15.10.2014, 16:00 Uhr

"Es bleibt zu wenig Zeit für die Patienten"

Mit rund 1300 Mitarbeitern ist das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried der zweitgrößte Arbeitgeber im Bezirk. (Foto: KH BHS Ried/Hirnschrodt)

Verschärft durch Spitalsreform: Betriebsräte im Krankenhaus Ried klagen über Arbeitsbedingungen.

RIED (lenz). Weniger Zeit für die Patienten, mehr Verantwortung und wachsender Aufgabenbereich – der Druck auf die Spitalsbeschäftigten steigt. "Die Patienten spüren diese Hektik unter dem Personal. Es wird immer von Zuneigung und der menschlichen Note gesprochen. Dafür bleibt aber immer seltener Zeit", berichtet Alfred Lindlbauer, Betriebsrat im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. Ein Umstand, der Patienten wie Personal zu schaffen macht. Da viele Patienten vermehrt tagesklinisch behandelt werden, sinkt die Verweildauer und die Pflegeminuten steigen. Der Patient hat mehr Untersuchungen pro Tag, das Personal erhöhten Verwaltungsaufwand. "Es ist eine schleichende Entwicklung, die Spitalsreform hat diese noch verschärft", erklärt Lindlbauer, der selbst jahrelang als Diplomierter Krankenpfleger die Situation hautnah erlebt hat. Für ihn ist der Beruf eine Berufung, steht der Dienst am Menschen im Vordergrund. "Um die Patienten aber gut betreuen zu können, muss es auch dem Personal gut gehen", betont er. Kollegin und Betriebsrat-Stellvertreterin Martina Reischenböck schlägt in die gleiche Kerbe. "Wir verstehen natürlich, dass eingespart werden muss – ob es aber auf Kosten der Menschen und deren Gesundheit gehen muss, ist eine andere Frage." Eine vor kurzem im Krankenhaus Ried durchgeführte Mitarbeiterbefragung zeichnet ein ähnliches Stimmungsbild: Sie fiel klar schlechter aus als eine Befragung zwei Jahre zuvor.

"Sind uns dessen bewusst"
Die Ergebnisse der Befragung wolle man in künftige Planungen einarbeiten und gemeinsam Lösungen finden, erklärt Krankenhaus-Geschäftsführer Oliver Rendel: "Wir sind uns bewusst, was unsere Teams leisten. Berufe im Krankenhaus stellen unbestritten hohe Anforderungen an den Einzelnen. Die in einem modernen Krankenhaus schneller ablaufenden Prozesse stellen uns alle vor besondere Herausforderungen." Diesen sei man bereits mit mehr Personal begegnet. So arbeiten heute 205 Personen mehr im Krankenhaus, als noch vor sechs Jahren. In manchen Punkten sei man jedoch an gesetzliche Vorgaben gebunden. "Ausufernde Dokumentationsnotwendigkeiten belasten unsere Mitarbeiter, können von uns aber nicht gekürzt werden. Für eine sinnvolle Aufgabenverteilung fehlen uns medizinische Assistenzberufe, für die erst die Ausbildungsordnungen vom Bund erlassen werden müssen", spielt Rendel den Ball weiter an die Politik. "Wir als Politiker sind natürlich dafür verantwortlich, dass die gute Versorgung der Patienten gewährleistet bleibt", kommentiert Landeshauptmann Josef Pühringer und verweist auf die Einführung von Stationsassistentinnen, die Erhöhung der Teilzeitquote oder die Schaffung von Betriebskindergärten.

"Möchte keine überarbeiteten Mitarbeiter"
Ziel seien eine gute Work-Life-Balance und familienfreundliche Arbeitszeiten. "Ich möchte nicht, dass überarbeitete Mitarbeiter Dienst versehen müssen", stellt Pühringer klar. Doch nicht nur in Sachen Arbeitszeit, auch beim Gehalt ist das Krankenhaus von den Entscheidungen der Politik abhängig. Für Reischenböck ein Grundproblem in vielen Krankenhäusern: "Gehalt und Arbeitsbedingungen passen einfach nicht zusammen. Vor allem, weil die psychische Belastung in der Pflege nicht wirklich ernst genommen wird." Der Druck steige, das Gehalt hingegen nicht – eine demotivierende Situation. "Der Mensch muss wieder in den Mittelpunkt gerückt werden – nicht die Zahlen", kritisiert Lindlbauer.
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