23.10.2017, 06:00 Uhr

Ein Job hinter Gittern: Justizwachebeamter

Peter Hofinger ist Justizwachebeamter in der JA Ried

Wir rücken mit der neuen Serie "Beruf oder Berufung" in der BezirksRundschau außergewöhnliche, besondere oder seltene Berufe in den Vordergrund.

RIED (ebe). „Du musst mit Schicksalen gut umgehen können. Drohungen dürfen dich nicht verunsichern. Und du brauchst in diesem Job enorm viel Empathie.“ So beschreibt Peter Hofinger die Anforderungen in seinem Job. Er ist Justizwachebeamter in der Justizanstalt Ried, dem kleinsten gerichtlichen Gefangenenhaus in Oberösterreich. 1999 wechselte er vom Bundesheer in die Justiz. Ob er mit seinem Beruf zufrieden ist? „Definitiv. Bei uns passiert jeden Tag etwas anderes. Du weißt nie, was auf dich zukommt. Kommen neue Gefangene? Probiert jemand, unerlaubte Dinge einzuschleusen, wie ein Handy oder Drogen? Bei uns passieren oft kuriose Dinge.“ Vom Handy, das in Schuhsohlen eingebaut wurde über Konservendosen, die feinsäuberlich bearbeitet mit Drogen befüllt sind bis hin zu USB-Sticks, die in Gürtel eingebaut werden. Entdeckt wurde schon vieles. Und der Einfallsreichtum der Gefangenen ist nach wie vor groß. In einer Vitrine werden übrigens die sonderbarsten Erfindungen aufgehoben.

Arbeit für Gefangene

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag – in der Justizanstalt ist rund um die Uhr Dienst. Zum Dienstwechsel gibt es einen Rapport. Zwischenfälle, Einlieferungen, Krankenstände – die Beamten bringen sich gegenseitig auf den aktuellen Stand. Dann verabschiedet sich jeder in seine Abteilung. Neben dem Direktions-, Wirtschafts- und Vollzugsbereich arbeiten von den 57 Bediensteten 46 im Exekutivbereich, also direkt am Gefangenen. Nicht nur die Beamten gehen in der Justizanstalt ihrer Arbeit nach. Zwischen 60 und 65 Prozent der Gefangenen sind hinter Gittern beschäftigt. Sie arbeiten in unterschiedlichen Bereichen, von der Reiningungs- und Hausarbeit über die Küche, die Beamtenkantine, die Hauswerkstatt bis hin zum Unternehmerbetrieb. Kabeltrommeln fertigen, Flaschenverschlüsse anbringen oder Kartons falten – die Justizanstalt wird von Unternehmen beauftragt, diverse Kleinarbeiten zu erledigen. „Einer Beschäftigung nachgehen, das wollen die meisten Gefangenen bei uns. Die wenigen Frauen, die in Ried inhaftiert sind, finden meist in der Wäscherei Arbeit. „Alle Gefangenen arbeiten unter Aufsicht. Nur wer als nicht gefährlich eingestuft ist, darf auch einer Beschäftigung nachgehen. Alles andere wäre viel zu gefährlich.“

Grundsatz: keine Vorurteile

Zu Dienstschluss legt Hofinger seine Arbeitswerkzeuge gut sichtbar in sein verschließbares Waffenfach: Schlüsselbund, Pistole, Pfefferspray, Handfessel und Gummiknüppel. So ist sichergestellt, dass von jedem Kollegen alles da ist und nichts gestohlen wurde. Distanz zu halten und sich Tragödien nicht zu nahe gehen lassen, das lernte Hofinger mit der Zeit. "Ein Grundsatz in meinem Beruf ist es, keine Vorurteile zu haben. Mir ist es egal, warum jemand bei uns im Gefängnis sitzt. Jeder hat gleiche Rechte und Pflichten und wird von mir gleich behandelt."


Kommentar zur neuen Serie:
Zugegeben, einen Fensterputzer im Haifischbecken, einen U-Boot-Koch oder einen professionellen Golfballtaucher gibt es im Innviertel nicht. Doch auch in unseren Breiten finden sich außergewöhnliche Berufe. Das sind einerseits Arbeitsplätze, die es nur noch sehr selten gibt, wie den Buchbinder oder auch den Kürschner. Andererseits gehören dazu auch Berufe, die Aufmerksamkeit verdient haben: Weil die Menschen, die sie ausüben, Besonderes leisten. Weil sie jeden Tag volles Risiko eingehen, Mitmenschen aufopfernd begegnen und sich um sie kümmern. Oder weil sie einfach viel Herzblut in ihre tägliche Arbeit stecken. Genau diese Berufe und die Menschen dahinter, stehen mit einer neuen Serie der BezirksRundschau im Rampenlicht. Wir schauen ihnen am Arbeitsplatz über die Schulter. Vorhang auf für die berufliche Vielfalt im Bezirk.
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