17.07.2017, 13:40 Uhr

"Italien hat mich schon immer fasziniert"

Hermine Aigner vor dem Aquäduktenpark in Rom – einem ihrer Lieblingsplätze in ihrer neuen Wahlheimat. (Foto: Aigner)

Die gebürtige Kirchdorferin Hermine Aigner lebt seit fünf Jahren in der italienischen Hauptstadt Rom.

KIRCHDORF, ROM (kw).

Im Oktober 2012 sind Sie nach Rom gezogen. Was waren die Beweggründe für diesen Schritt?

Mich hat es schon immer buchstäblich nach Italien gezogen. Meine Ferien und meinen Urlaub habe ich meistens dort verbracht. Irgendwann hatte ich das Glück, auch beruflich in Italien Fuß zu fassen.

Sie sind stellvertretende Leiterin des Österreichischen Kulturforums in Rom. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das Kulturforum ist die Kulturabteilung der österreichischen Botschaft in Italien und hat die Aufgabe, den kulturellen Austausch mit Italien zu fördern. Das heißt, dass wir entweder selbst von Rom aus Veranstaltungen organisieren oder uns dafür italienische Partner suchen. Dabei geht es vor allem darum, das junge, innovative Österreich zu zeigen. Durch meine Arbeit habe ich viel Kontakt mit österreichischen und italienischen Kulturschaffenden, was total spannend ist.

Haben Sie sich schon immer für Kultur interessiert?

Absolut. Das ist natürlich auch die Voraussetzung. Ich habe Volkskunde studiert und später in meiner Arbeit als Redakteurin auch gern über Kulturthemen recherchiert. Auch in meiner Freizeit bin ich ständig auf der Suche nach Kooperationsmöglichkeiten.

Anfang Mai reiste Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit seiner Gattin Doris Schmidauer nach Rom. Sie und Schmidauer waren Schulkolleginnen.

Das stimmt. Wir haben gemeinsam das Wirtschaftskundliche Realgymnasium in Wels besucht.

Wie war das Wiedersehen?

Sehr herzlich. Wir haben uns beide über diesen schönen Zufall gefreut und Erinnerungen ausgetauscht. Bei dieser Gelegenheit hat sie auch offiziell das Kulturforum besichtigt und war sehr interessiert daran, was hier gemacht wird.

Bekommen Sie regelmäßig Besuch aus Österreich?

Ja, von Familie und Freunden. Zu meinem 50. Geburtstag hat mich meine Familie überrascht. Angekündigt waren meine Mama und meine Schwester Gabi. Am Flughafen standen dann plötzlich all meine Geschwister sowie Neffen, Nichten Cousins und Cousinen.

Was vermissen Sie am meisten an Ihrer alten Heimat?

Das Alleinsein in der sauberen Natur – das ist hier in Rom praktisch unmöglich.

Was sind hingegen die Vorzüge von Italien?

Für mich als Kulturinteressierte auf jeden Fall der immense Reichtum an Kulturgütern, den man sonst nirgendwo auf der Welt findet. Und das gute Essen natürlich – das Lieblingsgesprächsthema der Italiener.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Italienern? Kann man den Klischees, die den Südländern vorauseilen, Glauben schenken?

Die Mentalitäten sind im Norden und Süden Italiens jedenfalls sehr unterschiedlich. Aber man duzt sich relativ schnell, was die Zusammenarbeit angenehm macht. Allerdings ist vorrausschauendes Planen hier nicht so üblich. Deshalb ist es immer gut, auch einen Plan B zu haben. Einige Klischees stimmen aber schon, wie ich finde: Die Korruption ist hoch, der Verkehr chaotisch, Feschsein das Allerwichtigste und die Pizza ein Gedicht.

Planen Sie demnächst eine Rückkehr nach Österreich?

In Italien liegt das Pensionsalter mittlerweile bei fast 67 Jahren. Mein Lebensmittelpunkt wird also auch für die nächsten Jahre sicherlich Rom bleiben.
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