17.01.2018, 19:00 Uhr

Totenkopf leuchtete vom Kirchendach

Vom Dach der Kirche in Pattigham leuchtete in der Silvesternacht ein Totenkopf mit Flügeln – das Symbol der "Hells Angels". (Foto: privat)

Wegen der Projektion des geflügelten Totenkopfs wird Anzeige erwogen. Pfarre bleibt untätig.

PATTIGHAM. In der Silvesternacht wurde das Dach der Kirche in Pattigham zur Projektionsfläche für einen Totenkopf mit Flügeln. Das Symbol der Motorradrocker Hells Angels leuchtete bereits um acht Uhr abends vom Gotteshaus. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Clubhaus, in dem Mitglieder der Hells Angels verkehren und auch den Jahreswechsel feierten.
Das Zeigen des Rocker-Emblems, das übrigens markenrechtlich geschützt ist, ist hierzulande zulässig. In vielen deutschen Bundesländern hingegen dürfen Totenkopf und Hells Angels-Schriftzug nicht mehr öffentlich präsentiert werden. In Bayern etwa gilt das Verbot seit Herbst 2014.
Nicht unauffällig sind die Motorradrocker in ihren Kutten mit den vom bayrischen Innnenministerium als "martialisch" eingestuften Symbolen.

Ruhige Nachbarn

Das Zusammenleben in der 895-Seelengemeinde Pattigham gestaltet sich hingegen recht ruhig. Beim Wirtn neben dem Clubhaus bestellten die Höllenengel oft Essen, holten es ab, zahlten bar und brachten das Geschirr "sauber gewaschen zurück", erzählt der ehemalige Rögl-Wirt Karl Rögl, der seit 1. April 2017 in Pension ist. Bis dahin habe es mehr als zehn Jahre ein Leben miteinander gegeben, das so problemlos gewesen wäre, wie man sich das nur vorstellen kann. Nicht nur er habe die Nachbarschaft als eine gute empfunden: "I kenn’ koan Pattighamer, der jemals a Problem g’habt hätt’", sagt Rögl. "Es gibt auch so nix", erklärt ein Beamter der Rieder Exekutive. Zwei Hausdurchsuchungen wegen Drogen. Die seien aber schon so lange her, dass man darüber erst gar nicht mehr reden sollte.

Anzeige in der Schwebe

Wegen des Vorfalls in der Silvesternacht, die sonst ohne Zwischenfälle verlief, ist die örtliche Polizei nun allerdings in Verbindung mit der Rieder Staatsanwaltschaft. Es wird eine Anzeige wegen der Herabwürdigung kirchlicher Symbole erwogen. Da die Täter unbekannt sind, könne der Tatbestand der Anstandsverletzung nicht zur Anzeige gebracht werden.

Was den zuständigen Polizeibeamten wurmt, ist, dass sich keiner gegen das anstößige Verhalten zur Wehr setzt. Der zuständige Pfarrer will mit der Geschichte nichts zu tun haben. Er hat den Vorfall an die Diözese Linz weitergeleitet. Aus Linz heißt es, die Pfarre empfinde die Projektion des geflügelten Totenkopf als das, was es wahrscheinlich auch war, eine Provokation. Man wolle den Vorfall nicht weiter verfolgen. Es sei ja nichts beschädigt worden. Der Pattighamer Bürgermeister ist informiert, kennt aber den oder die Täter nicht und mahnt deswegen zur Vorsicht. Er möchte sich raushalten.

Was sagen die Hells Angels?

Die Hells Angels, die zu Silverster dort feierten, ließen auf Anfrage mitteilen, dass sie zum Vorfall keine Stellungnahme abgeben. Wer Urheber der Projektion ist, bleibt offen.




KOMMENTAR

Das dritte Buch Mose, der Levitikus, ist voll von Verhaltensregeln. Priestern wurde daraus im achten Jahrhundert vorgelesen. Und danach gab’s eine Strafpredigt zur Besserung der lasterhaften Geistlichkeit. Daher die Redewendung – und, ja, es wäre wünschenswert, den Tätern aus der Silvesternacht in Pattigham würden die Leviten gelesen, auch wenn die Dächer von Gotteshäusern große Angriffsfläche bieten. Könnte bitte jemand kundtun, dass man die Projektion von Totenköpfen darauf nicht gutheißt? Sich wünscht, dass das zukünftig unterlassen wird? Ist denn da keiner, der sich in ziviler Weise angemessen wehrt? Jetzt muss also das Strafrecht her. Dabei wäre hier das Lesen der Leviten ein guter Schritt zur Integration. Ja, das, wovon jetzt immer so viel geredet wird: dem Aufnehmen und Eingliedern in die Gemeinschaft.




ZUR SACHE


Der Hells Angels Motorradclub ist der älteste Motorrad- und Rockerclub. Er wurde 1948 in Kalifornien gegründet. Die Mitglieder fahren Bikes der Marke Harley-Davidson. Auf den meist ärmellosen Jacken, sogenannten "Kutten", prangt neben dem Namen in Rot auf Weiß auch ein Totenkopf mit Helm und Flügeln.
In Deutschland haben neben Bayern auch Nordrhein-Westfahlen, Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg die Symbole des Rockerclubs Hells Angels verboten. Das öffentliche Zeigen – das betrifft neben "Kutten", Motorrädern und Vereinsheimen sogar Tätowierungen – wird strafrechtlich verfolgt. Hintergrund sind Straftaten wie Rauschgifthandel und Gewaltdelikte.
In Pattigham gibt es seit gut zehn Jahren ein Clubhaus, in dem sich die Höllenengel aus der Region treffen. Die Nachbarschaft wird als völlig problemlos beschrieben.
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