wollen, bin ich natürlich dabei. Die Band gebe ich auf jeden Fall nicht auf. Ich sehe sie als Hobby, als Spaßprojekt. Das Kabarett allerdings hat sich inzwischen als Nebenberuf entwickelt.

Was passiert bei Terminkollision?

Das ist sehr einfach: Wer zuerst fragt, kommt auch zuerst dran. Es kommt immer wieder vor, dass ich Bandauftritte nicht machen kann, weil ich schon einen Kabarettabend geplant habe. Aber umgekehrt ist es genauso. Da hat keiner so richtig Vorrang.

Kabarettist, Sänger einer Band, dann noch ein 40 Stunden Job. Was sagt Deine Freundin dazu, wenn Du nicht so viel Zeit hast?

Sie unterstützt mich bei dem was ich mache und weiß, dass ich Spaß daran habe. Aber manchmal ist es schon ein Thema in unserer Beziehung. Die Frage "Hast du dann für mich auch mal Zeit?" ist schon öfter gefallen. Ich schau schon darauf, dass ich meine Freundin nicht zu viel vernachlässige. Mein Freundeskreis bleibt allerdings manchmal auf der Strecke. Ich glaube, die ganze Situation muss sich jetzt erst richtig einpendeln – das Kabarett, die Band, der Job – und dann geht das im Privatleben auch wieder leichter.

Arbeitest Du schon an einem neuen Programm?

Nein. Ich habe in das aktuelle Programm 1.000 bis 2.000 Stunden investiert. Ich habe aktuell keine Zeit und keine Energie um ein neues Programm zu schreiben. Es juckt mich gerade nicht. Ich will dieses Programm so lange spielen, wie es geht. Wenn es dann einmal "abgespielt" ist, hab ich ja wieder mehr Zeit. Es ist echt anstrengend 40 Stunden zu arbeiten und daneben ein Kabarett zu spielen. Für einen Auftritt geht schonmal ein ganzer Arbeitstag drauf.

Welcher Auftritt ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Da gibt es ein paar Sachen. Spontan fällt mir ein Auftritt ein, den ich in der Nähe von Passau hatte. Dort spielte ich gerade ein etwas "garstiges" Lied und einer aus dem Publikum sagte: "Es ist ein Pfarrer im Saal anwesend". Daraufhin spielte ich auch noch das Lied "d'Leit in da Kircha, wean a imma schiacha". Nach dem Auftritt fragte mich der Pfarrer, ob ich ihm das Lied schicken könne. Das war ein lustiger Moment.
Das zweite das mir einfällt war in Wien. Ich aß gerade ein Paar Debreziner vor meinem Auftritt und plötzlich ging die Tür auf: Zwei Pärchen kamen herein und sagten "D'Saiga Honsa san jez do". Ich musste so lachen. Da ist man einmal in Wien und trifft dort auf Leute aus "Saiga Hons". (lacht)

Welchen Traum hast Du für Dein Kabarett-Programm?

Das ist schwer zu sagen. Eigentlich habe ich schon das erreicht, was ich wollte. Es ist der Wahnsinn vor 400 Leuten zu spielen. Man braucht keine 10.000 Menschen, da hat man den Bezug zum Publikum nicht mehr. Ich spiele lieber vor weniger, dafür öfter. Mich würde mal ein Fernsehauftritt reizen. Er muss gar nicht lang sein, nur zehn Minuten. Einfach um auch andere Leute auf mich aufmerksam zu machen. Mit der Band allerdings habe ich einen großen Traum: Einmal auf einem Festival spielen, dem Nova Rock zum Beispiel. Oder als Vorband einer richtig coolen Band spielen. Das wär echt super. Für uns alle. (lacht)

Wo sehen wir Dich das nächste Mal?

Am 24. Mai bin ich im Sparkassen Stadtsaal Ried. Danach bin ich noch weiter in Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und Wien unterwegs. Für heuer bin ich schon sehr gut gebucht. Ich habe in etwa so viele Auftritte geplant wie ich bereits schon hatte. Derzeit bin ich mit der Entwicklung zufrieden und auch die Rückmeldungen sind durchaus positiv. Ich lasse alles weiter auf mich zukommen und blicke der Zukunft positiv entgegen.
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