Bundespräsident gratuliert zu lauter Einsern

Alexander Van der Bellen, Johanna Novacek, Peter Gangl, Helene Ranetbauer  und Meinhard Lukas (Rektor der JKU) bei der Dekretüberreichung.
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  • Alexander Van der Bellen, Johanna Novacek, Peter Gangl, Helene Ranetbauer und Meinhard Lukas (Rektor der JKU) bei der Dekretüberreichung.
  • Foto: Andreas Röbl
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Helene Ranetbauer (27) beendete ihre Schulzeit einschließlich Doktorarbeit mit lauter Einser.

NIEDERWALDKIRCHEN, LINZ (hed). Immer „Sehr gut“. Die Niederwaldkirchnerin schloss alle Oberstufenklassen, die Matura, das Bachelor- und Masterstudium in angewandter Mathematik an der Uni Wien und ihre Doktorarbeit an der Johannes Kepler-Uni Linz immer mit Auszeichnung ab. Bundespräsident Alexander Van der Bellen verlieh ihr Ende November die Promotion sub auspiciis praesidentis. Die BezirksRundschau befragte sie.

Was hat Sie zum Mathematikstudium bewogen?
Mathematik war für mich immer leicht. Ich hatte aber viele Interessen und eine allgemeine Freude am Lernen. Neben meiner Leidenschaft für Sport, mochte ich Sprachen unglaublich gern. Schlussendlich hat mich wohl doch die, manchmal schwer zu erklärbare, Einfachheit der Mathematik und die Logik dahinter fasziniert.

Sie haben sich für eine Dissertationsarbeit entschlossen, warum?
Es war eine spontane Entscheidung. Durch Zufall erfuhr ich von einer offenen Doktorratsstelle in Linz. Ohne groß nachzudenken, bewarb ich mich. Ich denke, oft sind die spontanen Entscheidungen bedeutend.

Was ist der Inhalt Ihrer Arbeit?
Ich forschte unter anderem an Modellen, die Bewegungsabläufe von Menschenmengen physikalisch und mathematisch beschreiben. Die Forschungsresultate sollen beitragen, die Massen kontrollierbarer zu machen und Prozesse wie das effiziente Verlassen der Menschen aus U-Bahnstationen oder den reibungslosen Ablauf von Großveranstaltungen zu erleichtern.

Was machen Sie aktuell beruflich?
Seit September arbeite ich als Forschungsmitarbeiterin an der UNI Wien an partiellen Differentialgleichungsmodellen für Netzwerkprozesse.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
Die Vielfältigkeit, die Flexibilität und die zahlreichen internationalen Erfahrungen sowie das Knüpfen von weltweiten Freundschaften.

Bleibt Ihnen da auch Zeit für Hobbies?
Ja, auf jeden Fall – die Arbeit alleine könnte mich nie erfüllen. Besonders wichtig ist mir, genügend Zeit für Freunde und Familie zu haben. Ich mache fast täglich Sport. Es gibt aber viele Hobbies, für die ich gerne mehr Zeit hätte.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Man sollte etwas finden, was einem Freude bereitet. Sich im Arbeitsumfeld wohlzufühlen und glücklich zu sein halte ich für wichtig – sowohl auf sozialer als auch inhaltlicher Basis.

Was sind Ihre Zukunftspläne?
Da will ich mich nicht festnageln. Es spielen im Leben so viele Kleinigkeiten eine entscheidende Rolle und meistens kommt es sowieso anders als man denkt. Momentan macht mir die Arbeit an der Uni großen Spaß.

Zur Person:
2008 Reifeprüfung, Stiftergymnasium Linz.
2008–2011 Bachelorstudium Mathematik, Universität Wien.
2011-2014 Masterstudium Mathematik, Universität Wien.
Angewandte Mathematik und Scientific Computing
Abschluss mit ausgezeichnetem Erfolg
2014-2017 PhD Forschungsmitarbeiterin am RICAM, Österreichische Akademie der
Wissenschaften in Linz, Multiscale Modeling and Simulation of Crowded Transport
in the Life and Social Sciences (NST-001).
PhD Programm der Technischen Wissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz
Alle Abschlüsse mit ausgezeichnetem Erfolg
April-August 2017 Postdoktorale Forschungsmitarbeiterin am RICAM, Österreichische Akademie der Wissenschaften in Linz, Multiscale Modeling and Simulation of Crowded
Transport in the Life and Social Sciences (NST-001).
30.11.2017 Promotion sub auspiciis Praesidentis.
Seit September 2017 Postdoktorale Forschungsmitarbeiterin an der Universität Wien,
SFB (Spezialforschungsbereich) F65 ’Taming Complexity in Partial Differential
Systems’, PDE models for transportation networks.

