30.11.2017, 02:00 Uhr

Thomas Schawinski: "Die Schätze der Kirche sind ihre Werte"

Thomas Schawinski, Pfarrer in Eberschwang, Pattigham und Pramet.

Thomas Schawinski ist seit September Pfarrer in drei Rieder Gemeinden: Eberschwang, Pattigham und Pramet.

Im Herbst haben Sie im Innviertel erste Wurzeln geschlagen. Wo führte Ihr Weg sie davor schon hin?
Ich bin im Norden von Polen geboren, in der Nähe von Danzig. Mein Theologiestudium habe ich in Polen absolviert, bei den Patres Oblaten. 1998, nach meinem Studium, bin ich dann mit 27 Jahren nach Wien gekommen. Ein Jahr lang war ich in Wien, danach in Gmünd und bis Sommer war ich in der Pfarre Münichholz, in Steyr. Seit September führe ich nun die drei Pfarren Eberschwang, Pattigham und Pramet. 

Was war Beweggrund für Ihren Berufwunsch?
Das hängt mir unserer Geschichte in Polen zusammen. Wir Polen waren Jahrhunderte unterdrückt. Nur in der Kirche konnten wir unsere Sprache sprechen und Traditionen leben. Nur in der Kirche waren wir zuhause. Wir waren umgeben von Protestanten und Orthodoxen – in Deutschlang und Russland, somit war die Kirche für uns ein Zufluchtsort. Katholizismus ist ein Teil unserer Identität. Ich bin mit dem katholischem Glauben aufgewachsen. Glaube ist für mich selbstverständlich.

Sie sind Pfarrer in Eberschwang, Pattigham und Pramet. Ist es schwierig, den Spagat zu schaffen?
Es ist eine Herausforderung und komplizierter, als ich mir das vorgestellt habe. Ich entdecke mich in einer neuen Rolle. Bis jetzt hatte ich die Verantwortung für eine große Pfarre. Mein Ziel ist es, aus den drei Pfarren eine Einheit zu schaffen. Ich will sie vernetzen und trotzdem muss jede Pfarre eigenständig bleiben. Es ist meine Aufgabe, das alles zu koordinieren. Und diese Aufgabe ist manchmal nicht leicht.

Schon alleine die Gottesdienste am Sonntag sind wahrscheinlich eine Herausforderung?
Ich arbeite zusammen mit Pfarrer Karl Burgstaller, der in Pramet wohnt, und Pfarrassistentin Karoline Murauer. In diesem Gremium haben wir ein Rad vereinbart: Jeder von uns ist am Sonntag in einer Pfarre. Das wechselt dann reihum. Darin ist ein Stück Gerechtigkeit. Dank dieser Lösung muss ich nicht von einer Pfarre zur anderen hetzen, sondern habe Zeit für Gespräche am Kirchenplatz oder auch für Taufen. 

Gehört Gerechtigkeit zu den Werten, die ihnen wichtig sind?
Nicht nur. Ich schätze auch die Offenheit, sich auf Neues einzulassen. Dass nicht alles so bleiben muss, wie es immer war. Ich bin selbst offen für Kritik, die in einer positiven Art geübt wird. Die Innviertler sind bekannt als "Sturschädeln". Karoline hat mich aber aufgeklärt und gemeint, 'sie sagen einfach, was sie denken'. Damit kann ich sehr gut leben. Wenn Kritik mit Wertschätzung geäußert wird, kann ich sehr viel damit anfangen.

Wie gehen die Menschen auf Sie zu?
Viele freuen sich, dass ich da bin. Sehr viele zeigen mir Offenheit, Freundlichkeit und sind bereit für etwas Neues. Bei einigen sehe ich aber auch Verunsicherung. Sie wollen die Veränderung nicht und fragen sich, warum nicht alles bleibt, wie es war.

Gibt es Momente, Erlebnisse, die Sie im Leben geprägt haben?
Ich beschäftige mich gedanklich mit der Demokratie in der westlichen Kirche. Ich kann sehr viel mit Demokratie in der Kirche anfangen. Sie ist aber noch in den Kinderschuhen. In dieser Zeit, in der die Kirche gerade sehr im Wandel ist, wollen sehr viele Laien die Demokratie durchsetzen. Gleichzeitig bleiben wir bei patriachalischen Strukturen. Die Priester verlieren die eigene Kompetenzen. Sie wissen nicht genau, wo sie noch verantwortlich sind.

Sie setzen sich also damit auseinander, wie die Kirche Menschen weiterhin erreicht?
Die Schätze der Kirche, das ist nicht das Gold und der Prunk. Das sind die Werte. Doch diese sind leider verstaubt. Die Kunst ist es, die Werte neu anzubieten. Ein Beispiel: Die Nächstenliebe wird sofort mit dem Christentum verbunden. Neu assoziiert mit sozialem Engagement, wie beispielsweise dem Einsatz der Caritas, bekommt der Wert mehr Aktualität und wird wieder greifbarer.

Heißt das, Sie wollen auch Menschen in Eberschwang, Pattigham oder Pramet zu erreichen, die in den letzten Jahren wenig Berührungspunkte mit der Kirche hatten?
Ja, das wäre schön.

Welche besonderen Erlebnisse hatten Sie im Innviertel schon?
Schmunzeln musste ich, als nach dem ersten Begräbnis die Bläser noch nicht da waren, um zum Friedhof zu geleiten. Ich war nach einer halben Stunde fertig – diese Schnelligkeit waren die Eberschwanger nicht gewohnt.
Spannend war auch der Einbruch bei uns im Pfarrhof. Ich bin froh, dass sie mich nicht mitgenommen haben. Und: Die Einbrecher waren sicher keine Polen. Denn die hätten das Auto in der Garage sicher auch mitgenommen (lacht).
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