14.02.2018, 08:02 Uhr

Berufsporträt Bestatter: "Gestorben wird unregelmäßig"

Andreas Lederbauer ist Bestatter in Eberschwang. (Foto: Lederbauer)

Bestatterwissen: Was passiert mit den Goldzähnen nach dem Einäschern? Seit wann gibt es größere Särge?

EBERSCHWANG. (ebe) Das Handy hat er rundum die Uhr bei sich. Er ist jederzeit erreichbar, denn: Menschen sterben Tag und Nacht. Andreas Lederbauer ist Bestatter in Eberschwang. Schon mit 16 Jahren unterstützte er seinen Vater als Bestattungshelfer. Seit 1998 führt er seine Tischlerei und ist zweitberuflich Bestatter. Vor allem bei Bestattungsabläufen und Gesetzen muss sich Lederbauer gut auskennen. Stirbt ein Mensch in Eberschwang, wird Lederbauer kontaktiert. Er ist übrigens der letzte Bestatter im Bezirk Ried, der für nur eine Gemeinde zuständig ist. Er holt den Verstorbenen zuhause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus ab, spricht sich mit dem Arzt ab und nimmt den Totenbeschauschein entgegen. Daraus gehen übrigens die Identität, die Todesursache und der Zeitpunkt des Todes hervor. Im Standesamt holt er die Sterbeurkunde. Je nach Todesursache wird möglicherweise eine sanitätspolizeiliche oder gerichtsmedizinische Obduktion angeordnet. Ist alles geklärt, können die Vorbereitungen für das Begräbnis beginnen. Das heißt: "Wir klären mit den Angehörigen die Art der Bestattung – ob Erd- oder Feuerbestattung oder die Ankleidung des Toten. Rund 60 Prozent lassen sich bereits einäschern. "Um das Einäschern kursieren viele Gerüchte, die nicht stimmen. Goldzähne, Gelenke und Metallüberreste, die die Temperatur von 1150 Grad überstehen, werden recycelt und der Erlös anschließend gespendet", klärt Lederbauer auf.

Emotional nicht binden

Schwierig sei seine Arbeit schon. "Aber es ist für mich ein Job wie jeder andere. Uns wird geraten, keine emotionale Verbindung aufzubauen." Das ist als Bestatter in der Heimatgemeinde nicht einfach, da Lederbauer die meisten Verstorbenen persönlich kennt. Der Vorteil ist allerdings, dass ihm die Lebensumstände der Familien vertraut sind. Er könne sich besser in sie hineinversetzen. Darüber reden helfe ihm. Egal ob mit den Familienangehörigen, Polizei oder intern. Außergewöhnliche Todesfälle kosten dem Bestatter etwas mehr Kraft. "Etwa zweimal im Jahr ereignet sich ein tragischer Unfall oder ein Selbstmord. Das beschäftigt länger. Da ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und darüber zu sprechen."

Stammtischgespräche

Gestorben wird laut Lederbauer sehr unregelmäßig. "Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: meistens in Gruppen zu dreien, selten alleine. 2017 waren vor allem zu Jahresbeginn und dann im Herbst viele Todesfälle. Welchen Grund das wirklich hat, kann man nur vermuten", rätselt er. Angeredet wird er immer wieder auf seinen zweiten Beruf. "Die Menschen sind neugierig, was mit ihnen passiert, wenn sie sterben. Direkt fragen traut sich selten jemand. Aber in lockerer Atmosphäre am Stammtisch oder bei Veranstaltungen können schon witzige Bemerkungen oder unterhaltsame Fragen kommen", so Lederbauer. Seit einigen Jahren werden von den Sargerzeugern übergroße Särge produziert – in den normalen Särgen haben mittlerweile nicht mehr alle Verstorbenen Platz. Was sich Lederbauer wünscht: "Etwas mehr Würde für Verstorbene. In den meisten Krankenhäusern befindet sich die Prosektur (Abholung) im hintersten Winkel des Gebäudes. Der letzte Weg eines Menschen sollte nicht durch die Hintertür führen."
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.