Das Interview in voller Länge:


Was hat Sie bewogen, Mathematik zu studieren?
Hm, eine gute Frage – um ehrlich zu sein, weiß ich darauf selbst nie eine passende Antwort. Mathematik war für mich in der Schule immer leicht, aber wenn ich so zurück denke, hatte ich viele Interessen und eine allgemeine Freude am Lernen. Neben meiner Leidenschaft für Sport und Bewegung, mochte ich zum Beispiel Sprachen auch immer unglaublich gern. Aber schlussendlich hat mich wohl doch die, manchmal schwer zu erklärbare, Einfachheit der Mathematik und die Logik dahinter fasziniert.

Sie haben sich nach dem Masterstudium entschlossen, eine Dissertationsarbeit zu schreiben,warum?

Es war eine sehr spontane Entscheidung. Ich erfuhr durch Zufall über einen Freund von der offenen Doktorratsstelle in Linz und habe mich, ohne groß darüber nachzudenken, beworben. Ich denke, dass oft die spontanen, unvorhersehbaren Entscheidungen bedeutend sind und ich hatte das Glück in einer Gruppe zu arbeiten, wie ich mir sie besser nicht hätte vorstellen können.

Was ist der Inhalt Ihrer Arbeit?

In meiner Doktorarbeit forschte ich unter anderem an Modellen, die Bewegungsabläufe von Menschenmengen physikalisch und mathematisch zu beschreiben versuchen. Obwohl die Dynamik von Menschenmassen schwer vorherzusehen ist, sollen die Forschungsresultate dazu beitragen, die Massen kontrollierbarer zu machen und Prozesse wie beispielsweise das effiziente Verlassen der Menschen aus U-Bahnstationen oder der reibungslose Ablauf von Veranstaltungen wie Konzerte oder Demonstrationen, zu erleichtern. Unterschiedliche Modellansätze führen zu unterschiedlichen
partiellen Differentialgleichungssystemen, welche mathematisch analysiert und numerisch simuliert werden.

Was machen Sie aktuell?
Seit September dieses Jahres arbeite ich als postdoktorale Forschungsmitarbeiterin an der Universität Wien an partiellen Differentialgleichungsmodellen für Netzwerkprozesse, welche unter anderem dazu dienen die Nervatur (die Aderung in Blättern) oder die Struktur von Blutkapillaren zu beschreiben.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Die Vielfältigkeit, Flexibilität und nicht zu vergessen die zahlreichen Erfahrungen im Rahmen von internationalen Vorträgen, Forschungsaufenthalten und Konferenzen sowie das Knüpfen von Kollaborationen und Freundschaften in der ganzen Welt.

Bleibt Ihnen auch Zeit für Hobbies?
Ja, auf jeden Fall – die Arbeit alleine könnte mich nie erfüllen. Mir ist besonders wichtig, dass ich immer genügend Zeit für Freunde und Familie habe, welche für mich höchste Priorität haben. Ich bin auch ein sehr aktiver Mensch, weshalb es bei mir kaum einen Tag ohne ausreichend Bewegung oder Sport gibt. Aber es gibt auch viele Hobbies, für die ich gerne mehr Zeit hätte. Aber wem geht das nicht so?

Wie groß ist der Frauenanteil im Studienfach Mathematik?
Schwer zu sagen. Ich würde mal schätzen, dass es im Studium zwischen 30 und 50 Prozent waren. Bei den Professoren und Professorinnen an der Universität schaut die Verteilung jedoch ganz anders aus – da überwiegt bei weitem der Männeranteil.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Man sollte etwas finden, was einem Freude bereitet. Man verbringt immerhin einen Großteil seiner Zeit am Arbeitsplatz, weshalb ich es für essentiell halte, dass man sich im Arbeitsumfeld wohlfühlt und glücklich ist -- sowohl auf sozialer als auch inhaltlicher Basis.

Was sind Ihre Zukunftspläne?
Da bin ich ganz offen und will mich gedanklich auch nicht festnageln. Es spielen im Leben so viele Kleinigkeiten eine entscheidende Rolle und meistens kommt es dann sowieso anders als man denkt. Momentan macht mir die Arbeit an der Uni großen Spaß – aber mal schauen, was noch auf mich zukommt.

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