19.12.2017, 09:24 Uhr

Wo Schlossherren sich den Rücken wärmen

Christoph Angermayer ist Keramiker und Hafner. Er baut Kachelöfen für antike Schlösser und Klöster.

EBERSCHWANG. (ebe) Schon als Kind hat er seine Finger gerne in den nassen Ton gebohrt, aus dem die Kachelöfen entstehen. Heute plant er selbst Unikate, rekonstruiert antike Öfen und geht seinem Beruf mit viel Leidenschaft nach. Christoph Angermayer ist Keramiker und Hafner. Im Unternehmen seines Vaters in Eberschwang lässt er mit seinen Kollegen beheizbare Kunstwerke entstehen. Jedes davon einzigartig. In der Keramikproduktion entstehen die Platten für den Kachelofen. Sie sind flexibel und formbar. Denn angefangen wird bei der Grundform, die mit großflächigen Kacheln modelliert wird. Drei Prozent größer als das Original muss sie sein, weil sich der Ton beim Brennen zusammenzieht. Ob geschwungen antik oder modern geradlinig, Ton macht vieles möglich. Darauf folgen Simse, Ornamente, Figuren oder Bemalungen – und alles wird händisch gefertig. Nach dem ersten Brennvorgang kommt die Glasur oder die Handbemalung. Daraufhin werden die Einzelteile ein zweites Mal bei 1000 Grad gebrannt.

Ein Mann – ein Ofen
Welche Fähigkeiten man für diesen Beruf braucht? "Ein 
Verständnis für Formen und Proportionen, künstlerisches Verständnis, eine gute Feinmotorik und vor allem viel Erfahrung. Wenn du diesen Beruf zehn Jahre ausübst, bist du eigentlich noch Anfänger", weiß Angermayer. Übrigens arbeitet grundsätzlich ein Mann an einem Ofen. Aus dem ganz einfachen Grund, weil jeder ein bisschen anders arbeitet und feine Unterschiede zu erkennen sind. Auf Herausforderungen trifft der Keramiker immer wieder. "Heuer haben wir in einem Kloster in Burghausen zwölf Kachelöfen mit Begleitung durch den Denkmalschutz restauriert. Ein Ofen war im Dachboden in 360 Einzelteile zerlegt und zerbrochen. In rund 200 Stunden war der gesamte Ofen wieder aufgebaut und rekonstruiert. Gerade zu Projekten wie diesem baue ich eine besondere Verbindung auf. Da kann ich gar nicht hinschauen, wenn jemand seine Jacke gedankenlos darauf ablegt."
Bei einem luxuriösen Kachelofen für ein Schloss in Prag sind seit Juni schon zwei Mitarbeiter eingeteilt. Der Ofen wird teilvergoldet und hat Engelsfiguren und eine Büste auf den Simsen – alles wird in Eberschwang per Hand geformt.

"Müssen habe ich nie"
In naher Zukunft wird Christoph Angermayer den Betrieb seines Vaters übernehmen, in dem er auch seine Doppellehre absolvierte. Mittlerweile ist er Keramikdesigner und Meister und hat in der Forschungsanstalt mitgearbeitet. "Müssen" habe er nie. "Ich bin in diesen Beruf hineingewachsen, habe von klein auf mitbekommen, wie ein Ofen entsteht. Unsere Firma gibt es seit 90 Jahren. Und kein Tag gleicht dem anderen. Weil jeder Ofen seinen eigenen Charakter hat."
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